Julie & Julia

Kinoplakat Julie und Julia

Mit kochen verbinden die meisten Menschen unterschiedliche Dinge. Für Hausfrauen und Mütter ist es oftmals Routine. Dabei die verschiedenen Geschmäcker und Vorlieben der einzelnen Familienmitglieder unter einen Hut zu bringen ist ihre Kunst. Für Männer hingegen ist kochen ein Hobby. Bei dem sie, in den Augen von Frauen, zu viel Aufwand treiben, zu viel Geschirr schmutzig machen und später den Abwasch vergessen.

Inspiration finden Profis und Amateure in Kochbüchern. Doch nicht immer gelingen die Rezepte so einfach, wie es auf dem Papier steht. Das Gericht bekommt keinen Pepp, Soßen klumpen, Kuchen fallen beim Abkühlen zusammen. Diese Erfahrungen macht auch Julie Powell, die sich im Amerika des Jahres 2002 vorgenommen hat, alle Rezepte aus einem Standardwerk der Kochkunst nachzukochen.

"Julie & Julia" erzählt abwechselnd aus dem Leben zweier Frauen. Ein Handlungsstrang greift das Leben von Julia Child (Merryl Streep) auf, die 1948 nach Frankreich zieht, dort die französische Küche kennen und lieben lernt. Amerikaner verbinden mit ihrem Namen vor allem das Kochbuch "Mastering the Art of French Cooking". Die Fertigstellung des Werkes von mehr als 600 Seiten zieht sich über Jahre hin und zunächst wird das Buch von amerikanischen Verlagen abgelehnt. Zu dick, zu kompliziert. Aber die Lektoren irren und das Kochbuch wird ein Bestseller und seine Autorin zum Fernsehstar. In diesen Punkten stimmen Fiktion und Realität überein.

Im Amerika des Jahres 2002 widmet sich Julie Powell (Amy Adams) zunächst aus Frust dem Kochen. Ihre Erfahrungen teilt sie mit der Welt in einem Onlinetagebuch (Blog) und später in Form eines Buches. Während der Erfolg des Blogs anfangs auf sich warten lässt, wird Julie auf Dauer immer bekannter und eines Tages berichten sogar die großen Tageszeitungen über sie. Doch der Erfolg führt auch zu Spannungen. In ihrer Ehe kriselt es, eben weil Julie reichlich Zeit in die Verwirklichung ihres Egos steckt.

Kritik

Die Idee zum Film gefällt mir. Kochen ist etwas, dem wir alle nachgehen oder nachgehen lassen, denn selbst ein Fertiggericht wurde im weiteren Sinne gekocht. Das Schönste aber ist selbst zu kochen. Lebensmittel auswählen, vorbereiten und dann während des Kochens schon mal den Duft genießen und zusehen, wie langsam etwas entsteht. Gekrönt wird dieses Erlebnis für alle Sinne von einem Essen mit guten Freunden.

Ähnlich ergeht es Merryl Streep als Julia Child im Frankreich der Nachkriegszeit, die gerne und leidenschaftlich lebt. Hier wird mit Freude eingekauft, gekocht und geschlemmt. Und nicht nur am Herd ist sie eine Genießerin. Amy Adams als Julie ist ihr zwar im Geiste verbunden, verkörpert jedoch die moderne Frau der Jetztzeit. Mit dem Nachkochen der alten Rezepte will sie sich selbst beweisen. Diese Gegensätze sind eine schöne Idee - allerdings nicht konsequent umgesetzt. So singt Julie zwar ein Loblied auf Butter, von der sie gar nicht genug bekommen kann - aber die Schauspielerin sieht nicht aus, wie eine Frau, die gerne viel (Butter) isst. Selbst nach einem Jahr intensiven Kochens ist sie dürr und macht den Eindruck, als hätte sie ein Jahr lang täglich nicht mehr gegessen als grünen Salat.

Während die Handlung in Julies Amerika sehr glatt abläuft, geht es bei den Childs zu wie in einem derben Schwank. Das ist nicht aus der Luft gegriffen. In Videos hat die reale Julia Child eine kehlige Stimme und eine eigenartige Körpersprache. Doch die Schauspielerin Merryl Streep macht aus der Rolle eine Einpersonen-Show. Ihre Julia Child spricht im englischen Original durchgängig so, als sei sie angetrunken. Und die absichtlich ungelenke Körpersprache möchte ich als überzogen bezeichnen. Ohne die Kunst herabwürdigen zu wollen, finde ich das Gehabe auf Dauer anstrengend. Beiden Handlungssträngen gemein ist, dass sie oberflächlich bleiben.

Dabei machen die Darsteller grundsätzlich einen sympathischen Eindruck. Amy Adams als Egozentrikern nervt etwas, aber das ist als Rolle so angelegt. Stanley Tucci als Ehemann von Merryl Streep geht mit seinem nuancierten Spiel etwas unter. Und teilt damit das Schicksal von Chris Messina, der als Julies Ehemann nicht viel zu melden hat. Diese eigenartige Austarierung ist wahrscheinlich gewollt, indem sie zwei Frauen in den Mittelpunkt stellt. Gleichzeitig wirkt die Regie unausgewogen.

Hinsichtlich des Drehbuchs finde ich manche Handlungsstränge nicht ausgereift. So werden Julies Freundinnen eingeführt, die sie hat, obwohl sie selbige nicht leiden kann. Diese Frauen werden kurz vorgestellt, sind dann aber flüchtiger als Parfum und einfach vergessen, umgezogen oder aus nicht genannten Gründen aus Julies Leben gewichen. Außerdem gibt es eine Mutter, die nur am Telefon in Erscheinung tritt und mit nervigen Kommentaren für hinlänglich bekannte Gags sorgt. Die Überschneidung der Leben von Julie und Julia bleibt im Ansatz stecken. Ein Journalist behauptet am Telefon: Julia habe Julies Blog gelesen und hasse ihn. Später wird diese Aussage infrage gestellt und das Thema ist beendet. Die Überschneidung von Vergangenheit und Gegenwart braucht es ebenso wenig wie die besten Freundinnen, die keine Rolle spielen.

Fazit
Der Film "Julie & Julia" beruht auf einer gefälligen Idee. Die Umsetzung ist mir allerdings zu oberflächlich. Mir fehlen Warmherzigkeit und eine gewisse Sinnlichkeit. Wenn die Menschen im Film behaupten zu genießen, dann glaube ich ihnen das nicht. Darüber hinaus stünde der Geschichte eine kürzere Laufzeit besser an. Mit 120 Minuten hat die Handlung keine echten Längen, zieht sich jedoch gegen Ende fühlbar.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: USA
Jahr: 2009
Laufzeit ca.: 123
Genre: BiografieRomantikSpielfilm
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 03.09.2009
Heimkino: 11.03.2010

Regie: Nora Ephron
Drehbuch: Nora Ephron

Schauspieler: Meryl Streep (Julia Child) • Amy Adams (Julie Powell) • Stanley Tucci (Paul Child) • Chris Messina (Eric Powell) • Linda Emond (Simone Beck) • Helen Carey (Louisette Bertholle) • Mary Lynn Rajskub (Sarah) • Jane Lynch (Dorothy McWilliams) • Joan Juliet Buck (Madame Brassart) • Crystal Noelle (Ernestine) • George Bartenieff (Chef Max Bugnard) • Vanessa Ferlito (Cassie)

Produktion: Nora Ephron • Laurence Mark • Amy Robinson • Eric Steel
Szenenbild: Mark Ricker
Kostümbild: Ann Roth
Maskenbild: Kyra Panchenko
Kamera: Stephen Goldblatt
Musik: Alexandre Desplat
Schnitt: Richard Marks


Bild: Sony Pictures

1 customer review

befriedigend
03.09.09
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