Catch Me If You Can

Kinoplakat Catch Me If You Can

Beschwingte Hochstapler Komödie. Deutschland in den Sechzigern: "Mit siebzehn, da hat man noch Träume, da wachsen noch alle Bäume in den Himmel der Liebe hinein", singt Peggy March. In den USA platzen für Frank Abagnale alle Träume, als seine Eltern sich scheiden lassen und er von jetzt auf gleich entscheiden muss, ob er in Zukunft bei Vater oder Mutter leben will? Frank wählt die Flucht und läuft davon. Statt kleine Brötchen zu backen und tiefzustapeln, wird er fortan hochstapeln, denn damit hat er bereits gute Erfahrungen gemacht.

Eine ganze Woche lang hat er seiner Klasse Unterricht in Französisch erteilt, klagt der Schulleiter. Gezeigt wird das nicht, aber es ist denkbar, denn Franks Mutter ist Französin. Auch später mogelt sich der Film gerne um schwierige Szenen herum. Sie werden erzählt und nicht gezeigt. Nichts soll den leichten Anstrich des Filmes stören: Keine komplizierten Zusammenhänge, keine tiefschürfenden Dialoge, keine Probleme, die nicht mit einem entwaffnenden Lächeln gelöst werden könnten. Der Schwerpunkt liegt auf der schönen, luxuriösen Seite von Franks Hochstapelei. Er schwimmt in Geld und hey, es ist toll ein Hochstapler zu sein.

Die Schattenseiten: man ist erst siebzehn, hat einen willensschwachen Vater und den Halt im Leben verloren. Zudem wird Frank vom FBI gejagt. Der furztrockene Carl Hanratty ist ihm auf den Fersen, hat es sich zu seinem persönlichen Ziel gemacht ihn zu fassen. Dabei verläuft ihre erste Begegnung für Carl sehr unrühmlich, denn auch er fällt auf den charmanten Hochstapler herein. Der kann sich in letzter Sekunde mitsamt seinem Fälscherwerkzeug aus dem Staub machen und Carl eine lange Nase drehen.

Er gibt sich bei der PanAm als Pilot aus, arbeitet als Arzt im Krankenhaus und kann sogar Erfolge als Rechtsanwalt vorweisen. Schecks fälscht er gleich dutzendweise. Sein Wissen und sein Auftreten kupfert er aus amerikanischen Fernsehserien ab. Ihn einfach nur als Blender zu bezeichnen wäre zu einfach, denn Regisseur Steven Spielberg gibt ihm einen Vaterkomplex mit auf den Weg. Frank möchte, dass sein Vater ihn stoppt. Doch ganz im Gegenteil. Je tiefer der Vater in seiner eigenen Schuldenfalle versinkt, desto mehr bewundert er es, dass sein Sohn die Gesellschaft betrügt. Anfänglich versucht Frank all das zurückzuholen, was seiner Familie genommen wurde. Weil er damit scheitert, bettelt er bei Carl um Gnade, beißt bei dem FBI-Mann aber auf Granit. Plötzlich steht Frank mit sich und seinen Problemen alleine da - da rettet ihn auch die naive Krankenschwester nicht mehr.

Carl macht seine Drohung wahr und bringt Frank zur Strecke. Der schlägt noch einige letzte verzweifelte Haken, zappelt aber an der Angel. Doch Carl hat ein Herz für ihn und ist sich sicher, einen guten Kern erkannt zu haben. Und so verwundert es nicht, dass Frank letzten Endes die Seiten wechselt und ebenfalls fürs FBI arbeitet.

Kritik

"Catch Me If You Can" handelt nach der Devise: Aber leicht muss es sein! Beschwingte Musik, viele schöne Frauen und eine fröhliche Handlung. Ein Film wie eine Sahnetorte. Wenig Teig und viel Aufbau mit viel süßer Sahne. Das hätte ins Auge gehen können, ist aber trotzdem gelungen, denn der Film ist von der ersten bis zur letzten Minute solide konstruiert und choreografiert, jede Szene ist peinlich genau ins rechte Licht gesetzt: Der Vorspann, ganz im Zeichen der Sechziger, das kurze Aufzeigen der Familienidylle, das Zerschlagen der Familie, Franks Verwirrung und Flucht. Seine Suche nach einer Vaterfigur, die er ausgerechnet im FBI-Agenten Carl findet. So werden am Schluss aus Jäger und Gejagtem Freunde.

Ein typischer Steven-Spielberg-Film in der Hinsicht, dass Spielberg weniger Wert auf die Inszenierung der Schauspieler legt, sondern sich darauf konzentriert Bilder-Welten zu erschaffen. Nicht so schwer verdaubares wie zuletzt in A.I. - Künstliche Intelligenz. Eine weitere Auffälligkeit ist das Thema Sicherheit. Spielberg lässt sich auf keine Experimente ein. Die Besetzung der Hauptrollen mit Tom Hanks als Carl Hanratty und Leonardo DiCarprio als Frank W. Abagnale, Jr. ist eine sichere Wahl. Leonardo DiCaprio zeigt nicht viel mehr als seine jungenhafte Erscheinung und Tom Hanks spielt ihn nicht an die Wand. Wie gesagt: Spielberg führt weniger die Darsteller als vielmehr Bilder zu inszenieren. Einige Szenen wirken aufgrund der Überzeichnung unrealistisch und überzogen. Hochstapler Frank stößt nie auf Probleme, die nicht mit einem Lächeln oder einer kurzen Flucht zu lösen sind. Er geht durch den Film wie ein Messer durch weiche Butter.

Fazit
Wer kurzweilige Unterhaltung mag, sollte sich den Film ansehen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Land: USA
Jahr: 2002
Laufzeit ca.: 141
Genre: Komödie
Verleih: United International Pictures
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 30.01.2003
Heimkino: 08.08.2006

Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Jeff Nathanson

Schauspieler: Leonardo DiCaprio (Frank W. Abagnale • Jr.) • Tom Hanks (Carl Hanratty) • Christopher Walken (Frank W. Abagnale • Sr.) • Natalie Baye (Paula Abagnale) • Amy Adams (Brenda Strong) • James Brolin (Jack Barnes) • Brian Howe (Earl Amdursky) • Frank John Hughes (Tom Fox) • Steve Eastin (Paul Morgan) • Chris Ellis (Agent Witkins) • John Finn (Marsh) • Jennifer Garner (Cheryl Ann) • Nancy Lenehan (Carol Strong) • Ellen Pompeo (Marci)

Produktion: Walter F. Parkes • Steven Spielberg
Szenenbild: Jeannine Oppewall
Kostümbild: Mary Zophres
Maskenbild: Luisa Abel • Deborah La Mia Denaver
Kamera: Janusz Kaminski
Musik: John Williams
Schnitt: Michael Kahn


Bild: United International Pictures

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