Die Zeit der Wölfe

Kinoplakat Die Zeit der Wölfe

Ein fantastisches Gruselmärchen, das scharf am Horror siedelt. Die pubertierende Rosaleen schläft und träumt einen bedrückenden Traum, in dem sich Realität und Fantasie zu eindrucksvollen Bildern vermischen.

Angesiedelt in einem mittelalterlichen Wald, der jedem Märchenwald zu Gesicht stände, liegt ein kleines Dörfchen in dem Rosaleens Familie lebt. Gerade ist ihre ältere Schwester ein Opfer der Wölfe geworden. Rosaleen nächtigt deshalb bei ihrer Großmutter und die leicht verstaubte Oma (Angela Landsbury) nutzt die Gunst der Stunde dem Kind einige kräftige Ammenmärchen zu erzählen. Rosaleen lernt, dass es zwei Arten von Wölfen gibt. Die eine Art ist außen behaart, die schlimmere Art trägt die Behaarung innen. Rosaleen ist fasziniert von den Schauergeschichten. Bald schon beginnt sie von der Welt der Wölfe zu fantasieren und ihre Sexualität zu erwachen. Darauf haben die Wölfe nur gewartet.

Kritik

Wölfe und Werwölfe stehen in diesem filmischen Gruselmärchen für das Triebhafte im Menschen, für vieles, was wir gerne als schmutzig abtun. Die Grenzen zwischen echtem Wolf und Werwolf sind dabei fließend. Ihr Antrieb ist die Libido. Im Wald wimmelt es von Tieren, die archetypische Bilder hervorrufen. Mal ringelt sich eine Schlange am Baum, dann hüpfen Kröten durchs Bild oder Rosaleen erklettert einen Baum um das Nest eines Storches zu entdecken; in ihrem Beisein platzen die Schalen der im Nest liegenden Eier und geben winzige Embryonen frei. Die Symbolsprache des Filmes ist nicht immer nachvollziehbar, aber das Gesamtbild stimmt.

Das Ende vom Lied ist absehbar: Rosaleen ist zum Teenager geworden, entdeckt die eigene Sexualität und begegnet auf ihrem letzten Gang durch den Wald einem Wolf. Der erscheint ihr in menschlicher Gestalt in der Verkleidung eines Jägers. Doch Rosaleen weiß instinktiv, wer da vor ihr steht. Sie zögert kurz, doch die Verlockung ist zu groß und sie lässt sich auf einen Wettlauf ein. Wenn der Wolf zuerst das Haus der Großmutter erreicht, bekommt er einen Kuss.

Im Show-down kommt es zu einem kurzen heftigen Handgemenge im Haus der Großmutter, bei dem der Wolf siegt und die Großmutter sich als hohle Figur entpuppt, die einer Puppe aus Rosaleens realem Kinderzimmer ähnelt. Der Teenager zögert ehe er die Welt der Wölfe betritt. Er ist keine leicht zu pflückende Frucht, doch die Neugier aufs Neue gewinnt die Oberhand. Letzten Endes erliegt er dem Charme des (Wer-)Wolfes und folgt ihm in Gestalt einer Wölfin. Ob dies nun im Traum oder in der Realität geschieht, erfährt der Zuschauer nicht, denn auch im Traumgeschehen sind die Grenzen fließend und die Ebenen durchdringen einander.

Fazit
"Die Zeit der Wölfe" ist kein ausgesprochener Horrorfilm, sondern die Gruselvariante von Rotkäppchen, die stellenweise in plakativen Horror driftet. Schwache Nerven seien gewarnt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Original Filmtitel: The Company of Wolves
Land: Großbritannien
Jahr: 1984
Laufzeit ca.: 93
Genre: FantasyGruselHorrorMärchen
Verleih: Filmwelt
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 08.03.1985

Regie: Neil Jordan
Drehbuch: Angela Carter • Neil Jordan

Schauspieler: Angela Lansbury (Großmutter) • Sarah Patterson (Rosaleen) • David Warner (Vater) • Graham Crowden (Priester) • Brian Glover (Vater des verliebten Jungen) • Kathryn Pogson (Braut) • Stephen Rea (Bräutigam) • Tusse Silberg (Mutter) • Micha Bergese (Jäger) • Georgia Slowe (Alice) • Susan Porrett (Mutter des verliebten Jungen) • Shane Johnstone (Verliebter Junge) • Terence Stamp (Teufel)

Produktion: Chris Brown
Szenenbild: Anton Furst
Kostümbild: Elizabeth Waller
Maskenbild: Jane Royle
Kamera: Bryan Loftus
Musik: George Fenton
Schnitt: Rodney Holland


Bild: Filmwelt

1 customer review

gut
01.08.18
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