Mein Sohn

Kinoplakat Mein Sohn

Jasons Lebensinhalt ist einfach zu umreißen: Skater. Er ist das Gegenteil seiner kontrollierten Mutter. Nach einem Unfall beschließt die Mutter den Sohn in eine Reha-Klinik in die Schweiz zu fahren, denn dort soll er die bestmögliche Behandlung bekommen. Jason begreift den Ernst der Lage erst beim Arztgespräch in der Klinik. Die Fahrt dorthin wird für beide Parteien eine Prüfung.

Kritik

Die Idee zu "Mein Sohn" ist eine gute. Zwei unterschiedliche Charaktere können einander nicht ausweichen und die daraus entstehenden Konflikte müssen bewältigt werden. Leider ist es so, dass es dem Film nicht gelingt, vergessen zu machen, dass er ein Konstrukt ist. Das beginnt bei der seltsamen Begründung, dass ein junger Mann nur in der Schweiz wieder gesunden kann. In Berlin respektive Deutschland gibt es keine entsprechende Reha-Klinik?

Im Folgenden bleibt "Mein Sohn" die Betrachtung des Ist-Zustandes des Mutter-Sohn-Verhältnisses. Die Beziehung ist gleich zu Filmbeginn angespannt. Was Jason an Verantwortungsgefühl fehlt, hat Mutter Marlene zu viel. Somit kann es nicht anders kommen, als zu Reibungen, wenn diese zwei Charaktere eine Reise antreten. Der Raum ist begrenzt, weglaufen nicht möglich. Zudem werden die Zwei mit anderen Menschen in Verbindung gebracht, die einmal mehr dem Lebensstil von Jason entsprechen, und einmal dem von Marlene. Gewinn ziehen beide Haupt-Charaktere aus den Situationen nicht.

Leider bleibt der Ausbau der Geschichte hinter seinen Möglichkeiten zurück. Informationen belässt das Drehbuch bei Informationen und schmiedet daraus keine Konflikte. Dritte erzählen über Marlene, dass sie als Fotografin Karriere hätte machen können und darauf wegen der Schwangerschaft mit Jason verzichtet hat. Würde die Mutter das dem Sohn vorwerfen, ergäbe es einen fürs Publikum spannenden Konflikt. Im Film bleibt es eine Anmerkung.
Derart verfährt die Handlung durchgängig. Marlene wirft den Aussteigern vor, dass ihr Leben nicht echt sei. Aber die fühlen sich nicht angegriffen. Selbst als Jason die geplante Ausstellung der Mutter fast ruiniert, weil er vergisst den Anruf zu berichten, führt das nur zu einer entnervten Reaktion der Mutter. Das ist für den Zuschauer wenig bis gar nicht spannend zu beobachten.

Leider durchlaufen die Charaktere während der Reise keine nennenswerte Veränderung. Erst in der Klinik begreift Jason die Tragweite und geht dann in die Schweizer Berge, um zu schreien. Der Film ist dann bereits so gut wie beendet. Bis dahin ist Jason ein derart verantwortungsloser, um nicht zu sagen dämlicher Typ, dass es schwerfällt mit ihm zu fühlen. Das ist schade, denn Jason wird von Jonas Dassler gut gespielt. Anke Engelke als Mutter Marlene legt einen Entwicklungssprung als Darstellerin vor. Ihre Rolle ist allerdings undankbar und ihr Spiel zeigt mehrfach leere Gänge, in denen die Figur keinen inneren Monolog nach außen transportiert.

Den Film in eine Zeit einzuordnen fällt schwer; vielleicht Jetztzeit: Marlene fotografiert mit Filmmaterial und nicht digital. Das kann dem Effekt geschuldet sein, weil es das Klicken der Kamera schön klingt oder eine künstlerische Entscheidung der Figur Marlene sein. Die mobilen Telefone sind keine Handys mehr, sondern Smartphones. Jasons Telefon verfügt über eine Navigations-Software, dem Auto fehlt ein Navigationsgerät.

Fazit
Lena Stahl stellt ihren ersten Spielfilm vor und möchte Autoren-Kino bieten. Was unerreicht bleibt. Ihr Drehbuch arbeitet mit feststehenden Charakteren und vergisst Konflikte. Die Reise von Mutter und Sohn ist von den Darstellenden sehenswert gespielt und für das Publikum wenig interessant.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: Deutschland
Jahr: 2020
Laufzeit ca.: 94
Genre: DramaRoadmovie
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 18.11.2021

Regie: Lena Stahl
Drehbuch: Lena Stahl

Schauspieler: Jonas Dassler (Jason) • Anke Engelke (Marlene) • Hannah Herzsprung (Sarah) • Karsten Antonio Mielke (Sebastian) • Golo Euler (Hubi) • Max Hopp (Mathis) • Leopold Hornung (Dr. Möller) • Christian Kaiser (Schweizer Arzt) • Lucie Lechner (Martina Dušičková) • Zoë Valks (Maggie) • Muriel Wimmer (Linn) • Peter Jordan (Mechaniker) • Michael von Hohenberg (Wirt) • Andreas Tobias (Physiotherapeut) • Karla Trippel (Verena Bergmann)

Produktion: Miriam Düssel
Szenenbild: Marcel Beranek
Kostümbild: Waris Klampfer
Maskenbild: Annett Schulze
Kamera: Friede Clausz
Ton: Johannes Hampel
Musik: Angela Aux • Cico Beck • Nicolas Sierig
Schnitt: Torsten Lenz


Bild: Warner Bros.

1 customer review

Ausreichend
17.11.21
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