Ricki - Wie Familie so ist

Kinoplakat Ricki Wie Familie so ist

Wenn Meryl Streep eine Rolle spielt, dann füllt sie die Rolle aus. Doch in diesem Fall passt ihre Perfektion nicht zum Inhalt, denn sie soll eine gescheiterte Rocksängerin spielen und nicht eine brillante. Nicht die einzige Auffälligkeit in der Komödie, die mehr Drama als Komödie ist und zur Hälfte ein Konzertfilm.

Ricki (Meryl Streep) hat es versucht. Sie hat für eine Karriere als Rocksängerin ihre Familie und ihre Kinder verlassen. Doch der große Traum platzte. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Kassiererin im Supermarkt. Und abends spielt sie gemeinsam mit ihrer Band "The Flash" Coversongs in einer Kneipe, die mäßig besucht ist und in einer Stadt liegt, in der der Hund begraben ist. Zu ihrem Ex-Mann und ihren Kindern hat sie keinen Kontakt. Und es bedarf eines gegebenen Anlasses, damit sich daran etwas ändert. Dieser Moment ist gekommen, als die Ehe ihrer Tochter Julie (Mamie Gummer) zerbricht. Um zu helfen und Trost zu spenden, taucht Ricki wieder bei ihrer Ex-Familie auf - und ist dort ganz und gar nicht willkommen, denn man hat ihr nicht verziehen.

Kritik

Den Film "Ricki - Wie Familie so ist" in ein Genre einzuordnen fällt mir schwer. Laut Verleih soll es eine Komödie sein. Was ich sehe ist ein dann eher ein dramatischer Konzertfilm mit Meryl Streep in der Hauptrolle. Und das ist auch die Hauptsache des Films: Meryl Streep spielt eine alternde Rocksängerin, die im vorgerückten Alter noch auf der Suche nach sich selbst und dem Platz im Leben ist. Für Fans der Schauspielerin eine sehenswerte Sache; alle anderen bekommen wenig geboten, denn abgesehen vom klaren Genre fehlt auch eine satt machende Handlung.

Da tritt Meryl Streep auf, die in ihrer Rolle als Rocksängerin zu sehr brilliert, denn so wie sie spielt, fällt es schwer zu glauben, dass es mit der Karriere nicht geklappt hat. Hinzu kommt der lang ausgebreitete Konflikt mit ihrer Tochter, die der Mutter einiges nicht verziehen hat. Anfangs denke ich, die Mutter ist vor Kurzem erst ausgezogen. Doch dann deutet der Film an, dass das die Konflikte Jahrzehnte zurückliegen und die Kinder von einer Bilderbuch-Ersatzmutter großgezogen wurden. Wenn dem so ist, dann verstehe ich nicht, worin die Unversöhntheit wurzelt? Das erklärt der Film mir nicht. Zumal auch der Sohn ähnlich reagiert. Seine Homosexualität hat er der konservativen Mutter stets verheimlicht. Und haut sie ihr als Rache um die Ohren. Kevin Kline als Vater der Kinder und Rickis Ex-Mann bleibt eine nebulöse Figur mit dem Hang zu Harmonie.
Alles in allem nimmt der familiäre Konflikt viel Raum ein - ohne zum Drama zu werden, denn eine Vertiefung bleibt aus. Unklar auch der Wendepunkt, der eintreten muss, damit der Film ein glückliches Ende nimmt. Doch was ihn auslöst kann ich nicht erklären.
Bei allen Streitereien und manchem bösen Wort ist die Handlung auffällig politisch korrekt. Und sie ist zäh. Wiederholt holpert sie und es fehlt die Geschmeidigkeit. Abgesehen von dem Familiendrama bietet der Film viel Musik. Selbst eine Hochzeit wird zur Bühne für "Ricki and the Flash". Dass Meryl Streep und Mamie Gummer auch im realen Leben Mutter und Tochter sind, ist mir bekannt. Spannend finde ich den Umstand nicht.

Fazit
Eine simple Geschichte mit unklarem Schwerpunkt und fehlendem Knackpunkt. Für eine Komödie bietet der Film zu wenig Humor. Für ein Drama zu viel Musik und für einen Konzertfilm zu viel Drama. Die strikte Fokussierung auf Meryl Streep ist Geschmackssache.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Ricki and the Flash
Land: USA
Jahr: 2015
Laufzeit ca.: 101
Genre: DramaMusik
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 03.09.2015
Heimkino: 14.01.2016

Regie: Jonathan Demme
Drehbuch: Diablo Cody

Schauspieler: Meryl Streep (Ricki) • Rick Springfield (Greg) • Kevin Kline (Pete ) • Mamie Gummer (Julie ) • Rick Rosas (Buster) • Joe Vitale (Joe) • Bernie Worrell (Billy) • Ben Platt (Daniel) • Peter C. Demme (Walt) • Jim Roche (Tänzer) • Alexa Klienbard (Tänzerin) • Keala Settle (Sharon) • Joe Toutebon (Whitey) • Big Jim Wheeler (Elvis Guy)

Produktion: Diablo Cody • Gary Goetzman • Mason Novick • Marc Platt
Szenenbild: Stuart Wurtzel
Kostümbild: Ann Roth
Maskenbild: Patricia Regan
Kamera: Declan Quinn
Schnitt: Wyatt Smith


Bild: Sony Pictures

1 customer review

befriedigend
03.09.15
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