Tel Aviv on Fire

Kinoplakat Tel Aviv on Fire

Der Nahost-Konflikt bietet jede Menge Sprengstoff. Die Komödie möchte ihn als Farce entlarven, indem sie ihn zur Seifenoper degradiert. Beide Seiten schicken einen Vertreter in den Ring: Für Israel spricht ein Grenzsoldat und für Palästina tritt ein Spätzünder an.

Die Soap Opera "Tel Aviv on Fire" spielt während des Sechstagekriegs, der in den 1960er Jahren stattgefunden hat. Die Serie wird in der Jetztzeit in Jerusalem von Palästinensern produziert und gedreht, was Probleme mit sich bringt. Salam, der für die hebräischen Dialoge zuständig ist, muss zweimal täglich die Grenze überqueren. Als er eines Tages die Grenzsoldatin fragt, ob es angemessen ist, eine Frau als bombig zu bezeichnen, heißt die ihn sofort aus dem Auto auszusteigen. Beim anschließenden Kurzverhör lernt Salam den israelischen Grenzsoldaten Assi kennen. Der kennt die Serie, die seine Frau so gerne sieht und ist mit dem Drehbuch unzufrieden, weil es die Soldaten unrealistisch darstellt. Also schlägt er Salam Änderungen vor, die der ins Drehbuch einfließen lassen soll.

Ein günstiger Wind befördert ihn zum Koautor. Doch leider hat Salam vom Schreiben so viel Ahnung wie vom Leben: nämlich keine. Und es fehlt ihm auch die Motivation das Leben endlich anzugehen. Das sagt ihm seine Jugendliebe Mariam ins Gesicht, die mittlerweile Ärztin im Krankenhaus ist, während Salam nichts vorzuweisen hat. Es ist für den Spätzünder Zeit endlich loszulegen. Als Drehbuchautor und in der Liebe. Dabei hilft dem Palästinenser Salam ausgerechnet der Jude Assi.

Kritik

"Tel Aviv on Fire" ist eine sehr zurückhaltende Parodie auf den Nahost-Konflikt. Der Film parodiert, indem er mit den Stilmitteln von Kitsch-Serien arbeitet. Das ist im Ergebnis besser gedacht als gemacht. Entscheidungen und Wendungen haben keine Tragweite. Beispielsweise prangern die Tageszeitungen den Kuss in der Serie an und der Produzent bekommt fast einen Herzinfarkt. Doch Nachwirkungen hat der Vorfall nicht.

Ein aus Serien übernommenes Stilmittel ist die Wiederholung. Serien wiederholen Ankündigungen, damit auch der Zuschauer der Handlung folgen kann, der eine Sendung verpasst hat. "Tel Aviv on Fire" wiederholt etwa Witze. So ist Salams Kollege Navid ständig ohne Standpunkt und antwortet, man solle Bassam fragen.

Die Handlung übt leise Kritik an den herrschenden Zuständen. Salam ist über lange Zeit der Handlanger des israelischen Soldaten und dreht dann das Machtverhältnis um. In einer der bösesten Szenen lässt der israelische Grenzposten ein Kind ohne Pass nicht passieren. Kurz darauf wird vorgeschlagen, der Serienstar solle ein Kind erschießen. Für die Produktion mag das relativ mutig sein. Nach deutschen Maßstäben hat der Plot kaum Biss und macht einen mutlosen Eindruck. Unabhängig davon bleibt die schlussendliche Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern aufgepfropft.

Schade ist, dass auch der Humor verhalten ausfällt. Beim Drehen der Serie zündet er dann, wenn er beliebte Mechanismen durch den Kakao zieht. Während der Drehpausen, also der Spielszenen außerhalb des Studios lässt der Humor nach und die Handlung hadert mit Leerlauf. Vielleicht hilft die deutsche Synchronisation dem Film auf die Sprünge? Die Pressevorführung fand in der Originalversion statt und in den Untertiteln könnte ein Teil des Sprachwitzes verloren gegangen sein. Beurteilen kann ich das nicht.

An einer Entwicklung der Charaktere hat die Komödie kaum Interesse. Obwohl nur drei Personen im Mittelpunkt stehen, bleiben sie Schablonen. Salam lebt mit Anfang vierzig in den Tag hinein. Sein Begehren nach Mariam ist so wenig ausgebaut, dass die Handlung darauf verzichten könnte. Das Verhältnis zu Assi ist wenig ausgestaltet und nutzt den (politischen) Sprengstoff des Nahost-Konflikts nur sehr vorsichtig.

Assi ist ein Grenzsoldat, der seine Frau beeindrucken möchte, indem er die Serie umschreibt. Eine Belohnung bleibt jedoch aus. Weder liebt ihn seine Frau dafür, noch kocht sie für ihn oder belohnt ihn durch (körperliche) Zuwendung.

Tala, die Hauptdarstellerin der Serie, hat kein Privatleben und keine nennenswerte Charakterzeichnung. Es bleibt nebensächlich, dass sie Französin ist. Wenn sie sich in Salam verliebt und damit Mariam eifersüchtig macht, dann bleibt ihr Begehren ohne Nachhall – wie fast alles im Film.

Fazit
Der Versuch Seifen-Opern mit den eigenen Stilmitteln zu entlarven gelingt nur bedingt. Der Film "Tel Aviv on Fire" stellt sich selbst ein Bein, indem er wie eine Kitschserie arbeitet. Die Schauspieler agieren eindimensional und die Dreiecksgeschichte zerfasert. Eine Seifen-Oper muss nur über eine kurze Dauer tragen, was mit den Stilmitteln gelingt. Der Kinofilm mit 97 Minuten Lauflänge verläuft sich jedoch.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: BelgienFrankreichIsraelLuxemburg
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 97
Genre: DramaKomödieRomantik
Verleih: MFA
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 04.07.2019
Heimkino: 08.11.2019

Regie: Sameh Zoabi
Drehbuch: Dan Kleinman • Sameh Zoabi

Schauspieler: Kais Nashif (Salam Abbass) • Lubna Azabal (Tala) • Yaniv Biton (Assi) • Maisa Abd Elhadi (Mariam) • Nadim Sawalha (Bassam) • Salim Dau (Atef) • Yousef Sweid (Yehuda) • Amer Hlehel (Nabil) • Laëtitia Eïdo (Maisa) • Ashraf Farah (Marwan) • Ula Tabari (Sarah)

Produktion: Amir Harel • Miléna Poylo • Gilles Sacuto • Bernard Michaux • Patrick Quinet
Szenenbild: Christina Schaffer
Kostümbild: Magdalena Labuz
Maskenbild: Emilie Franco • Jasmine Schmit
Kamera: Laurent Brunet
Ton: Alain Sironval
Musik: André Dziezuk
Schnitt: Catherine Schwartz


Bild: MFA

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