Der Spitzenkandidat

Kinoplakat Der Spitzenkandidat

Der Spielfilm erzählt vom Sturz eines US-amerikanischen Politikers, der mit dem Sündenfall der Presse einhergeht. Anstatt Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden, beendet Gary Hart seine Karriere.

Als in den Vereinigten Staaten von Amerika 1988 die Wahl zum Präsidenten ansteht, tritt der Senator Gary Hart an, um für die Demokraten nominiert zu werden. Der erfahrene Politiker kann insbesondere bei den jungen Wählern punkten und gilt als sicherer Kandidat, viele sehen in ihm bereits den zukünftigen Präsidenten. Der Kampf um die Aufstellung beginnt und kurz darauf beendet Hart seine politische Laufbahn.

Die möglichen Beweggründe zeigt der Film auf, legt den Schwerpunkt auf zwei Lager. Da ist Harts Wahlkampfteam zu sehen, das für Hart arbeitet. Quasi die Gegenseite bildet die Presse, die zum Teil engen Kontakt zu Hart pflegt. In den Reihen der Medien gibt es Bewunderer und skeptische Stimmen. Als der Miami Herold eines Nachts einen Tipp bekommt, nehmen die Journalisten die Spur auf. Kann es sein, dass der verheiratete Politiker während des Wahlkampfes eine Affäre mit einer jungen Frau beginnt?

Kritik

Der Film "Der Spitzenkandidat" bildet sein Drama exemplarisch ab. Er bricht das Geschehen nicht auf die persönliche Ebene herunter, sondern belässt es bei der Beobachtung dessen, was Personenkreise erleben. Dadurch ist der Zuschauer fast nie der unsichtbare Dritte, wenn es um private Momente geht. Gerade die sind jedoch oftmals das Interessante an einem Film. Erst spät und nur sehr kurz nutzt der Film diese dramaturgische Möglichkeit; etwa dann, wenn die Ehefrau ihrem Mann den Seitensprung vorwirft. Und in diesen Momenten zeigt der Film, was aus ihm hätte werden können. So wäre es interessant zu erfahren, wie ein erfahrener Berufs-Politiker einen so dummen Fehler begehen kann und während des Wahlkampfes in aller Öffentlichkeit eine Annäherung an eine junge Frau zu beginnen. Die möglichen Beweggründe werden angedeutet, aber nicht zum Kernthema. Zudem wird auch nicht ausdrücklich behauptet, dass es wirklich eine Affäre ist.

Vielmehr ist es leider so, dass die beruflichen und geschäftlichen Momente im Vordergrund stehen. Es wird aufgezeigt, welche Mechanismen während eines Wahlkampfes in den USA vielleicht ablaufen. Ein Team ist damit beschäftigt, den Kandidaten ins rechte Licht zu rücken, Reden zu schreiben und Wahlhelfer zu mobilisieren. Da der Film in den 1980-er Jahren spielt, steckt das Internet noch in der Entwicklung und nimmt keine Rolle ein. Die Presse ist noch unschlüssig, ob eine mögliche Affäre einen Artikel wert ist und ob ein solcher Fall überhaupt besprochen werden kann? So oder ähnlich mag es in den 1980-er Jahren in Zeitungsredaktionen zugegangen sein. Es wird diskutiert, abgewogen und versucht die Grenze zwischen persönlichen Interessen oder Bewunderung und dem Beruf zu wahren. Die Realität dürfte im Jahr 2018 eine andere sein. Bunte Blätter wie auch seriöse Publikationen berichten offen über das, was Gary Hart als Privatsache einstuft.

2018 ist es nichts Neues mehr, dass ein Politiker über eine Affäre stolpert. So gesehen kommt "Der Spitzenkandidat", dessen Fall bereits 30 Jahre zurückliegt, mindestens 20 Jahre zu spät ins Kino, weil der Fall niemanden mehr aufregt. Gegen Filmende versucht die Handlung einen aktuellen Bezug herzustellen, indem sie darauf hinweist, dass mit der Affäre um Gary Hart ein Wandel in der Art und Weise der medialen Berichterstattung stattfand. Ob diese Hypothese stimmt, habe ich nicht nachgeprüft. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt ist es eine Behauptung, die den Film nicht dramatisiert und es ist fraglich, ob der Gang ins Kino dafür lohnt.

Locken kann auch die unspektakuläre Erzählweise nicht, die damit begründet werden kann, dass man dem Menschen Gary Hart nicht zu nahe treten will. Sollte dies tatsächlich der Grund sein, wäre es die bessere Entscheidung gewesen einen fiktiven Fall an die Realität anzulehnen und die zwischenmenschlichen Konflikte in den Vordergrund zu rücken.

Die Darsteller arbeiten annehmbar bis gut, bleiben jedoch hinter den Rollen zurück und treten zu sehr wie Politiker und nicht wie Privatpersonen auf. Somit fällt es schwer mit Hugh Jackman als Gary Hart oder Vera Farmiga als betrogene Ehefrau mitzufühlen.

Fazit
Das Problem am Film "Der Spitzenkandidat" ist, dass er nichts Neues bietet. Das Handwerk ist solide. Anfangs eine wackelige und später eine ruhigere Kameraführung. Die Bilder zeigen Szenen, wie man sie in anderen Film schon unzählige Male gesehen hat. Da hilft es wenig, dass das Lokalkolorit gut getroffen ist und Kleidung und Frisuren abscheulich sind. Wenn Handwerk und Geschichte zusammengezählt werden, fehlt ein Alleinstellungsmerkmal. Als Wendepunkt der medialen Berichterstattung eingestuft, kommt der Film Jahrzehnte zu spät.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: The Front Runner
Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: 113
Genre: BiografieHistorieSpielfilm
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 17.01.2019
Heimkino: 29.05.2019

Regie: Jason Reitman
Drehbuch: Matt Bai • Jay Carson • Jason Reitman
Literaturvorlage: Matt Bai

Schauspieler: Hugh Jackman (Gary Hart) • Vera Farmiga (Lee Hart) • J. K. Simmons (Bill Dixon) • Mark O'Brien (Billy Shore) • Molly Ephraim (Irene Kelly) • Chris Coy (Kevin Sweeney) • Alex Karpovsky (Mike Stratton) • Josh Brener (Doug Wilson) • Tommy Dewey (John Emerson) • Kaitlyn Dever (Andrea Hart) • Oliver Cooper (Joe Trippi) • Jenna Kanell (Ginny Terzano) • RJ Brown (Bill Martin) • Alfred Molina (Ben Bradlee) • Mamoudou Athie (AJ Parker) • Ari Graynor (Ann Devroy)

Produktion: Helen Estabrook • Aaron L. Gilbert • Jason Reitman
Szenenbild: Steve Saklad
Kostümbild: Danny Glicker
Maskenbild: Felicity Bowring
Kamera: Eric Steelberg
Musik: Rob Simonsen
Schnitt: Stefan Grube


Bild: Sony Pictures

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