Lauf Junge lauf

Kinoplakat Lauf Junge lauf

Die Aufarbeitung von schweren oder sogar traumatisierenden Erlebnissen ist in Buchform ein eigenes Genre. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Uri Orlev und beschreibt die Erlebnisse eines Jungen während der Jahre 1942 und 1943. Schwieriges Programmkino ist es ohne Zweifel. Und sehenswert?

Die Nazis haben Polen besetzt und begonnen Menschen jüdischen Glaubens in Gettos zusammenzupferchen, abzutransportieren oder direkt zu ermorden. Einige Kinder sind vor ihnen in die Wälder geflohen und versuchen dort auf sich allein gestellt zu überleben. Doch der Winter ist hart und wer beim Stehlen auf einem der Bauernhöfe erwischt wird, wird oftmals von den Polen an die Nazis verkauft. Srulik (Andrzej Tkacz und Kamil Tkacz) ist eines der Kinder. Der Winter hat ihm bereits arg zugesetzt und er versucht mit allen Mitteln zu überleben. Ab und an gelingt es ihm auf einem Bauernhof unterzuschlüpfen. Doch immer wieder muss er fliehen, wenn bekannt wird, dass er ein Jude ist. Und die eigenen Landsleute es sind auch, die ihm das Leben schwer machen. Partisanen erschießen seinen Hund, ein vorgebliches nettes Ehepaar verkauft ihn an die Nazis. Doch Srulik kann immer wieder im letzten Moment entkommen und überlebt.

Kritik

"Lauf Junge Lauf" thematisiert eine traumatische Kindheit. Mit ansehen zu müssen wie der Vater vom Feind erschossen wird, ist nur eine der schwer verdaubaren Szenen. Der Film zeigt das stilsicher, doch nicht freundlich und leider auch nicht frei von Klischees. Und auch die Zielgruppe ist nicht klar definiert. Der Handlungsstrang mit den Kindern im Wald, die entspannt toben, lässt an einen Kinderfilm denken. Doch was dann folgt, möchte ich Kinder nicht sehen lassen. Ich denke da an den Unfall mit der Hand oder dem Nazioffizier, der dem Jungen im Stall die Kaninchen zeigen will. Für erwachsene Zuschauer wiederum bietet der Film wenig Neues. Der erwähnte Offizier ist gerade wegen seiner Zweideutigkeit eine der wenigen interessanten Figuren. Der Rest der Erwachsenen folgt einem einfachen Gut-Böse-Schema.

Die Handlung selbst ist wie ein stetiges Wechselbad angelegt. Tut sich ein Lichtblick auf, dann wird er bald darauf zerstört. Dabei scheut die Handlung auch nicht davor zurück ordentlich auf die Tränendrüse zu drücken. Im anderen Extrem überzieht der Film - etwa den Trick, dass Srulik für das Erzählen seiner Leiden belohnt wird. Je mehr er seine Geschichte ausschmückt, desto mehr bekommt er zu essen.
Zu den Darstellern ist wenig zu sagen. Die meisten Figuren bleiben eindimensional. Hier die gute Partisanin, da der böse Bauer. Andrzej Tkacz und Kamil Tkacz sind für die Rolle des Jungen gut ausgesucht und spielen sympathisch. Der Rest der handwerklichen Aspekte fällt solide aus.

Fazit
Auf den Film "Lauf Junge Lauf" konnte ich zwei Reaktionen beobachten. Die einen sind ergriffen; die anderen fragen sich, wozu dieser Film?
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Original Filmtitel: Run Boy Run
Land: DeutschlandFrankreichPolen
Jahr: 2013
Laufzeit ca.: 108
Genre: DramaKrieg
Verleih: NFP
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 17.04.2014
Heimkino: 25.09.2014

Regie: Pepe Danquart
Drehbuch: Heinrich Hadding • Pepe Danquart
Literaturvorlage: Uri Orlev

Schauspieler: Andrzej Tkacz (Jurek / Srulik Staniak) • Kamil Tkacz (Jurek / Srulik Staniak) • Elisabeth Duda (Magda Janczyk) • Itay Tiran (Mosche Frenkiel) • Lukasz Gajdzis (Pawel) • Przemyslaw Sadowski (Grzegorz Kowalski) • Jeanette Hain (Frau Herman) • Rainer Bock (SS-Offizier) • Grazyna Szapolowska (Ewa Staniak) • Zbigniew Zamachowski (Hersch Fridman) • Miroslaw Baka (Mateusz Wróbel) • Jochen Hägele (SS-Offizier) • Marcel Stefanski (Bauer) • Krzysztof Porowski (Awrum) • Franciszek Wielkoszynski (Schleme)

Produktion: Pepe Danquart • Susa Kusche • Uwe Spiller
Szenenbild: Matthias Müsse
Kostümbild: Gioia Raspé
Maskenbild: Kitty Kratschke • Juliane Hübner
Kamera: Daniel Gottschalk
Ton: Frank Heidbrink
Musik: Stéphane Moucha
Schnitt: Richard Marizy


Bild: NFP

1 customer review

gut
17.04.14
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