Maria träumt

Kinoplakat Maria träumt

Für einen Neuanfang ist es nie zu spät. Das ist die Stärke des ansonsten zu klassischen Dramas mit einer sympathisch spielenden Karin Viard. Wie gehabt ist der Weg das Ziel und das Publikum weiß mehr als das Paar, das sich zu finden sucht. Mit viel Wohlwollen eingeschätzt eine durchschnittliche Komödie; sehenswert für Menschen, die mal kein junges Gemüse auf der Leinwand sehen möchten.

Maria lebt ein einfaches Leben, arbeitet viel, um ihren arbeitslosen Mann und sich selbst zu ernähren. Nach dem Tod einer alten Frau tritt sie eine Stelle als Putzfrau an der Kunstschule an. Dort ist Hausmeister Hubert ihr Vorgesetzter. Den Mann nennen die Schüler das Mammut, weil er bereits seit Jahrzehnten die Stelle innehat, die vorher seine Mutter ausfüllte. Hubert ist in den Jahren bequem geworden und es fehlt ihm der Grund auszubrechen. Der könnte Maria sein, die gründlich, ehrlich und ein wenig ungeschickt auftritt. Trotz ihrer sehr zurückhaltenden Art erregt sie Huberts Interesse und die zwei verlieben sich ineinander. Es gibt nur ein Problem: Maria ist verheiratet. Nach einem Augenblick der Schwäche sieht sie das als Grund, die aufkeimende Liebe zu ersticken. Bis sie erkennt, dass es nicht zu spät aus dem Alltagstrott auszubrechen.

Kritik

Karin Viard spielt die Rolle der Maria Rodrigues sympathisch und zurückhaltend. Es ist der Schauspielerin anzurechnen, dass sie die Rolle des Mauerblümchens angenommen hat, das eine einfache Frau ist und keine Heldin wird oder ein Star. Grégory Gadebois als Hubert spielt einen gestandenen Mann, den man als Bär bezeichnen könnte. Was die zwei Figuren an dem jeweils anderen schlicht dargestellten Menschen finden, kann der Kritiker nur bedingt nachvollziehen. Weder die Schauspielerin noch der Schauspieler beeindrucken durch Ausstrahlung. In dieser Hinsicht fehlt es an Unterstützung durch die Regisseurin und den Regisseur, die die Darstellerin und den Darsteller anders hätten führen müssen.
Auch nicht zufriedenstellend ist das Drehbuch. Die Geschichte des Paares, das spät im Leben ausbricht, ist zu solide und viele Versatzstücke gab es bereits in anderen Filmen zu sehen. Vielfach bemüht wird die Frage, was an Kunst die Kunst ist. Ist verschüttete Butter Kunst? Und wenn die Kunst von Gehilfen stammt und nicht von der Künstlerin selbst, ist die Kunst dann auch Kunst? Und was ist mit Kunstwerken, die nicht einmal die Schöpferin erklären kann? Antworten gibt die Handlung leider keine.
Die Entdeckung anderer Nuancen geschieht sehr zart und zaghaft. Maria wagt es, als Aktmodell zu sitzen. Das inspiriert eine andere Putzfrau, die diesen Wunsch schon lange hegt. Hubert tanzt gerne Rock'n'Roll und übt das im Büro. Maria beobachtet ihn dabei. Leider werden die Hauptrollen nicht in Bezug zu angesprochenen Konflikten gesetzt und angesprochene Probleme bleiben im Anriss. Marias Tochter lebt mit dem besten Freund des Vaters zusammen. Das trägt der Vater der Tochter nach. Aber zum Konflikt stilisiert der Film dieses und andere Probleme nicht. So fällt es schwer zu sagen, dass die Handlung Gewinn aus den Problemen zieht.

Fazit
Die romantisch-dramatische Komödie "Maria träumt" erzählt zaghaft und zurückhaltend von einer späten Liebe. Es gefällt, auf der Leinwand Menschen über fünfzig zu sehen. Wie die Hauptrollen bleibt der Film dabei arg zurückgenommen. Für einen starken Eindruck ist das Dargebotene zu klassisch und es fehlt Esprit.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Alternativtitel: Maria träumt – Oder: Die Kunst des Neuanfangs • Maria rêve
Land: Frankreich
Jahr: 2021
Laufzeit ca.: 93
Genre: KomödieRomantik
Verleih: Atlas Film
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 19.01.2023

Regie: Lauriane Escaffre • Yvo Muller
Drehbuch: Lauriane Escaffre • Yvo Muller

Schauspieler: Karin Viard (Maria Rodrigues) • Grégory Gadebois (Hubert) • Noée Abita (Naomie Hosseinzadeh) • Philippe Uchan (Oratio Rodrigues) • Lauriane Escaffre (Florence Desnoyers) • Pauline Clément (Charlotte) • Yvo Muller (Hendrick Kofman) • Tania Dessources (Fatou) • Catherine Salée (Brigitte) • Samira Sedira (Karima) • Martine Schambacher (Jocelyne) • Muriel Combeau (Die Nichte von Frau Margoteau)

Produktion: Foucauld Barre • Nicolas Duval Adassovsky
Szenenbild: Antoine Sanier
Kostümbild: Emmanuelle Youchnovski
Maskenbild: Jean-Christophe Roger
Kamera: Antoine Sanier
Musik: René Aubry
Schnitt: Valérie Deseine


Bild: Atlas Film

1 customer review

Befriedigend
19.01.23
Show more

vorgeschlagen

Wir nutzen Cookies und Skripte. Durch "Akzeptieren" stimmst Du der Verwendung zu. Durch "Ablehnen" stimmst Du nicht zu und es kann zu Dysfunktionen kommen.