Liberace

Kinoplakat Liberace

Damit das breite Publikum die Aufarbeitung einer homosexuellen Beziehung sehen will, muss der Name des Prominenten her: Liberace. Unter diesem Künstlernamen begann Wladziu Valentino Liberace in den 1950. Jahren seine Karriere in den USA. Eine Zeit, in der offene Homosexualität meist das Ende einer Karriere bedeutete. Liberace lebte sein Schwulsein deshalb als offenes Geheimnis und starb 1987 an AIDS. Steven Soderbergh schildert die Beziehung zwischen ihm und seinem Partner Scott mit einem guten Gefühl für Stil, Settings und Details.

Eine Homestory der besonderen Art. In ihrem Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Scott Thorson (Matt Damon) und dem wesentlich älteren Pianisten Liberace (Michael Douglas). Und die beginnt so zufällig, wie vieles im Leben: Als der junge Scott eines Abends hinter die Bühne gelassen wird und dort auf "Lee" Liberace trifft, ist der alternde Star sofort von dem Schmelz des Jüngeren angetan. Während der naive Scott zunächst nur seine Hilfe anbietet, um Lees erkrankten Lieblingspudel zu heilen, spult Lee sein bewährtes Programm ab. Er blendet Scott mit seinem Reichtum und gibt ihm das Gefühl, nur er allein könne ihn (die verkannte Künstlerseele) verstehen. Scott wiederum meint einen Seelenverwandten getroffen zu haben und öffnet sich zögernd - auch sexuell. Er gibt sein eigenes Leben auf und wird Teil von Lees Leben. Mit der Zeit kommt es dann, wie es kommen muss. Das Sexuelle verliert seinen Reiz und beide Männer geben sich gegenseitig die Schuld für ihre eigene Unzufriedenheit. Scott wird drogenabhängig und Lee wendet sich dem nächsten blonden Jüngling zu.

Kritik

Steven Soderbergh führt bei einem Film Regie, der nicht wie eine filmische Biografie (Biopic) möglichst breitbandig das Leben und Schaffen eines Prominenten einfangen möchte, sondern einen Lebensabschnitt von circa 8 Jahren aufgreift. Dabei liegt der Fokus nicht auf der Person Liberace, sondern auf der Beziehung der zwei Männer. Das kann als Erklärung dafür dienen, das Michael Douglas' Darstellung wenige Unterschiedlichkeiten aufzeigt. Enttäuschend ist sein wenig facettenreiches Spiel trotzdem - selbst wenn man als Zuschauer keine Biografie erwartet.
Wesentlich vielschichtiger und damit auch interessanter ist Matt Damons Figur angelegt. Anfangs der naive Jüngling, der Teil des Lebens eines Stars wird, dann ein enttäuschter und drogenabhängiger Mann, der relativ früh in seinem Leben vor einem Scherbenhaufen steht. Das spielt Matt Damon gut. Was hingegen unstimmig ausfällt ist das Make-up. Während im Film nur 8 Jahre vergehen, altert die Figur optisch um gute 20 Jahre.

Doch nicht nur in dieser Hinsicht schwächelt die Produktion. Eine Zeit lang gefällt die Darstellung von Glamour und Tuntenbarock. Es wird ein wenig provoziert, indem Nacktheit vorkommt, homosexueller Sex angedeutet wird und über Sex geredet. Auf die Dauer nutzen die Stilmittel jedoch ab und der Film lässt zweierlei vermissen. Es fehlt der Beziehungsstudie die Überraschung. Statt einer individuellen Darstellung bleibt es bei Versatzstücken, die vielleicht stimmen, und dabei weder neu noch sonderlich interessant sind. Kurz gesagt könnte man denselben Film drehen und den Pianisten durch eine andere Art von Künstler ersetzen. Zudem wird der Musik für einen Film über einen Musiker zu wenig Bedeutung beigemessen.
Ein wenig trägt der deutsche Verleih zur Irreführung bei, denn der deutsche Filmtitel "Liberace" weckt ganz andere Vorstellungen als der amerikanische Originaltitel: "Behind the Candelabra". Der Kerzenleuchter auf dem Piano war eines von Liberaces Markenzeichen. Und wie der amerikanische Titel es andeutet, geht es um den Mann hinter der Fassade.

Fazit
Ein Film mit Tunnelblick. Überraschend schwul und doch kommt der Punkt, an dem es heißt: schwul - na und? Interessant ist der Gedanke, dass der Film, ein Skandal geworden wäre, wäre er in der Zeit gedreht worden, in der er spielt. Im Jahr 2013 ist Schwulsein kein Aufreger mehr als Handlungsschwerpunkt zu wenig.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: Behind the Candelabra
Alternativtitel: Liberace - Zu viel des Guten ist wundervoll
Land: USA
Jahr: 2013
Laufzeit ca.: 118
Genre: BiografieDramaLGBT
Stichwort: gay
Verleih: DCM Film Distribution
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 03.10.2013
Heimkino: 21.03.2014

Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Richard LaGravenese
Literaturvorlage: Scott Thorson • Alex Thorleifson

Schauspieler: Michael Douglas (Liberace) • Matt Damon (Scott Thorson) • Scott Bakula (Bob Black) • Eric Zuckerman (Lou) • Eddie Jemison (Assistant Director) • Randy Lowell (Director) • Tom Roach (Stunt Actor) • Shamus Cooley (Camera Assistant) • John Smutny (Sound Mixer) • Jane Morris (Rose Carracappa) • Garrett M. Brown (Joe Carracappa) • Pat Asanti (George Liberace)

Produktion: Jerry Weintraub
Szenenbild: Howard Cummings
Kostümbild: Ellen Mirojnick
Maskenbild: Kate Biscoe
Kamera: Peter Andrews
Musik: Marvin Hamlisch • Evyen Klean
Schnitt: Mary Ann Bernard


Bild: DCM Film Distribution

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