Killing God - Liebe Deinen Nächsten

Kinoplakat Killing God

Die Idee ist nahe liegend. Gott kommt auf die Erde und fühlt vier Menschen auf den Zahn. In der räumlichen Enge eines alten Herrenhauses werden mehr und mehr Schichten freigelegt. Abgerundet wird das Psychospiel mit Gotteslästerung. Da lautet die Frage, geht der Schuss nach vorne oder nach hinten los?

Eine kleine Gruppe Menschen will in einem abgelegenen Haus Silvester feiern. Allerdings hängt bei Ana und Carlos der Haussegen schief, weil er ihr Untreue vorwirft. Noch ehe die Anschuldigung bewiesen werden kann, klingeln Carlos' Bruder und Vater an der Haustür. Der Abend schreitet voran und die Stimmung ist angespannt, weil jeder Anwesende mit einem Problem kämpft. Vater Eduardo (Boris Ruiz) hat vor einem halben Jahr seine Frau verloren und ist seitdem Atheist. Zudem sucht er sein Vergnügen bei Huren. Sein Sohn Santi (David Pareja) leidet darunter, von seiner Frau verlassen worden zu sein. Sein Bruder Carlos ist sauer auf Ana, weil die einen Seitensprung gemacht hat. Ana (Itziar Castro) ist aufgelöst, weil die Nacht mit ihrem Chef ihr die Erfüllung gebracht hat, die ihr Carlos (Eduardo Antuña) nicht mehr bieten kann oder will. Jetzt hat sie Angst, dass Carlos sie nun verlassen wird.

Mitten in die angespannte Situation platzt ein ungebetener Gast. Ein kleinwüchsiger, ungepflegter Mann (Emilio Gavira) ist in das Haus eingedrungen. Er behauptet kein Geringerer zu sein als Gott und stellt die Vier vor eine Herausforderung. Seinen Worten zufolge, wird am kommenden Morgen die gesamte Menschheit sterben, mit Ausnahme von zwei Menschen. Wer überleben darf, sollen die Vier entscheiden. Damit bricht Gott eine hitzige Debatte los, in der noch mehr schmutzige Wäsche gewaschen wird als vor seiner Ankunft.

Kritik

Der Film "Killing God - Liebe Deinen Nächsten" ist der erste lange Film der Regisseure Caye Casas und Albert Pintó, die zuvor Kurzfilme gedreht haben. Er soll laut Verleih eine schwarze Komödie sein. Nach meinem Dafürhalten ist der Film ein Drama und trägt einen irreführenden Untertitel, der auf den misslungenen Versuch hinweist, bissig zu sein. Handlung und Dialoge kommen nicht auf den Punkt. Es ist wiederholt von Sexualität die Rede. Doch welcher Zuschauer ist im Jahr 2018 beim Anblick einer Penispumpe erschüttert? Und wen bewegt es, wenn er erfährt, dass Macho Carlos zeugungsunfähig ist? Auch die Witze über Religion zünden nicht. Die Behauptung, es gäbe kein Leben nach dem Tod, mag tiefgläubige Spanier ärgern. Aber mich berührt sie so wenig wie die Spitze, man wolle die Ewigkeit wohl kaum an der Seite eines Massenmörders verbringen. Im Ergebnis bleiben die Witze so zahm, dass ich nicht von einer Komödie sprechen möchte.

Das Drama bietet nicht viel. Ana ist fremdgegangen und Carlos ein Macho. Santis Ex-Frau hat einen neuen Liebhaber, der Santi übertrifft. Die Themen werden ausgewälzt und trotzdem nicht ausgebaut, bleiben auch durch die Wiederholungen belanglos. Kurz vor Filmende fließt Blut und macht einen deplatzierten Eindruck, weil der Rest des Films kein Horrorfilm ist. Warum Gott ausgerechnet nach Spanien kommt und diese vier Menschen aussucht bleibt ohne Erklärung. Wie auch seine Vorliebe für Alkohol. Das offene Ende fällt verwaschen aus und schwächt den Eindruck nochmals.

Geschauspielert wird leider nicht viel, sondern überwiegend geredet. Wobei die Stimme der deutschen Synchronisation im Fall der Wagner-Frau Itziar Castro auffällig hell klingt. Bei einer Frau mit einem derart ausgeprägten Resonanzkörper erwarte ich eine voluminösere Stimme. Auch bei Eduardo Antuña empfinde ich die deutsche Synchronstimme als unpassend. Das Szenenbild ist gut gewählt, das alte Herrenhaus die würdige Kulisse für einen Horrorfilm. Doch die Kamera weiß die vielen Jagdtrophäen an den Wänden nicht als bedrohlich aussehend einzufangen. Anstrengend ist die Geräuschkulisse des Films, die viele Passagen der Handlung mit Klängen und Tonfetzen unterlegt. Das ist aus Computerspielen bekannt und strapaziert das Gehör.

Fazit
Der Film "Killing God - Liebe Deinen Nächsten" könnte als Kurzfilm funktionieren. Mit einer Lauflänge von mehr als 90 Minuten ist das Thema jedoch lange vor Filmende abgearbeitet. Dem Humor fehlt der Biss, die Aneinanderreihung von Allgemeinplätzen ist nicht witzig. Die Schauspieler bekommen kaum Möglichkeiten, um etwas darzustellen. Die Kamera weiß das Potenzial des Szenenbildes kaum auszuschöpfen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 10 %


Original Filmtitel: Matar A Dios
Land: Spanien
Jahr: 2017
Laufzeit ca.: 93
Genre: Drama
Verleih: lupusFilmverleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 27.12.2018
Heimkino: -

Regie: Caye Casas • Albert Pintó
Drehbuch: Caye Casas • Albert Pintó

Schauspieler: Eduardo Antuña (Carlos) • Itziar Castro (Ana) • Boris Ruiz (Eduardo) • David Pareja (Santi) • Francesc Orella (Padre) • Emilio Gavira (Zwerg)

Produktion: Norbert Llaràs Carles
Szenenbild: Cristina Borobia
Kostümbild: Marina Díaz • Cora Beas Moix
Maskenbild: Alba Arias • Alba Seto
Kamera: Miquel Prohens
Ton: Bernat Fortiana
Musik: Francesc Guzmán
Schnitt: Jordi López


Bild: lupusFilmverleih

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