Echte Frauen haben Kurven

Kinoplakat Echte Frauen haben Kurven

Tradition gegen Moderne. In diesem Mutter-Tochter-Drama schenken sich die Frauen nichts. Ana (America Ferrera) lebt als Tochter mexikanischer Einwanderer in Amerika. Sie hat Selbstbewusstsein, Charakter und ein gewichtiges Auftreten. Ihre Mutter lässt keine Möglichkeit ungenutzt, ihr unter die Nase zu reiben, wie fett sie ist. Obwohl sie in der Schule eine ausgezeichnete Schülerin ist, will die Mutter sie nicht aufs College gehen lassen. Die Tochter soll arbeiten, Kinder kriegen und einen Haushalt führen.

Anas Schwester schneidert in einer kleinen Manufaktur Modellkleider. Modehäuser kaufen bei ihr für 16 Dollar ein und verkaufen dasselbe Kleid für 600 Dollar. Für Ana eine schreiende Ungerechtigkeit. Als sie gegenüber einer Auftraggeberin rebelliert, kommt es beinahe zur Eskalation. Die Regeln des Geschäfts sind hart: entweder pünktlich liefern oder den Auftrag verlieren. Allmählich erwacht in Ana Anerkennung und Respekt für die Frauen der Näherei. Nur ihre starrköpfige Mutter bleibt unerbittlich. Als Anas Vater entscheidet, die Tochter aufs College gehen zu lassen, zumal Ana ein Vollstipendium bekommt, droht der offene Bruch.

Kritik

Die Fronten sind im Spielfilm-Debüt von Regisseurin Patricia Cardoso unvereinbar. Personifiziert durch Mutter und Tochter treffen Tradition und Moderne aufeinander. Hier die Tradition mit Heiligenfigürchen auf dem Küchenregal, dort gesundes Selbstbewusstsein. Ana gelingt es für die andere Lebensweise Verständnis aufzubringen - im Gegensatz zu ihrer Mutter, die dickköpfig und unverrückbar auf ihrer Position beharrt. Das geht soweit, dass sie ihrer Tochter den Segen fürs Studium verweigert. Sie ist eine Frau, die nicht loslassen kann. Weder verkraftet sie den Verlust ihrer Weiblichkeit durch die einsetzenden Wechseljahre, noch kann sie anerkennen, ihre Töchter werden erwachsen. Das Problem dabei ist, dass mir weder Ana noch ihre Mutter wirklich sympathisch werden. Ich kann mich weder für die eine noch die andere Seite entscheiden. Der Film selbst bleibt damit unparteiisch zu dem Preis, dass er es dem Zuschauer schwierig macht.

Im Mittelpunkt des Mutter-Tochter-Dramas stehen Frauen Männer spielen nur Nebenrollen. Sie sind keine Unterdrücker, das besorgen die Frauen untereinander, sondern bleiben Randfiguren wie Vater, Ehemann, Großvater, Lehrer oder erster Freund. Das Tempo der Erzählung ist sehr ruhig. In 90 Minuten Filmlänge bietet der Film den genannten Konflikt und Ana bekommt ein positives Verhältnis zu ihrem Körper. Die Wohlfühl-Szenen sind rar und wirken mitunter aufgesetzt. Etwa der Wettbewerb in der Schneiderei, bei dem die Frauen darum wetteifern, welche die meiste Cellulite hat. Der an und für sich schöne Humor durchbricht die Konflikte zu selten und kommt insgesamt zu kurz. Im Ergebnis hat der Film einen spröden Charakter, eingefangen in eine gute Kameraführung mit schönen Bildern.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Real Women Have Curves
Land: USA
Jahr: 2002
Laufzeit ca.: 90
Genre: Drama
Stichwort: Coming of Age
Verleih: Alamode Film
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 06.05.2004
Heimkino: 29.09.2006

Regie: Patricia Cardoso
Drehbuch: George LaVoo • Josefina Lopez

Schauspieler: America Ferres (Ana) • Lupe Ontiveros (Carmen) • Ingrid Oliu (Estela) • George Lopez (Mr. Guzman) • Brian Sites (Jimmy) • Soledad St. Hilaire (Pancha) • Lourdes Perez (Rosali) • Jorge Cervera Jr. (Raul) • Felipe De Alba (Großvater) • José Gerardo Zamora Jr.(Juan José) • Edgar Lujan (Juan Martin) • Lina Acosta (Norma)

Produktion: Effie Brown • George LaVoo
Szenenbild: Brigitte Broch
Kostümbild: Elaine Montalvo
Maskenbild: Nicole Sortillon
Kamera: Jim Denault
Musik: Heitor Pereira
Schnitt: Sloane Klevin


Bild: Alamode Film

1 customer review

befriedigend
06.05.04
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