Casanova

Kinoplakat Casanova

Giacomo Casanova: Sinnbild für männliche Verführungskunst, unersättliche Sucht nach Sex, unwiderstehlicher Herzensbrecher, überwältigender Schmeichler. Doch auch dieser gnadenlose Frauenbetörer erlebt sein Waterloo. Und zwar in Person der jungen, bildschönen Schriftstellerin Francesca Bruni.

Der Film "Casanova" von Regisseur Lasse Hallström beginnt mit einem uralten Casanova. Der überaus runzelige Greis sitzt am Kerzen erhellten Schreibtisch und möchte ein Tagebuch über alle seine Frauen schreiben. Eine Seite pro Frau – ein Vorhaben, das wohl an den Umfang der Encyclopaedia Britannica heranreichen würde. Doch hängen bleiben die Erinnerungen von Signore Giacomo Casanova, dem angeblich größten und sicherlich berühmtesten Liebhaber aller Zeiten, an einer jungen Dame namens Francesca Bruni (betörende Schönheit: Sienna Miller). Venedig im 18. Jahrhundert: der junge Casanova (ein bisschen blass: Heath Ledger) steht wieder mal vor Gericht. Er soll eine Nonne verführt haben, und das wäre eine ernste Angelegenheit. Wenn Casanova nicht unter dem persönlichen Schutz des Dogen von Venedig stehen würde. Der schafft es mal wieder, seinen Lieblings-Schwerenöter zu befreien, und Casanova kann wieder seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Nachstellen der holden Weiblichkeit, nachgehen.
Doch da naht gewaltiges Unheil in Form von Bischof Pucci (gnadenloser Asket: Jeremy Irons). Der wurde vom Papst in Rom ausgeschickt, dem unmoralischen Treiben in Venedig während des Karnevals, und vor allem dem von Casanova ein Ende zu bereiten. Und der dürre, düstere Bischof, dem alle menschlichen Leidenschaften fremd sind, übt seine Bestimmung als Inquisitor nur zu gerne aus, und rückt dabei auch dem Dogen auf den Leib. Um sich zu schützen, ehe Schlimmeres passiert, stellt der Doge von Venedig Casanova nun ein Ultimatum: entweder er sucht sich umgehend eine Ehefrau, oder er muss Venedig für immer verlassen. Denn wenn Casanova aus dem Verkehr gezogen ist, auf die eine oder andere Art, würde wohl auch der Bischof wieder abreisen und Venedig in Ruhe Karneval feiern lassen.

Also wirft Casanova sein suchendes Auge auf die liebreizende Victoria (niedlich: Natalie Dormer), die natürlich begeistert ist von diesem überraschenden Fang. Doch dann geschieht das Unglaubliche: Casanova lernt die betörende Francesca Bruni kennen, und schon ist es um ihn geschehen. Die selbstbewusste Schriftstellerin, die unter einem Männernamen über die Selbstbestimmung der weiblichen Gefühle schreibt, hat nur leider gar kein Interesse an dem stadtbekannten Womanizer. Das verwirrt Casanova zunächst, ärgert ihn dann, und entfacht seinen männlichen Ehrgeiz: die oder keine! Das ist der Beginn einer turbulenten Komödie, mit allerlei lustigen Verwechslungen und vertauschten Rollen, hinterhältig amüsanten Intrigen und gewollt falschen Identitäten, heldenhaften Duellen im Morgengrauen, aufregenden Verfolgungsjagden durch Kanäle und hochherrschaftliche Anwesen, und süffisant-sarkastischen Wortgefechten. Dass es ein Happy End geben muss, beweist die Tatsache, dass der greise Casanova die Geschichte selbst erzählt.

Kritik

Regisseur Lasse Hallström zeigt in dem Film "Casanova" ein wahres Fest für die Augen: opulente Ausstattungen, farbenprächtige Kostüme, rauschend berauschende Feste und als Krönung des Ganzen: Venedig in seiner ganzen Pracht. Gott sei Dank ist Lasse Hallström nämlich der Meinung, dass man die Filme auch da drehen soll, wo sie spielen: "Gottes Werk und Teufels Beitrag" in Neuengland, "Schiffmeldungen" in Neufundland, "Chocolate" in einem malerischen französischen Dorf. Und so ist die eigentliche Hauptdarstellerin eigentlich die wunderbare Lagunenstadt mit all ihren herrlichen Plätzen und Gassen, den breiten und den verwinkelten Kanälen, der prächtigen Bauten und Kirchen.

Hallström ist mit dem Film "Casanova" eine leichtfüßige und leichtgewichtige Komödie gelungen. Eine Riege von gut gelaunten Schauspielern zelebriert die vielen amüsanten, witzigen, irrwitzigen und abenteuerlichen Irrungen und Wirrungen der "fast wahren Geschichte über verführerische Lügen, erfüllte Liebe, und verlorene Unschuld", wie es im Untertitel so schön heißt. Ich habe mich auch die 108 Minuten des Films "Casanova" recht gut amüsiert. Lediglich Heath Ledger ließ für mich die Magie eines unwiderstehlichen Frauenhelden und Verführers etwas vermissen.

Fazit
Wer eine opulente, verschwenderisch ausgestattete und von spielfreudigen Schauspielern dargebotene Komödie über das freizügige Leben der venezianischen Gesellschaft im 18. Jahrhundert kennenlernen möchte, für den ist dieser Film genau das Richtige. Wer irgendwelche erhellenden Dinge über das Leben von Giacomo Casanova erfahren möchte, der ja immerhin nicht nur ein großer Liebhaber, sondern auch ein hochintelligenter und sehr gebildeter Mann war, der geht leer aus. Aber dafür sind Komödien auch nicht da.
Filmkritik: Julia Edenhofer
Wertung: 60 %


Land: USA
Jahr: 2005
Laufzeit ca.: 111
Genre: DramaKomödieRomantik
Verleih: Buena Vista
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 09.02.2006
Heimkino: 22.06.2006

Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Jeffrey Hatcher • Kimberly Simi • Michael Cristofer

Schauspieler: Heath Ledger (Casanova) • Sienna Miller (Francesca) • Jeremy Irons (Pucci) • Oliver Platt (Paprizzio) • Lena Olin (Andrea) • Omid Djalili (Lupo) • Stephen Greif (Donato) • Ken Stott (Dalfonso) • Helen McCrory (Casanovas Mutter) • Leigh Lawson (Tito) • Tim McInnerny (Doge) • Charlie Cox (Giovanni Bruni) • Natalie Dormer (Victoria) • Phil Davis (Guardi)

Produktion: Betsy Beers • Mark Gordon • Leslie Holleran
Szenenbild: David Gropman
Kostümbild: Jenny Beavan
Kamera: Oliver Stapleton
Musik: Alexandre Desplat
Schnitt: Andrew Mondshein


Bild: Buena Vista

1 customer review

befriedigend
09.02.06
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