Ein Zuhause am Ende der Welt

Kinoplakat Ein Zuhause am Ende der Welt

Drei Menschen auf der Suche nach ihrem Platz im Leben. Colin Farrell spielt mit Bravour einen bisexuellen Mann, dem Nähe wichtiger ist, als das Geschlecht.  Der siebenjährige Bobby Morrow pflegt ein sehr inniges Verhältnis zu seinem älteren Bruder Carlton. Der hat bereits Sex und kennt das Leben. Seine Weisheiten teilen die Geschwister auf dem Friedhof ebenso wie einen LSD-Trip, der für den klareren Blick sorgt. Während einer ausgelassenen Party der Eltern läuft Carlton durch eine Glasscheibe und verblutet.

Einige Jahre später ist Bobby zu einem unattraktiven Teenager herangewachsen. Sein einziger Freund Jonathan ist von ebensolcher Hässlichkeit. Zwischen den Jungs erwächst eine innige Freundschaft, in der die Grenzen verschwimmen. Bobby imitiert in dieser Beziehung seinen verstorbenen Bruder und erzählt vom Leben. Als seine Eltern bei einem Unfall sterben, wird er von Jonathans Mutter als zweiter Sohn adoptiert. Bald bekommt er mehr Mutterliebe als der leibliche Sohn.

In den Achtziger zeihen die Eltern nach Arizona. Bobby muss endlich aufbrechen und findet bei Jonathan (Dallas Roberts) und dessen Mitbewohnerin Clare (Robin Wright Penn) ein gemachtes Nest. Dadurch entsteht eine seltsame Dreiecksbeziehung. Obwohl Clare seit Jahren heimlich verliebt ist in Jonathan, beginnt sie eine Affäre mit Bobby. Der wiederum hängt trotzdem noch an Jonathan, der sich innerlich nie von ihm trennte. Daraus resultierende, schwelende Konflikte werden totgeschwiegen.

Die Situation droht zu eskalieren, als Jonathans Vater stirbt. Wieder muss Jonathan mitansehen, wie der Adoptivsohn der eigenen Mutter näher steht als er selbst. Doch der große Bruch wird umschifft, indem Clare gesteht schwanger zu sein. Die Freude auf ein Baby kittet die Dreiecksbeziehung zunächst. Man renoviert ein baufälliges Haus und zieht in einem kleinen Kaff ein Café auf. Die Familie zu dritt, scheint ein tragfähiges Modell, doch der Eindruck täuscht. Die Balance hält nur solange, wie Bobby für Clare stärkere Gefühle hegt, als für Jonathan. Das ändert sich, mit den ersten Anzeichen von Jonathans HIV-Erkrankung. Bobbys Zuwendung zu ihm wird von Clare mit Entzug geahndet.

Kritik

Mit dem "Zuhause am Ende der Welt" wurde das zweite Buch von Michael Cunningham verfilmt. Während David Hare das Drehbuch für "The Hours" adaptierte, schrieb der Romanautor das Drehbuch für den vorliegenden Film selbst. Dabei ist es ihm nicht gelungen, die Handlung auf das Wesentliche zu konzentrieren und den Stoff fürs Kino aufzubereiten. Statt wichtige Stationen eines Lebensweges aufzuzeigen, reiht er Entwicklungssprünge aneinander, denen die Zwischenschritte fehlen. Zu sehen bekommt das Publikum Schlüsselmomente. So reist Clare ab, nachdem sie die Männer beim Tanzen auf der Veranda beobachtet hat. Dass dies der Moment ist, in dem sie einsehen muss, dass die Liebe zwischen den Männern stärker ist als Bobbys Liebe zu ihr, muss man sich selbst zusammenreimen, denn wie das Hinarbeiten, so fehlen auch Gründe. Der Hauptdarsteller beispielsweise ist süchtig nach Harmonie. Das könnte darin begründet sein, dass er glaubt, als Kind den Tod seines Bruders verschuldet zu haben. Weshalb die Geschwister ein Herz und eine Seele waren, bleibt jedoch unerklärt. Ebenfalls nebulös ist seine Sucht nach Nähe. Er geht Beziehungen ein, um nicht alleine sein zu müssen. Das ist ein im realen Leben durchaus zu beobachtendes Phänomen, doch im Film fehlt die Begründung. Des Weiteren wird der Mechanismus des Totschweigens überstrapaziert. Jonathans Mutter beispielsweise erwischt die zwei Teenager beim Petting. Statt darüber zu reden, backen der Adoptivsohn und sie gemeinsam einen Kuchen. Später wird Bobby Bäcker. Die Brücke zwischen den Ereignissen muss der Zuschauer selbst bauen. In vielen Momenten soll die Musik das Nicht gesagte ausdrücken - keine gute Idee.

Da hilft es leider wenig, dass die Schauspieler ihre Rollen gut verkörpern. Colin Farrell, bislang eher der Mann fürs Grobe, beweist schauspielerisches Talent. Seine introvertierte Spielweise mit den leisen Tönen ist ebenso sehenswert wie das Auftreten von Dallas Roberts als schwuler Freund. Robin Wright Penn verkörpert glaubwürdig die zickige Frau, während Sissy Spacek in der Rolle als Mutter überzeugt. Gäben Regie und Drehbuch den Schauspielern jetzt noch ein Fundament, wäre der Film überzeugend. Doch so bleibt es bei Einerlei, dem die Griffigkeit fehlt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %

Original Filmtitel: A Home at the End of the World
Land: USA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 95
Genre: LGBTRomantikSpielfilm
Stichwort: gay
Verleih: Solo Film Verleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 09.12.2004
Heimkino: 09.06.2005

Regie: Michael Mayer
Drehbuch: Michael Cunningham
Literaturvorlage: Michael Cunningham

Schauspieler: Colin Farrell (Bobby Morrow) • Dallas Roberts (Jonathan Glover) • Robin Wright Penn (Clare) • Sissy Spacek (Alice Glover) • Ryan Donowho (Carlton Morrow) • Asia Vieira (Emily) • Jeff J.J. Authors (Frank) • Lisa Merchant (Franks Date) • Ron Lea (Burt Morrow) • Erik Smith (Bobby Morrow, jung) • Harris Allan (Jonathan Glover, jung) • Andrew Chalmers (Bobby Morrow, jung) • Matt Frewer (Ned Glover) • Quancetia Hamilton (Partygast) • Shawn Roberts (Club Boy)

Produktion: John Hart • Tom Hulce • Pamela Koffler • Katie Roumel • Jeffrey Sharp • Christine Vachon • John Wells
Szenenbild: Michael Shaw
Kostümbild: Beth Pasternak
Maskenbild: Debra Johnson
Kamera: Enrique Chediak
Musik: Duncan Sheik
Schnitt: Andrew Marcus • Lee Percy


Bilder: Solo Film Verleih

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