Ihn verlangt es nach ihr. Aber sie nicht nach ihm. Er ist in der Zeit stehen geblieben. Sie ist eine emanzipierte, selbstbewusste Frau, die keinen Mann benötigt, um glücklich zu sein. Genderproblematiken sind Teil der Handlung. Lustig wird es trotzdem nicht.
Eine zufällige Begegnung in einem Restaurant bringt Alice und Walter nach Jahrzehnten wieder zusammen. Die Reaktion darauf fällt unterschiedlich aus. Während er in ihr seine ehemalige verflossene Liebe sieht, erinnert sie sich daran, dass sie noch nie zusammengepasst haben. Dementsprechend reagiert sie auf Walters Kontaktaufnahme. Doch der lässt nicht locker und wird Gasthörer an der Universität, an der sie lehrt. Alice ist von Walters Werben wenig angetan, während die junge Generation der Studierenden mit dem pedantischen alten Mann wenig anfangen kann. Beide Seiten geben sich Mühe und er kommt zu vorsichtigen Annäherungen der Fronten. Nur Alice ist so leicht nicht zu beeindrucken.
Kritik
Die Komödie "Ein fast perfekter Antrag" mischt Nostalgie mit Generationskonflikten und Geschlechterproblematiken. Das hätte mit einem gescheiten Drehbuch und einer anderen Besetzung funktionieren können. Im vorliegenden Fall lässt das Drehbuch leider Ausarbeitung und Vielfalt vermissen. Die einzelnen Rollen sind wenig ausgebaut und setzen auf Stereotype. Walter ist ein verkopfter Mann im Rentenalter, dem Gefühle fremd sind. Dem verleiht Heiner Lauterbach durch eine überbetonte Phonetik Ausdruck. Ansonsten ist er bemüht, seine Rolle zu gestalten. Aber was nutzt das angesichts des Drehbuchs? Was an ihm liebenswert sein könnte oder sollte, ist nicht auszumachen. Somit funktioniert die Formel "liebenswertes Ekel" nicht.
An seiner Seite betont Iris Berben wiederholt, dass die Zwei nicht zueinanderpassen. Das stimmt und das bleibt so. Womit die Liebesgeschichte unglaubwürdig ist. Berben ist gut in Szene gesetzt. Der Kritiker würde gerne sagen, Berben trägt ihren Text schön vor. Doch das ist enttäuschenderweise nicht der Fall. Berbens Phonetik ist hörbar unsauber. Zudem fehlt es der Darstellerin an Ausdruck.
Die Studierenden, wie es in der Komödie politisch korrekt heißt, bleiben Klischees. Es gibt eine non-binäre Person, eine Feministin, einen Chauvinisten und so weiter. Das Schauspiel der Jungstars ist zu vernachlässigen. Das Drehbuch spielt ihnen zeitweilig übel mit; man denke an die Gesangsnummer in Wien.
Die Gender-Problematiken sollen dem Zeitgeist entsprechen und bleiben oberflächlich. So wird hinterfragt, warum in der klassischen Malerei so viele Frauen-Popos zu sehen sind, ohne einen Bezug zur Zeit ihrer Entstehung herzustellen.
Fazit
"Ein fast perfekter Antrag" verbindet das Motiv des geläuterten Ekelpaketes mit der Hoffnung auf eine zweite Chance. Das Drehbuch zeigt leider den Wandel des Mannes nicht glaubwürdig, noch ziehen die Gegensätze einander an. Somit ist die Grundlage des Films eine schlechte. Erschwerend kommt hinzu, dass Iris Berben in ihrer Rolle enttäuscht. Damit ist der "fast perfekte Antrag" eine zu vernachlässigende Fernsehkomödie mit vielen kostensparenden Innenaufnahmen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 30 %
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 105
Genre: Komödie
Verleih: Leonine
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren
Kinostart: 26.02.2026
Heimkino: 10.07.2026
Regie: Marc Rothemund
Drehbuch: Richard Kropf
Schauspieler: Heiner Lauterbach (Walter Adler) • Iris Berben (Alice Olsen) • Jonathan Perleth (Zero) • Julius Forster (Walter (jung) • Raffaela Kraus (Alice (jung) • Amira Demirkiran (Riccarda) • Lucy Gartner (Nele) • Chiara Di Geronimo (Luna) • Junis Marlon (Ron) • Joel Akgün (Shane) • Johanna Bittenbinder (Frau Hitzl) • Peer-Robin Hagel (René) • Luca Estelle Horvath (Annouk) • Janina Kranz (Rike)
Produktion: Lasse Scharpen
Szenenbild: Susann Bieling
Kostümbild: Katharina Ost
Maskenbild: Kurosch Akhavan • Adella Selzer
Kamera: Ahmet Tan
Musik: Andrej Melita • Jörg Magnus Pfeil
Schnitt: Hans Horn • Chris Mühlbauer
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Bild: Leonine
