Mit besten Absichten

Kinoplakat Mit besten Absichten

Der amerikanische Autorenfilm beleuchtet die Situation einer Witwe, die nach dem Tod ihres Mannes gegen die Leere im Leben kämpft. Susan Sarandon in der Hauptrolle der Seniorin und Mutter spielt sehenswert. Doch die Dramaturgie macht den Film zu einem anstrengenden Werk.

Nach dem Tod ihres reichen Ehemannes ist Marnie Minervini (Susan Sarandon) auf der Suche nach einem Sinn. Ihre erwachsene Tochter Lori Minervini (Rose Byrne) hat die Aufsicht und Fürsorge der Mutter nicht mehr nötig. Doch da sie ein Problem mit Männern und Beziehungen hat, nutzt Marnie dies als Schlupfloch und drängt sich ungefragt in das Leben der Tochter. Die schiebt dem Treiben eines Tages harsch einen Riegel vor und Marnie geht auf die Suche nach weiteren Kandidaten, denen sie mit Rat, Tat oder Geld zur Seite steht.

Kritik

Der Film "Mit besten Absichten" mag mit solchen gedreht worden sein. Das Ergebnis überzeugt nur bedingt. Das liegt nicht an der Art wie Susan Sarandon ihre Rolle spielt, auch nicht an der Überdosis Sarandon, die durch die klare Fokussierung auf die Darstellerin und ihre Rolle entsteht (das ist Geschmackssache). Was mir nicht gefällt ist die Dramaturgie; also die Art den Stoff zu erzählen. So vermisse ich klare Höhe- und Tiefpunkte. Statt solche zu setzen, geht die Erzählung gleichförmig dahin. Sie beginnt mit dem Umzug der Hauptrolle nach Los Angeles und eine mögliche neue Beziehung setzt den Schlusspunkt. Dazwischen liegen viele dialoglastige Szenen, die für den Zuschauer eher weniger aufschlussreich sind. In einem der belanglosesten Momente darf er Susan Sarandon dabei zusehen, wie sie ein Spiegelei brät und es mit Genuss verspeist. Doch auch die inhaltsreicheren Ereignisse wollen interpretiert werden.

Schwierig finde ich den Umstand, dass das Drehbuch Konflikte nicht aufzeigt um sie zu lösen, sondern um dadurch Muster darzustellen. So eröffnet ein Mutter-Tochter-Konflikt den Film. Er spielt dann lange Zeit keine Rolle mehr und wird gegen Filmende noch einmal aufgenommen. Dazwischen behandelt der Film andere Konflikte, deren Ausgehen teils offen bleibt. Es bleibt dem Zuschauer überlassen die Muster zu erkennen. Eines besteht darin, dass Marnie vor ihrem Leben davon läuft. Sie ist vollends damit beschäftigt anderen Menschen zu helfen. Doch wenn es um ihre eigenen Gefühle geht, also ein Mann an sie herantritt, reagiert sie mit Flucht. Ein anderes Muster besteht darin, dass sie Dinge nicht zu einem Ende bringt. Der Film bietet dem Zuschauer wenig Hilfestellung dies zu erkennen. Marnie sucht zwar eine Therapeutin auf, doch die spricht von Schuldgefühlen, die ich aus der Handlung nicht herauslesen kann. So gesehen ist die Dramaturgie zwar spannungsarm und trotzdem rund. Vielleicht deute ich die Handschrift der Autorin auch falsch? Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass das Drehbuch Konflikte versehentlich nicht auf den Punkt bringt.

Die Inszenierung des Films ist ausgesprochen amerikanisch. Damit meine ich, dass Menschen wie Rollen agieren. Niemand spricht Klartext, sondern ständig werden Dinge beschönigt. Eine vorgeschlagene Verabredung wird nicht abgesagt, sondern herausgezögert, weil man gerade zu sehr beschäftigt ist. Ich kann nicht beurteilen, ob Amerikaner so sind. Ich kann nur sagen, dass das Auftreten der Menschen im Film auf mich sehr unangenehm wirkt.

Fazit
Wie der Titel es bereits aussagt: Mit besten Absichten gedreht. Doch der eigenwillige Erzählstil und der seltsame Inhalt müssen einem liegen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: The Meddler
Land: USA
Jahr: 2015
Laufzeit ca.: 103
Genre: Spielfilm
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 0 Jahren

Kinostart: 14.07.2016
Heimkino: 24.11.2016

Regie: Lorene Scafaria
Drehbuch: Lorene Scafaria

Schauspieler: Susan Sarandon (Marnie Minervini) • Rose Byrne (Lori Minervini) • J. K. Simmons (Zipper) • Jerrod Carmichael • Cecily Strong • Lucy Punch (Emily) • Casey Wilson (Trish) • Jason Ritter (Jacob) • Sarah Baker • Michael McKean • Laura San Giacomo • Harry Hamlin

Produktion: Joy Gorman Wettels
Szenenbild: Chris L. Spellman
Kostümbild: Annie Bloom
Maskenbild: Becky Cotton
Kamera: Brett Pawlak
Musik: Jonathan Sadoff
Schnitt: Kayla Emter


Bilder: Sony Pictures

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