L'auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr

Kinoplakat Barcelona für ein Jahr

Ein Erasmus-Jahr in Barcelona. Xavier (Romain Duris) kann eine Stelle bekommen und muss vorher seine Fremdsprachen-Kenntnisse aufbessern. So verschlägt es ihn für ein Jahr nach Barcelona. Zuvor allerdings muss er Klippen umschiffen, um am Austauschprogramm Erasmus teilzunehmen.

Endlich in Barcelona angekommen, kann Xavier nicht wie geplant bei der Freundin seiner Mutter wohnen. Folglich steht er eigentlich auf der Straße, kann aber bei einem französischen Pärchen unterschlüpfen, bis er endlich ein Wohngemeinschafts-Zimmer ergattert. Er besteht den Eignungstest und zieht als Sechster ein. Hier ergeben sich die typischen WG-Probleme. Wer macht sauber? Wer hat seine Lebensmittel in mein Fach im Kühlschrank gestellt? Dass die Mitbewohner aus verschiedenen europäischen Ländern stammen, spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Als der Wohnungs-Inhaber auftaucht, droht er die WG an die Luft zu setzen. Nur Xaviers Besonnenheit rettet die bunte Gemeinschaft für einige Monate. Doch das hat seinen Preis, denn die Miete wird saftig erhöht. Also muss noch jemand einziehen. Xavier ist bereit sein Zimmer zu teilen – zum Beispiel mit Isabelle. Die gibt sich erst nach dem Einzug als Lesbe zu erkennen. Kein großes Problem und für Xavier ein Glück. Isabelle erzählt ihm von ihrer Verführung durch eine Flamenco-Lehrerin und verrät, wie ein Mann eine Frau erfolgreich verführt. Dieses Wissen wendet Xavier gleich in der Praxis an.

Der Besuch seiner Freundin Martine (Audrey Tatou) gerät zum Fiasko und kurz darauf gibt sie ihm den Laufpass. Auch bei Xaviers Blitzbesuch in Paris, lässt sich Martine nicht mehr umstimmen. Er steht kurz vor dem Nervenzusammenbruch, glaubt seinen Verstand zu verlieren, Erasmus zu begegnen und seine Muttersprache zu verlernen.
Der nächste dramatische Höhepunkt ist das unangekündigte Auftauchen von Wendys Freund Alistaire (Iddo Goldberg). Wendy (Kelly Reilly) vergnügt sich gerade mit dem Amerikaner Bruce (Oliver Raynal) im Bett. Jetzt muss die gesamte WG zusammenhalten, um den drohenden Konflikt abzuwenden. Ausgerechnet Wendys nerviger Bruder, der bislang allen nur auf den Zwirn ging, rettet die Situation im letzten Moment – um den Preis, dass Bruce ihn ab sofort für schwul hält.

Das Jahr in Spanien geht zu Ende. Die WG löst sich zwangsläufig auf, die Wege trennen sich. Xavier kehrt nach Frankreich zurück. Dort stellt er fest, er will nicht den Lebensweg gehen, den sein Vater für ihn vorsieht. Er flieht aus seiner Anstellung – zurück nach Barcelona. Hier will er seinen Kindheitstraum verwirklichen und Schriftsteller werden. Der Titel seines ersten Buches: "Barcelona für ein Jahr".

Die Handlung klingt vielversprechend. Beim Sehen stellt sich heraus, dass Regisseur Cedric Klapisch fast alle Jungstars aufs Nebengleis stellt. Sie sind Randfiguren, wie auch die WG nur eine untergeordnete Rolle spielt. Im Vordergrund steht Xavier mit seiner Selbstfindung. Die hätte auch in Kopenhagen, Stockholm oder Berlin stattfinden können. Der Hauptgrund den Film in Barcelona spielen zu lassen besteht wohl darin, dass der Regisseur seine Schwester während ihres Erasmus-Aufenthaltes in Barcelona besuchte. Aus derselben Quelle stammt auch die Idee mit der Wohngemeinschaft.

Leider werden die Möglichkeiten des internationalen Zusammentreffens nicht ausgeschöpft. Die Britin ist ein bisschen steif, der Deutsche gründlich ... Hier kommt das Wort "kann" ins Spiel. Man kann aus dem Stoff vieles machen. Zum Beispiel den verschiedenen Nationen mehr Gewicht verleihen, die Andersartigkeiten mehr aufeinander prallen lassen. Xavier kann auch mit Erasmus philosophieren.

Das anfänglich gute Tempo des Films verliert sich rasch. Anfangs rast Xavier im Zeitraffer durch die Gegend und kleistert die Leinwand mit Notizzetteln und Anträgen zu. Doch bald schaltet der Film in einen gemächlicheren Gang ... bis dem Regisseur die Ideen ausgehen. Über lange Minuten dümpelt der Film in seichten Gewässern dahin, um ein aufgesetztes Ende zu finden.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: L'auberge espagnole
Land: Frankreich
Jahr: 2002
Laufzeit ca.: 121
Genre: Komödie
Verleih: Tobis
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 13.11.2003
Heimkino: 11.10.2004

Regie: Cédric Klapisch
Drehbuch: Cédric Klapisch

Schauspieler: Romain Duris (Xavier) • Judith Godreche (Anne Sophie) • Audrey Tautou (Martine) • Cécile de France (Isabelle) • Kelly Reilly (Wendy) • Christina Brondo (Soledad) • Frederico D'Anna (Alessandro) • Barnaby Metschurat (Tobias) • Christian Pagh (Lars) • Kevin Bishop (William) • Xavier De Guillebon (Jean Michel) • Wladimir Yordanoff (Jean Charles Perrin) • Irene Montala (Neus) • Iddo Goldberg (Alistair) • Martine Demaret (Mere de Xavier) • Olivier Raynal (Bruce) • Paulina Galvez (La Prof De Flamenco)

Produktion: Bruno Levy
Szenenbild: François Emmanuelli
Kostümbild: Anne Schotte
Maskenbild: Gemma Planchadell
Kamera: Dominique Colin
Musik: Patrick Ardagh-Walter
Schnitt: Francine Sandberg


Bild: Tobis

1 customer review

befriedigend
13.11.03
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