Prisoners

Kinoplakat Prisoners

Der Programmkino-Thriller erzählt bleischwer von einer Kindesentführung und den darauf folgenden Tagen. Von Polizeiarbeit, die an bürokratischen Hürden scheitert und der Selbstjustiz eines emotional amoklaufenden Vaters.

Die Vorstellung jagt wahrscheinlich jedem Vater einen kalten Schauer über den Rücken: Plötzlich ist die Tochter wie vom Erdboden verschluckt. Keine Zeugen, nur ein Verdächtiger, dem die Polizei nichts nachweisen kann. Da ist es nachvollziehbar, dass Keller Dover (Hugh Jackman) das Recht in die eigene Hand nimmt. Er entführt den geistig beschränkten Alex (Paul Dano), den er für den Täter hält, und versucht, die Wahrheit aus ihm heraus zu prügeln. Doch so hart Keller auch zuschlägt, entweder Alex weiß nichts oder er hält dicht. Parallel dazu ermittelt Detective Loki (Jake Gyllenhaal) in der Angelegenheit. Auch er stößt an Grenzen, die ihn immer wieder zur Verzweiflung bringen. Doch dann hilft der Zufall den Männern.

Kritik

"Prisoners" mischt die Genres Thriller und Programmkino. Herausgekommen ist ein nicht leicht verdaubarer Film, der an die Grenze stößt, ab der Kunst um der Kunst willen produziert wird. Sein Szenario ist zunächst klassisch. Thanksgiving steht an und zwei befreundete Familien feiern. Und schon liegt das Ungewisse, das Lauernde in der Luft. Doch niemand schenkt ihm Bedeutung. Auch nicht, als die zwei Mädchen aufbrechen, um etwas aus dem nahegelegenen Elternhaus zu holen. Bald darauf sind sie spurlos verschwunden. Niemand hat etwas gesehen. Der einzige Verdächtige ist geistig zurückgeblieben; kommt mangels Beweisen bald wieder frei. Das treibt den Vater zur Verzweiflung. Zudem geht ihm die Arbeit der Polizei nicht schnell genug voran.
Der ermittelnde Detective stößt an seine eigenen Grenzen. Muss sich an die Gesetze halten und liegt mit seinem Vorgesetzten im Dauerstreit. Das macht beide Männer zu Gefangenen ihrer Umstände; was der Filmtitel Prisoners andeutet. Und es gibt noch einen dritten Prisoner: den Zuschauer, der nie mehr weiß, als die zwei Hauptfiguren. Der mit ansehen muss, wie Hugh Jackman wie ein schnaubender Stier über die Leinwand tobt, und miterleben, wie Jake Gyllenhaal an der Bürokratie verzweifelt.

Dem Film gelingt es, den Zuschauer nicht nur in das Szenario zu ziehen, sondern ihn auch hinabzuziehen. Das liegt an der Ungewissheit. Soll man mit dem Behinderten mitfühlen, der anscheinend unschuldig ist? Oder verstellt er sich nur? Und wer ist hier gestörter? Der Behinderte oder der Normale? Verstärkt wird die quälende, teils ekelige Handlung durch das Szenario. Das kalte Novemberwetter schlägt nach der Entführung in Dauerregen um. Die Landschaft ist bleiern und unwirtlich. Was bei Sonnenschein vielleicht anheimelnd und malerisch aussieht, ist jetzt feindlich. Gelungen ist auch die überraschende Auflösung des Falls, die der Film erst am Ende offenbart.

Die Leistungen der Darsteller zu beschreiben ist nicht einfach. Hugh Jackman hinterlässt einen Eindruck - ohne Nuancen zu bieten. Zumindest in der gesehenen englischen Fassung dominiert sein Schnauben so manche Szene. Und auch die restlichen Darsteller befinden sich die meiste Zeit in Extremsituationen. Jake Gyllenhaal halte ich für talentiert; auch wenn mir seine Interpretation des gequälten Bullen wenig behagt. Mit Paul Dano leide ich und wundere mich etwas darüber, dass das Drehbuch dieses Männer-Films es mit den Müttern nicht gut meint und sie aufs Nebengleis schickt.

Fazit
Ob der Film noch Unterhaltung ist oder schon Kunst um ihrer selbst willen, muss jeder Zuschauer selber entscheiden. Im Großen und Ganzen ist er stimmig - käme allerdings auch ohne die Übertreibungen aus. Wer ins Kino geht, sollte sich darüber im Klaren sein, dass Prisoners kein Gute-Laune-Film ist.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Land: USA
Jahr: 2013
Laufzeit ca.: 153
Genre: DramaKrimiThriller
Verleih: Tobis
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 10.10.2013
Heimkino: 13.02.2014

Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Aaron Guzikowski

Schauspieler: Hugh Jackman (Keller Dover) • Jake Gyllenhaal (Detective Loki) • Paul Dano (Alex Jones) • Viola Davis (Nancy Birch) • Maria Bello (Grace Dover) • Terrence Howard (Franklin Birch) • Melissa Leo (Holly Jones) •  Dylan Minnette (Ralph Dover) • Zoë Soul (Eliza Birch) • Erin Gerasimovich (Anna Dover) • Kyla-Drew Simmons (Joy Birch) • Wayne Duvall (Captain Richard O'Malley)

Produktion: Broderick Johnson • Kira Davis • Andrew A. Kosove • Adam Kolbrenner
Szenenbild: Patrice Vermette
Kostümbild: Renée April
Maskenbild: Donald Mowat
Kamera: Roger A. Deakins
Musik: Jóhann Jóhannsson
Schnitt: Joel Cox


Bild: Tobis

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