Mortal Engines: Krieg der Städte

Kinoplakat Mortal Engines

Es ist eine alterzählte Geschichte: Männer geben den Ton an und Frauen sind emotionale Wesen, die gerne auf Rache sinnen. Daraus soll ein klassisches Rache-Drama werden, das in einer düsteren Zukunft spielt. Steam-Punk und japanische Animes lassen grüßen.

Die Geschichte der Raubritter ist lang und der Film "Mortal Engines: Krieg der Städte" hat vor ein weiteres Kapitel zu schreiben. Er beginnt klassisch, indem er erzählt, dass die Welt, so wie wir sie kennen, in nur einer Stunde vernichtet wurde. Und das das, was noch von der Erde übrig ist, hart umkämpft ist. Schwere Festungen, die der Film Städte nennt, rollen über das Land und verschlingen die letzten Ressourcen. Eine dieser Bastionen ist London, welches das Festland erreichen konnte und nun den Kontinent abgrast.

In London treffen der junge Tom Natsworthy und die von ihm angebete Katherine Valentine zusammen. Sie ist die Tochter der Wissenschaftlers Thaddeus Valentine, der angeblich an einer neuen Art der Energiegewinnung forscht. Tom, der Katherine durch ein Museum führen soll, hat schlechte Nachrichten. Aus der Sammlung sind antike Bauteile verschwunden, die dazu dienen können eine altertümliche Waffe zu bauen.

Ehe die Hiobsbotschaft verdaut werden kann, gelingt es London eine kleinere Stadt zu übernehmen. Unter den Gefangenen ist Hester Shaw, die die Gelegenheit nutzt und ein Attentat auf Thaddeus verübt. Der überlebt jedoch und setzt Hester nach. Tom folgt den beiden und wird, genauso wie Hester, aus London geworfen. Gemeinsam treten die zwei eine aussichtslose Flucht an.

Kritik

Ein Science-Fiction in Steampunk-Optik ist eine gefällige Idee. Sie erinnert etwa an "Das wandelnde Schloss" und ist die Stärke des Films. Es gibt viel Metall zu sehen und die gewaltigen Maschinen beeindrucken. Warum jedoch die Menschheit in der Zukunft auf Verbrennung als Antriebsenergie setzt, bleibt fraglich, wie so vieles im Film.

Die größte Enttäuschung ist die Handlung, die viele zusammengewürfelte Elemente bietet und insgesamt unmotiviert ist. Der Fokus liegt auf einer Handvoll Figuren, wobei die Rolle der Tochter des Wissenschaftlers so klein, dass sie wegfallen könnte. Über den Rest der Personen weiß die Handlung so gut wie nichts zu erzählen. Hester bekommt eine rudimentäre Vergangenheit spendiert. Sie ist ein Freigeist, der bei der Mutter aufwuchs, die als Archäologin arbeitete und von Thaddeus ermordet wurde. Später war ein Maschinenmensch ihr Vater, der keine Emotionen kennt. Das ist als Vita mager, doch noch schlimmer trifft es Tom, dem es reichen muss ein Waisenknabe zu sein. Was er im richtigen Moment erzählt und damit das Herz des Waisenmädchens Hester erobert. Die jedoch ihre Gefühle wegdrückt und nur für die Rache lebt, die sie am Mörder ihrer Mutter vollziehen will. Das könnte einen klassischen Rache-Plot ergeben, läuft in "Mortal Engines - Krieg der Städte" jedoch nur auf die grundsätzliche Motivation hinaus.
Kein Einzelfall, denn auch die restlichen Konstellationen, die für Spannung sorgen könnten, sind verschenkt. So treffen in Hester und Tom eine zupackende Frau und ein vergeistigter Mann aufeinander. Was nicht für Reibereien sorgt, sondern die zwei verlieben sich ineinander, weil das in einem Film so zu sein hat. Damit teilen Heldin und Held ihr Los mit den Nebenrollen: sie alle bleiben ohne Ausbau und ihre Schicksale berühren nicht. Daran ändern auch die zahlreichen Dialoge nichts, die oft pathetisch und inhaltsarm sind. Der Hang zum Schwadronieren verleiht der Darstellung keine Größe und stärker ist der Film dann, wenn nicht gesprochen wird.

Die Action geht in Ordnung, bleibt auf dem Niveau von Standardkost. Hilfe bekommen die zwei jugendlichen Hauptrollen in ihrem Abenteuer von einer autark lebenden Gruppe, die im übertragenen Sinn hinter der großen chinesischen Mauer residiert und von einem glatzköpfigen, asiatischen Mönch angeführt wird. Weitere Leckerlies für das asiatische Publikum sind die Freiheitskämpfern Anna Fang, deren Nachname zufällig das englische Wort für Fangzahn ist. Und die am Ende unglücklich stirbt, wie es asiatische Filme von ihren Helden erwarten.
Bis dahin wird viel gerannt und gekämpft. Daran verwundert, dass die für den Kampf aufgewendeten Energien scheinbar unerschöpflich sind. Es gibt ein paar Seitenhiebe auf die Jetztzeit, indem die Minions als Götterstatuen auftauchen und das Zeitalter der Smartphones angeprangert wird. In Plastik verpackte Lebensmittel sind tausend Jahre haltbar.

Weitere Auffälligkeiten sind die Namenswahl, die viele Anleihen bei der Bibel beziehungsweise klassischen Göttersagen nimmt. Da öffnet Pandora, die Wissenschaftlerin im übertragenen Sinn die besagte Büchse und die alles vernichtende Waffe hört auf den Namen Medusa. Verwunderlich ist der Auftritt des unbesiegbaren Androiden, der keine Gefühle hat. Aber als Hester ihm vermittelt, dass sie Tom liebt, erinnert sich der Kunstmensch an seine Gefühle und stirbt daran; vielleicht auch an gebrochenem Herzen - klar ist mir die Szene nicht.
Zudem verwundern die Wendungen. Wenn die Helden in einer Sackgasse stecken, taucht eine Widerstandskämpferin auf und schießt sie frei. Die Begründung dafür klingt gut. Hesters Mutter hatte Anna Fang darum gebeten, auf Hester aufzupassen. Warum Fang dann jedoch aus gerechnet in diesem (richtigen) Moment auftaucht und nicht schon viel früher, weiß der Kuckuck.
Es gibt den Moment im Film, an dem der Zuschauer genug Fakten kennt, um zu wissen, wie die Handlung ausgehen wird. Dass es dann fast genauso kommt, ist keine Stärke der Story.

Fazit
Der Film "Mortal Engines – Krieg der Städte" nimmt viele Anleihen bei anderen Filmen ohne daraus etwas Neues zu schaffen. Da eine packende Handlung fehlt, bleibt er im Ergebnis belanglos.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Original Filmtitel: Mortal Engines
Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: -
Genre: 3DAbenteuerActionFantasyScience-Fiction
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: -

Kinostart: 13.12.2018
Heimkino: -

Regie: Christian Rivers
Drehbuch: Fran Walsh • Philippa Boyens • Peter Jackson
Literaturvorlage: Philip Reeve

Schauspieler: Hugo Weaving (Thaddeus Valentine) • Hera Hilmar (Hester Shaw) • Jihae (Anna Fang) • Robert Sheehan (Tom Natsworthy) • Stephen Lang (Shrike) • Frankie Adams (Yasmina) • Leila George (Katherine Valentine) • Caren Pistorius (Pandora Shaw) • Colin Salmon (Chudleigh Pomeroy) • Ronan Raftery (Bevis Pod) • Joel Tobeck (Bürgermeister) • Patrick Malahide (Magnus Crome)

Produktion: Deborah Forte • Peter Jackson • Amanda Walker • Fran Walsh • Zane Weiner
Szenenbild: Dan Hennah
Kostümbild: Bob Buck • Kate Hawley
Maskenbild: Michele Perry
Kamera: Simon Raby
Musik: Junkie XL


Bild: Universal Pictures International

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