Ein perfekter Platz

Kinoplakat Ein perfekter Platz

Die junge, bezaubernde Jessica beschließt spontan nach Paris zu ziehen. Die Erzählungen ihrer Großmutter, die ihr Leben lang als Toilettenfrau in Pariser Luxushotels gearbeitet hat, haben sie dazu animiert. Doch in Paris Arbeit und Unterkunft zu finden ist nicht leicht. Schließlich ergattert Jessica einen Job als Aushilfskellnerin in einem kleinen Bistro in der luxuriösen Avenue Montaigne, das in unmittelbarer Nähe eines Theaters, eines Konzertsaals und eines Auktionshauses liegt.

Der Film "Ein perfekter Platz" ist die dritte und neueste Regiearbeit der höchst erfolgreichen Regisseurin Danièle Thompson, die ja vorher bereits als Drehbuchautorin von sich reden machte. Eine leichte, wunderbar unterhaltsame Komödie über den französischen Jetset der Künstler und Reichen und ihre großen und kleinen Probleme, ihre Sehnsüchte und Wünsche, ihre Geheimnisse und Tragödien.

Die junge hübsche Jessica (einfach unwiderstehlich bezaubernd: Cécile de France) kommt aus der französischen Provinz in die Weltstadt Paris. Sie will hier ihr Glück versuchen, weil ihre Großmutter (eine tolle Oma: Suzanne Flon) ihr immer von Paris vorgeschwärmt hat. Sie war nämlich ihr Leben lang Toilettenfrau in Pariser Fünf-Sterne-Hotels und pflegte ihrer Enkelin stets zu sagen: "Ich konnte es mir nicht leisten, im Luxus zu leben, also habe ich beschlossen, im Luxus zu arbeiten." Doch so einfach ist es in Paris nicht für ein Provinzmädel, das nichts gelernt hat, Arbeit und Unterkunft zu finden. Nach vielen Absagen findet Jessica schließlich einen Aushilfsjob als Kellnerin in einem Bistro, das in unmittelbarer Nähe eines Theaters, eines Konzertsaals und eines Auktionshauses liegt. Der Patron des Bistros (ganz typisch: Francois Rollin) weiß nämlich jetzt schon, dass in ein paar Tagen, nämlich am 17., wegen diverser gleichzeitiger Veranstaltungen in den drei Lokalitäten in der luxuriösen Avenue Montaigne die Hölle los sein wird. Da er knapp an Personal ist, stellt er Jessica auf Probe ein. Sein Lokal ist der Treffpunkt für alle - und so auch für die Schauspielerin Catherine Versen (umwerfend hysterisch: Valérie Lemercier), den Konzertpianisten Jean Francois Lefort (von Zweifeln geschüttelt: Albert Dupontel), den Kunstsammler Jacques Grumberg (Wiedersehen mit Altstar Claude Brasseur) und seinen erwachsenen Sohn Frédéric (attraktiv, der Sohn der Regisseurin: Christopher Thompson) und die Theater-Concierge Claudie (patent und mit großem Herz: Dani).

Im Laufe der nächsten Tage erfährt Jessica von ihnen allen die Geschichte. Catherine ist im Fernsehen ein Serienstar und auf der Bühne ein Komödienstar. Doch das reicht der nervösen und nicht mehr ganz taufrischen Darstellerin nicht. Sie fühlt sich zu Höherem berufen, träumt von anspruchsvollen Rollen, von Autorenfilmen, von intellektueller Anerkennung. Zwischen der Aufzeichnung der 100. Folge ihrer Erfolgsserie und den Proben zu einer neuen Bühnenkomödie, versucht sie verzweifelt Kontakt zu einem berühmten amerikanischen Regisseur zu knüpfen, der gerade in der Stadt ist. Regisseur Sobinski (einfach herrlich: Sydney Pollack in Person) will einen Film über Simone de Beauvoir drehen, und Catherine möchte unbedingt die Hauptrolle haben. Doch ihre Treffen enden alle alles andere als erfolgreich für Catherine. Die einzige Hoffnung, die Catherine bleibt, ist die Theaterpremiere am 17. im Theater neben dem Bistro. Vielleicht kann sie mit ihrer Vorstellung Sobinski überzeugen.
Der introvertierte Konzertpianist Jean-Francois ist jetzt schon auf Jahre hinaus ausgebucht. International bewundert und bejubelt, hängt dem sensiblen Künstler der ganze Klassik-Rummel aber inzwischen einfach nur noch zum Hals heraus. Er wird am 17. im Konzertsaal neben dem Bistro, einem der weltweit schönsten Säle, zusammen mit den besten Musikern Beethoven spielen. Natürlich vor einem illustren Publikum. Dabei träumt Jean-Francois nur noch von Einsamkeit, Freiheit und der Chance, vor einem ganz normalen, unverbildeten Publikum zu spielen. Vor Menschen, die ihm zuhören, weil ihnen die Musik gefällt, und nicht weil ein Besuch seiner Konzerte zum guten Ton der High Society gehört. Seine Ehefrau Valentine (verstörte Angetraute: Laura Morante) ist zugleich seine Managerin, und hat seinetwegen und seiner Karriere auf alles verzichtet. Als er ihr seine Entscheidung mitteilt, dass er den ganzen Zirkus nicht mehr länger ertragen kann, fällt sie aus allen Wolken. Waren die ganzen Opfer umsonst gewesen? Ist das nur eine momentane Spinnerei eines überdrehten Künstlers oder ist es ihm ernst? Die Ehe der beiden stürzt in eine abgrundtiefe Krise, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt.
Der alternde Jacques kommt aus kleinsten Verhältnissen. Er hat sich mit harter Arbeit ein gewaltiges Vermögen verdient, das er hauptsächlich in Kunst angelegt hat. Sein Leben lang hat Jacques Künstler und die Kunst gefördert, und eine Kunstsammlung von unschätzbarem Wert angelegt. Jetzt will er diese Sammlung am 17. im Auktionshaus neben dem Bistro versteigern lassen. Der Grund: er fühlt, dass seine Tage gezählt sind, und er will sein Leben nicht als "Museumswärter" beschließen. Da taucht just sein Sohn Frédéric auf, mit dem ihn ein nicht gerade harmonisches Verhältnis verbindet. Frédéric ist gegen die Auktion, aber gegen seinen halsstarrigen Vater hat er keine Chance, oder?
Und dann gibt es noch die Concierge Claudie, die gute Seele des Theaters, die kurz vor der Rente steht. Sie scheint glücklich darüber zu sein, endlich nicht mehr arbeiten zu müssen, aber in Wirklichkeit kommt ihr die Zukunft ohne Theater wie ein dunkler Tunnel ohne Licht vor. Die patente Frau mit dem großen Herzen nimmt die junge Jessica unter ihre Fittiche, und führt sie in die Welt der Reichen und Schönen ein. So lernt Jessica sie alle kennen, erfährt von den Geheimnissen und Träumen, wird von allen ins Vertrauen gezogen, da das hübsche junge Mädchen einen so jugendlich-naiven Charme besitzt, der sie praktisch unwiderstehlich macht. Und in den paar Tagen vor den Großereignissen am 17. lernt Jessica etwas für ihr ganzes Leben: Es kommt immer auf den "Perfekten Platz" an, egal es sich um das Theater oder den Konzertsaal oder den Standpunkt im Leben handelt. Ist man zu weit weg, verpasst man die Hälfte, ist man zu nah, sieht man gar nichts mehr.

Kritik

Der Film "Ein perfekter Platz" ist einer jener typisch französischen Komödien: Knackig wie ein frisches Baguette, stark und süß wie ein kleiner Kaffee, dazu leichtfüßig, amüsant und trés trés charmant! Vorzügliche Darsteller, ein intelligentes Drehbuch, ausgefeilte, lockere Dialoge, wunderschöne Drehorte, perfekte Kostüme, passende Musik von Beethoven und Liszt bis Charles Aznavour, Gilbert Bécaud und Juliette Greco. Und Danièle Thompson hat wieder einmal ihr Talent als Regisseurin unter Beweis gestellt. Die Darsteller sind natürlich in Frankreich alle Stars, aber auch bei uns sind einige schon recht bekannt: Cécile de France aus den Komödien "L'auberge espagnole - Barcelona für ein Jahr". Albert Dupontel aus "Mathilde – Eine große Liebe".
Dabei ist der Film "Ein perfekter Platz" keineswegs eine flache oder alberne Komödie geworden, sondern ein amüsanter und witziger, aber auch anspruchsvoller Film über die Welt hinter den Kulissen, über die privaten Sorgen und Nöte großer Stars und kleiner Angestellter, reicher Mäzene und armer Aushilfskellner. Eine überaus menschliche und menschlich berührende Komödie der besten Art.

Fazit
Der Film "Ein perfekter Platz" lohnt das Anschauen auf alle Fälle. Zum einen wegen der intelligenten Geschichte und Geschichten, die hier locker und leicht, aber doch zu Herzen gehend erzählt werden. Und zum anderen wegen der vorzüglichen Schauspieler und der herrlichen Inszenierung.
Filmkritik: Julia Edenhofer
Wertung: 70 %


Original Filmtitel: Fauteuils d'Orchestre
Land: Frankreich
Jahr: 2006
Laufzeit ca.: 106
Genre: DramaKomödieRomantik
Verleih: Tobis
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 31.08.2006
Heimkino: 05.03.2007

Regie: Danièle Thompson
Drehbuch: Danièle Thompson • Christopher Thompson

Schauspieler: Valérie Lemercier (Catherine Versen) • Cécile de France (Jessica) • Albert Dupontel (Jean-François Lefort) • Claude Brasseur (Jacques Grumberg) • Christopher Thompson (Frédéric Grumberg) • Dani (Claudie) • Laura Morante (Valentine Lefort) • Suzanne Flon (Madame Roux) • Sydney Pollack (Brian Sobinsky) • François Rollin (Marcel) • Guillaume Gallienne (Pascal) • Annelise Hesme (Valérie)

Produktion: Christine Gozlan
Szenenbild: Michèle Abbé-Vannier
Kostümbild: Catherine Leterrier
Maskenbild: Stéphane Desmarez • Judith Gayo • Catherine Jabes • Caroline Philiponnat • Key Philipps
Kamera: Jean-Marc Fabre
Musik: Nicola Piovani
Schnitt: Sylvie Landra


Bild: Tobis

1 customer review

gut
31.08.06
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