Nicht auflegen

Kinoplakat Nicht auflegen

Stu Shepard ist ein großkotziger PR-Agent, hält sich für den Größten und Besten obwohl er nur ein kleiner Fisch ist und sein Leben auf Lügen und Betrügen aufbaut. Einmal täglich ruft er aus einer bestimmten Telefonzelle Pamela an. Er gibt alles, um sie ins Bett zu kriegen. Der Haken an der Sache Stu ist verheiratet und ein Unbekannter hat Wind vom Betrug bekommen.

Am Tag der Abrechnung klingelt das Telefon in der Zelle nachdem Stu mit Pamela telefonierte. Ein Unbekannter konfrontiert Stu mit Details aus seinem Leben. Er will ihn dazu bringen sich bei seiner Ehefrau zu entschuldigen und ihr seine schmutzigen Taten zu gestehen. Zeitgleich wird Stu von mehreren Huren angegriffen, die aus der Telefonzelle heraus ihre Freier anrufen wollen. Aber er kann nicht auflegen, denn der Unbekannte ist ein Scharfschütze und hat eine Waffe auf ihn gerichtet.

Als die Huren dem Türsteher des Bordells auf die Nerven fallen, fällt der wiederum Stu auf den Wecker und Stu versucht sich mit Bestechung aus der Sache zu winden, doch der Türsteher lässt nicht locker. Aus dem Hinterhalt wird er deshalb von dem unbekannten Erpresser erschossen. Die Huren drehen durch und rufen die Polizei. Die rücken an und halten Stu für einen Mörder, während der am Telefon immer noch den unbekannten Erpresser hat. Ein Psychoduell zwischen Stu, dem Einsatzleiter Captain Ramey (Forest Whitaker) und dem gesichtslosen Scharfschützen, von dem man nur die Stimme kennt, beginnt. Stu steht auf dem Präsentierteller und wird vor laufenden Fernsehkameras zur Lebensbeichte gezwungen. Seine schöne Fassade bröckelt und er muss sich dem Unbekannten beugen.
Allerdings hat der unsichtbare Dritte nicht mit Captain Ramey gerechnet. Denn als der Scharfschütze auf die Stirn von Stus Ehefrau Kelly zielt, erkennt Captain Ramey den leuchtenden Punkt der Zielvorrichtung. Er weiß was gespielt wird und setzt alles daran um Stu aus der Zelle zu holen und den Scharfschützen zu schnappen.

Kritik

Ein Film, der sich auf eine Telefonzelle konzentriert. Kann das gut gehen? Es könnte, doch "Nicht auflegen" überzeugt nicht wirklich. Aus dem Psychoduell wird in der deutschen Fassung streckenweise ein Geplauder, denn der deutschen Stimme des unbekannten Erpressers fehlt es an Ausdruck. Das Drehbuch hat seine Ungereimtheiten. Wenn Stu von den Huren belagert wird, könnte er ihnen einfach sein Handy geben zum Telefonieren und die Sache wäre erledigt, der Türsteher müsste nicht erschossen werden. Oder die Frauen könnten in die Bar gehen und dort telefonieren, anstatt den Türsteher zu nerven. Doch nicht nur das wirkt konstruiert. Die Moral des Films ist simpel. Der unbekannte Scharfschütze ist der Robin Hood der Moral. Er hat vor Stu einen Päderasten erschossen (der zudem auch Pornokönig war), einen korrupten Aktienhändler (der vor dem Aktiencrash seiner Firma alle eigenen Aktien verkaufte) und den Türsteher des Erotikladens, der wahrscheinlich ein Zuhälter war und nun ist Stu dran, weil er Ehebruch beging.

Colin Farrell als Stu kann man keine übermäßige Ausdruckskraft vorwerfen. Gut, das Drehbuch lässt ihm nicht viel Spielraum, weil es ihn als fiesen Yuppie einführt und ihn dann zum liebenden Ehemann läutert. Ja, die Wendung, dass er zunächst ein Hassobjekt ist, dass man am Ende des Films lieb gewonnen hat, weil er die wahren Werte des Lebens erkennt und nun weiß, dass er seine Frau von Herzen liebt, funktioniert so weit. Das Geschehen spielt vor laufenden Fernsehkameras, weil wir in den USA sind (zudem bekommt das TV mit seiner Sensationsgier so auch sein Fett weg).

Drehbuchautor Larry Cohen über sein Drehbuch: "Ich dachte, ich stelle einfach einen Heckenschützen in ein Fenster und den Typ in eine Telefonzelle. Dann bringe ich seine Frau und die Freundin ins Spiel, lass' einen Mord geschehen und füge die Polizei hinzu. All diese Einfälle sprudelten plötzlich aus mir heraus, und schließlich konnte ich das Drehbuch in weniger als einer Woche vollenden." Ohne Cohen daraus einen Strick drehen zu wollen. Dem Drehbuch hätte ein Ausbau gutgetan, denn trotz des formal engen Fokus fehlt es an Spannung. Und so ganz stimmen seine Worte nicht, denn der Film spielt nicht ausschließlich in einer Telefonzelle, wie Larry Cohen sich das erhoffte. Die Zelle wird nach einer Einleitung zum Dreh- und Angelpunkt, aber die Leinwand zeigt bis zu vier Bilder gleichzeitig (Splitscreens) und konzentriert sich darüber hinaus auf den umgebenden Straßenabschnitt.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Phone Booth
Land: USA
Jahr: 2002
Laufzeit ca.: 81
Genre: KrimiSpannung
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 07.08.2003
Heimkino: 28.11.2005

Regie: Joel Schumacher
Drehbuch: Larry Cohen

Schauspieler: Colin Farrell (Stu (Stuart) Shepard) • Kiefer Sutherland (Der Anrufer) • Forest Whitaker (Captain Ramey) • Radha Mitchell (Kelly Shepard) • Katie Holmes (Pamela McFadden) • Paula Jai Parker (Felicia) • Arian Ash (Corky) • Tia Texada (Asia) • John Enos III (Leon) • Richard T. Jones (Sergeant Cole) • Keith Nobbs (Adam) • Dell Yount (Pizzamann) • James MacDonald (Unterhändler)

Produktion: Gil Netter • David Zucker
Szenenbild: Andrew Laws
Kostümbild: Daniel Orlandi
Maskenbild: Michael Mills
Kamera: Matthew Libatique
Musik: Harry Gregson-Williams
Schnitt: Mark Stevens


Bild: 20th Century Fox

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