Gone Girl - Das perfekte Opfer

Kinoplakat Gone Girl - Das perfekte Opfer

Wenn es in einer Ehe nicht mehr rund läuft, steht die Suche nach Ursachen an. Dabei kann man die Schuld bei sich selbst suchen - oder dem anderen in die Schuhe schieben. Weiterhin lautet die Frage: Trennen oder weitermachen? Und lasse ich den anderen gehen oder mache ich ihn nieder? In Finchers "Gone Girl", der Verfilmung des Romans von Gillian Flynn ist die Antwort klar - oder etwa nicht?

Als Nick Dunne (Ben Affleck) nach Hause kommt, ist seine Frau Amy Dunne (Rosamund Pike) verschwunden. Im Haus gibt es Spuren eines Einbruchs. Doch die toughe Polizistin Rhonda Boney (Kim Dickens) misstraut dem Fall. Und sie beginnt im Leben der Dunnes zu graben. Sind sie wirklich das Traumpaar, das sie zu sein scheinen? Amy ist eine erfolgreiche Autorin und attraktive Frau. Und ist Nick, der Mann an ihrer Seite, einer, der es nicht länger ertragen kann, der weniger Erfolgreiche zu sein? Zweifel sind angebracht, die Medien ziehen bald eine Hetzkampagne hoch und schon bald ist die Nation von seiner Schuld überzeugt. Doch dann kommt die unglaubliche Wende!

Kritik

Den Film zu kritisieren ohne den Plot zu verraten ist schwierig. Ich biete hier eine Kurzfassung und eine etwas längere Kritik an, die ein wenig mehr ins Detail geht, ohne die Handlung im Klartext zu beschreiben. Die meisten Zuschauer werden den Film "Gone Girl" als spannend und durchdacht beschreiben. Formal besteht er aus zwei Teilen. Teil 1 lebt von der Fragestellung, ob der Ehemann die Ehefrau umgebracht hat oder ob sie verschwunden ist? Inklusive einer Spurensuche der Polizei, sich erhärtenden Verdachtsmomenten und einer Rückschau der Ehe.

Teil 2 verrät dem Zuschauer im Klartext was gespielt wird und spitzt die Geschehnisse dann zu, wobei die Logik nicht lupenrein ist. Wie kann ein Opfer, das angibt, über mehrere Tage hinweg gefesselt gewesen zu sein, an ein Teppichmesser gelangen? Gut, es dient der Story auch dazu zu verdeutlichen, wie brillant die Manipulation ist. Doch so ganz passen will es zur restlichen Polizeiarbeit nicht.

Detaillierter gesehen …
… hat die Handlung einige Haken. Einer ist der, dass sie zu früh genaue Hinweise gibt. Amy sagt sinngemäß über sich selbst, dass sie als Autorin eine Figur geschaffen hat, die ihr immer einen Schritt voraus ist. Ein interessanter Satz, denn die Autorin ist die Schöpferin und die Figur ihr Produkt. Also lautet die Aussage: Ich bin anderen immer einen Schritt voraus. Ob man es dann glauben will, dass eine Frau die sich selbst so einschätzt, von ihrem Ehemann umgebracht wurde ist fraglich. Vielleicht hat Amy jemanden getroffen, der das Spiel noch besser spielt als sie? Vielleicht hat er auch einfach seine Chance genutzt.

Der zweite deutliche Hinweis besteht darin, dass die Schriftstellerin Amy ein Tagebuch führt - das dazu dienen kann sich Druck von der Seele zu schreiben, oder die Polizei auf eine falsche Fährte zu locken. Dass die sonst logisch denkende Polizistin dies nicht einmal in Erwägung zieht ist erstaunlich. Und wie Nick zum letzten Eintrag bemerkt, ist das Tagebuch zu passend. Wer also ein wenig mitdenkt und aufmerksam zuhört, der wird nur einen Teil von dem glauben, was der Film vorgibt.

Vielleicht bin auch ich auf der falschen Fährte und "Gone Girl" will gar nicht als Thriller punkten, sondern die Mechanismen einer Ehe behandeln? Wenn dem so ist, dann bin ich der falsche Kritiker für den Film. Mich beschäftigt zudem die Frage der Besetzung und Austarierung. Etwa warum Ben Affleck eine der drei Hauptrollen spielt? Insbesondere im Zusammenspiel mit Rosamund Pike fällt Affleck ab. Leider ist es so, dass einige Szenen gar nicht überzeugen. So fehlt der Flirtszene des Kennenlernens der Funkenflug.
Die dritte Hauptrolle spielt Carrie Coon als Margo. Das macht sie gut, zeitweilig wirken Coon und Affleck mehr wie ein Liebespaar, denn wie Geschwister. Schade ist nur, dass ihre Rolle tragend ist, ohne einen Ausbau bekommen zu haben. Warum hat Margo beispielsweise kein Privatleben? Die Lauflänge von 149 Minuten lässt genug Raum.

Etwas eigenwillig finde ich auch die Dramaturgie. So findet die Auflösung verhältnismäßig früh statt. Um den Zuschauer anschließend noch bei der Stange zu halten, wird das Thema ausgebaut und (unglaubwürdig) überspitzt.

Und trotzdem fehlt mir etwas. Ich warte ich bis zum Ende, dass der Film noch eine zweite Ebene enthüllt. Warum wird das Thema nicht noch einmal gekippt und eine andere Figur ist das Superhirn? Denn so wie der Film erzählt, erzählt er im Klartext. Von diesen Kritikpunkten abgesehen ist mir die Geschichte zu glatt inszeniert. Und nicht zuletzt ist die deutsche Synchronisation auffällig lieblos.

Fazit
"Gone Girl" gelingt es gut, aufzuzeigen, dass Menschen eine dunkle Seite in sich tragen. Des Weiteren thematisiert er den Geschlechterkampf, Macht und Ohnmacht und Manipulation. Die Spannung ist gut zu ertragen; die Übertreibungen müssten nicht sein.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %

Original Filmtitel: Gone Girl
Land: USA
Jahr: 2014
Laufzeit ca.: 149
Genre: KrimiMysterySpannung
Verleih: 20th Century Fox
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 02.10.2014

Regie: David Fincher
Drehbuch: Gillian Flynn
Literaturvorlage: Gillian Flynn

Schauspieler: Ben Affleck (Nick Dunne) • Rosamund Pike (Amy Dunne) • Neil Patrick Harris (Desi Collings) • Tyler Perry (Tanner Bolt) • Carrie Coon (Margo Dunne) • Kim Dickens (Detective Rhonda Boney) • Patrick Fugit (Officer James Gilpin) • David Clennon (Rand Elliott) • Lisa Banes (Marybeth Elliott) • Missi Pyle (Ellen Abbott) • Emily Ratajkowski (Andie Fitzgerald) • Casey Wilson (Noelle Hawthorne) • Lola Kirke (Greta) • Boyd Holbrook (Jeff) • Sela Ward (Sharon Schieber)

Produktion: Ceán Chaffin • Joshua Donen • Arnon Milchan • Reese Witherspoon
Szenenbild: Donald Graham Burt
Kostümbild: Trish Summerville
Maskenbild: Kate Biscoe
Kamera: Jeff Cronenweth
Musik: Trent Reznor • Atticus Ross
Schnitt: Kirk Baxter


Bild: 20th Century Fox

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