Die Passion Christi

Kinoplakat Passion Christi

Ostern ist ein beliebter Zeitpunkt für religiöse Filme. Mel Gibson fügt dem Genre eine blutige Variante hinzu.

Die Handlung beginnt im Garten Gethsemane. In einer nebeligen Nacht betet Jesus. Derweil erhält Judas von den Priestern seinen Lohn für den bevorstehenden Verrat. Ein homosexuell anmutender Teufel versucht Jesus, der aber standhaft bleibt. Er wird von Judas verraten und vor den römischen Statthalter Pontius Pilatus gezerrt. Der verweist an den weibischen König Herodes, der die Angelegenheit wieder dem Statthalter überantwortet. Aus Rücksicht auf seine gläubige Frau Claudia lässt Pontius Pilatus Jesus nur auspeitschen, doch Priester und Volk fordern die Kreuzigung. Mörder Barabass wird freigesprochen; Jesus hingegen muss sein Kreuz nach Golgatha schleppen. Auf dem Schädelberg wird er gekreuzigt um, wie am dritten Tag wiederaufzuerstehen (wie vorhergesagt).

Kritik

Der Zuschauer merkt gleich auf: Die Darsteller sprechen weder Englisch noch Deutsch sondern Aramäisch und Latein. Die Untertitelung hätte der Verleih sich allerdings sparen können, denn die Handlung ist selbsterklärend. Die Rahmenhandlung hält sich eng an die Bibel, derweil die Ausschmückung frei gestaltet ist. Die letzten 12 Stunden Jesu werden zur blutigen Tortur, minutiös fängt der Film die Folterungen und Auspeitschungen ein, der Jesus-Darsteller mutiert mehr und mehr zu einem blutenden, roten Stück Formfleisch. Wobei die Zeitlupen, Nahaufnahmen und Blutfontänen an Horrorfilme erinnern. Was wahrscheinlich als Verehrung gedacht ist, verwischt die Grenze zur Verherrlichung des Leidens.

Handwerklich ist der Film ein Mix. Kostüme und Kulissen sind schön, die Kameraarbeit ist gut. Nur die Musik ist zu bombastisch und das Schauspiel ist mir zu plakativ. Wegen der einseitigen Erzählweise stellt sich der Film selbst ein Bein. Er versucht seine Gewaltdarstellungen linear zu steigern, was im Blutrausch endet. Die Auspeitschung etwa zeigt wie die Haut aufplatzt und Hautfetzen aus dem Körper gerissen werden, die Nägel der Kreuzigung werden in Großaufnahme eingeschlagen. Des Weiteren wird Jesus der rechte Arm ausgekugelt. Bei allem Blutvergießen berührt die Handlung kaum, denn die wenigen unblutigen Rückblenden, die Jesus menschlich näher bringen, sind zu kurz um eine Beziehung entstehen zu lassen.

Es gibt die Deutung, Judas habe Jesus nicht verraten, sondern ihn zwingen wollen, seine Göttlichkeit zu offenbaren. Und ist das Besondere am christlichen Glauben, wirklich das Leiden oder die Auferstehung? Doch die Inszenierung hat an Fragestellungen kein Interesse. Nicht zuletzt steht zu befürchten, der Film könnte dem Antisemitismus neues Futter liefern.

Fazit
Der Film macht den Eindruck, als habe Mel Gibson nicht seinem Glauben ein Denkmal setzen wollen, sondern dem Leiden huldigen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: The Passion of the Christ
Land: USA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 127
Genre: Spielfilm
Verleih: Constantin Film
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 18.03.2004
Heimkino: 11.04.2014

Regie: Mel Gibson
Drehbuch: Benedict Fitzgerald • Mel Gibson

Schauspieler: Jim Cavieziel (Jesus von Nazareth) • Monica Bellucci (Maria Magdalena) • Maia Morgenstern (Maria) • Mattia Sbragia (Hohepriester Kaiphas) • Hristo Naumov Shopov (Pontius Pilatus) • Claudia Gerini (Claudia Procles) • Luca Lionello (Judas Ischariot) • Sergio Rubini (Dismas) • Fabio Sartor (Abenader) • Giacinto Ferro (Josef von Arimathäa) • Sheila Mokhtari (Frau) • Lucio Allocca (Tempelwächter) • Christo Jivkov (Johannes)

Produktion: Bruce Davey • Mel Gibson • Stephen McEveety
Szenenbild: Francesco Frigeri
Kostümbild: Maurizio Millenotti
Maskenbild: Mario Michisanti
Kamera: Caleb Deschanel
Musik: John Debney
Schnitt: John Wright


Bilder: Constantin Film

1 customer review

befriedigend
18.03.04
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