Matrix Reloaded

Kinoplakat Matrix Reloaded

1999 setzte der Film "Matrix" Maßstäbe. Die Action- und Kampfszenen dienten nachfolgenden Filmen als Vorbild. Viele Zuschauer sehen im Film eine eigene Philosophie; wobei eine der grundlegenden Fragen lautet: Was ist Realität?

Ob nun zufällig oder bewusst greift der Film ein großes Thema auf, dass auch die Esoterik kennt. Hier spricht man von "Maya der Täuscherin". Menschen jagen den Verlockungen und Verführungen der Welt nach ("Maya"), erst wer die echten Werte der Welt erkennt, kann die Täuschung durchbrechen. In der Fiktion sorgt ein gewaltiges Computerprogramm dafür, dass die Menschen eine künstliche Realität für real halten, während sie, in Farmen gezüchtet, den Maschinen als Energie-Quelle dienen (vereinfacht gesagt).

"Matrix Reloaded" setzt nahtlos an den ersten Teil an, ohne weitere Erklärungen. Die Fortsetzung steht dabei vor zwei Problemen: Eine abgeschlossene Geschichte erweitern und die Erwartung der Zuschauer mindestens zu erfüllen. Der Kampf, der in "Matrix" beendet schien, wird fortgesetzt. Die Maschinen rücken auf Zion, die letzte Zufluchtsstätte der freien Menschen, vor. Der Film beginnt mit einem Knalleffekt, wird ruhiger, schlingert und rettet sich in Action. Den eigentlichen Kampf wird man wahrscheinlich erst im dritten Teil erleben. Aktuell erfährt Neo Neuigkeiten über seine Entstehung; es gibt Liebe, Verrat und Freundschaft.

Für Zuschauer, die großes Actionkino erwarten ist "Matrix Reloaded" der große Wurf. Für andere, die es kritischer sehen und den Film hinterfragen, präsentiert er sich als blutleere Fortsetzung eines Knallers. Das Drehbuch setzt sehr auf Spezialeffekte, degradiert Dialoge zu Worthülsen und die Handlung zum Rahmen für Action. Die Philosophie spielt eine untergeordnete Rolle; es gibt ein Gespräch zwischen Neo, dem Auserwählten, der die Matrix besiegen soll (laut Aussage des Orakels) und der Quelle. Diese wird von einem alten, grauhaarigen Mann repräsentiert; das Gespräch zwischen ihm und Neo ist nicht leicht zu verstehen - ich werde nur zum Teil schlau daraus und unterlasse den Versuch der Nacherzählung.
Um dem philosophischen Ansatz doch Rechnung zu tragen, schmücken sich die Darsteller mit klangvollen Namen: Persephone, Morpheus, Neo, Trinity etc. Einige Szenen muten ausgesprochen biblisch an - vor allem dann, wenn Morpheus vor das Volk tritt und predigt. Auch an Frauen, die Körbe mit Brot tragen, wurde gedacht (zur Brotvermehrung kommt es allerdings nicht). Über die Stadt herrscht ein Senat und die Versammlung findet in einem Kolosseum statt. Baulich mutet Zion überaus archaisch an. Es dominieren Metall und Stein als krasser Gegensatz zur Welt der Matrix, die nur virtuell existiert.

Mit Gefühlen tut sich das Drehbuch schwer. Entsprechende Szenen holpern arg und selbst die Szene, in der Neo und Trinity sich körperlich lieben wirkt steril. Augenblicke wie die des Massentanzes machen den Eindruck als habe es den Drehbuchautoren an Stoff gemangelt - und statt den Film um Minuten zu kürzen, wird Füllmaterial verwendet.

Die Kampfszenen nähern sich der Perfektion: Neo fliegt wie Superman und tritt gegen mehrere Dutzend Gegner gleichzeitig an. Allerdings nähern sie sich auch der Grenze der Glaubwürdigkeit. Mehrfach wurde im Kino gelacht, denn die Übertreibungen schrammen hart an der Banalität (man glaubt einfach nicht mehr was man sieht). Der Film begibt sich hier auf eine Gratwanderung, die er nicht immer übersteht.

Die darstellerischen Säulen des Films sind Morpheus (Laurence Fishburne) und Trinity (Carrie-Anne Moss). Wobei Laurence Fishburne mehr durch körperliche Präsenz als durch schauspielerische Leistung auffällt. Keanu Reeves schmücken ein imposantes Kostüm und eine beeindruckende Sonnenbrille. In seinem schwarzen Mantel wirkt er wie ein futuristischer Geistlicher oder eine männliche Nonne.

Fazit
"Matrix Reloaded" bietet viel Drumherum in beeindruckender Verpackung und wenig Konkretes. Der Stoff mutet ausgewalzt an, denn die Substanz des Ganzen wäre in wesentlich kürzerer Zeit erzählt. Das offene Ende lässt genügend Fragen offen um den Zuschauer erneut in die Kinos zu locken, wenn der dritte Teil gezeigt wird.
Laut Verleih war "Matrix" von Beginn an als Trilogie geplant. Um die Filme in ihrer Gesamtheit verstehen zu können, muss der Zuschauer alle drei Teile sehen plus die Animationsfilme, die es auf der Webseite gibt (und die auf DVDs erscheinen sollen). Somit ebnet der zweite Teil den Weg für den dritten Teil und stellt sicher, dass auch die DVDs gekauft werden. Ein guter Schachzug des Marketings.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: The Matrix Reloaded
Land: USA
Jahr: 2003
Laufzeit ca.: 136
Genre: ActionFantasyKriegScience-Fiction
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 22.05.2003
Heimkino: 11.10.2003

Regie: Andy WachowskiLarry Wachowski
Drehbuch: Andy WachowskiLarry Wachowski

Schauspieler: Keanu Reeves (Neo) • Laurence Fishburne (Morpheus) • Carrie-Anne Moss (Trinity) • Hugo Weaving (Agent Smith) • Jada Pinkett Smith (Niobe) • Gloria Foster (Das Orakel) • Monica Bellucci (Persephone) • Collin Chou (Seraph) • Nona Gaye (Zee) • Randall Duk Kim (Der Schlüsselmacher) • Harry J. Lennix (Commander Lock) • Harold Perrineau (Link) • Neil Rayment (Zwilling 1) • Adrian Rayment (Zwilling 2) • Lambert Wilson (Merovingian) • Anthony Wong (Ghost) • Anthony Zerbe (Stadtrat Hamann) • Helmut Bakaitis (Der Architekt)

Produktion: Joel Silver
Szenenbild: Owen Paterson
Kostümbild: Kym Barrett
Maskenbild: Peter Robb-King
Kamera: Bill Pope
Musik: Don Davis
Schnitt: Zach Staenberg


Bild: Warner Bros.

1 customer review

befriedigend
22.05.03
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