Saw

Kinoplakat Saw

Selten erlebt das Kino derartig abartigen Horror. Andere Horrorfilme wirken dagegen wie Waisenkinder. Wie der Name es vermuten lässt, setzt er Saw an den Nerven des Zuschauers an. Ein dickes Fell vorausgesetzt, ist der Film ein Tipp.

Die Eröffnungsszene ist nichts für Menschen mit Platzangst: In einer Art Badezimmer sind zwei Männer an gegenüberliegenden Wänden angekettet. Zwischen ihnen liegt in einer Blutlache eine Leiche. Beäugen auf beiden Seiten. Wer ist der andere? Was zum Teufel mache ich hier? Aus dem gegenseitigen Misstrauen erwächst nur zögerlich Vertrauen. Doch ohne Kooperation wird keiner von beiden den Raum lebend verlassen können. Versteckte Hinweise deuten einen Ausweg an. In einem Fall sind es Minikassetten, die ein Fremder besprochen hat. Darauf fordert der Unbekannte den Arzt Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes) auf, seinen Mitgefangenen Adam (Leigh Wannell) innerhalb von 8 Stunden zu töten. Dazu hat er eine Pistole mit nur einer Kugel bekommen. Andernfalls müssen beide sterben. Ein Teil der Lösung scheint darin zu bestehen, dass sich die Männer den Fuß absägen, der angekettet ist. Ein hoher Preis ... Allein diese Ausgangslage ist Psychofolter - wie auch der Rest des grausamen Spiels. Das da heißt: Finde einen Ausweg und gewinne dein Leben oder scheitere und verrecke.

Kritik

Selten erlebt das Kino derartig widerlich kranken Horror wie in "Saw". Selbst Filme wie "Wrong Turn", die nicht eben mit Blut sparen, wirken dagegen wie Waisenkinder. Wie der Name es vermuten lässt, sägt der Film mit Genuss an den Nerven des Zuschauers. Anfangs liegt der Fokus auf den Opfern. Womit die Frage im Raum steht, wie reagierte ich persönlich in der Situation? Dann wechselt die Erzählung zu Rückblenden und schildert zudem die Ermittlungsarbeit der Polizei. Weitere Puzzleteile fügen sich ins Bild und allmählich beginnst du an der Frage zu knacken: Wer ist der Mörder? Die Verdachtsmomente wechseln immer aufs Neue. "Saw" legt falsche Fährten und hält den Spannungsbogen bis zum (etwas übertriebenen) Ende.

Bei Licht betrachtet ist die surreale Handlung Unsinn. Ein Mörder, der Menschen dadurch kuriert, indem er Spiele veranstaltet, bei denen sich die Opfer selbst richten oder ihr Leben gewinnen. So musste ein gescheiterter Selbstmörder innerhalb eines Zeitfensters durch einen Wall aus Stacheldraht kriechen, in dem er elendig verblutete. Die Begründung des Films verrate ich zugunsten der Spannung nicht. Nur so viel: sie ist hanebüchen, aber welcher Horrorfilm ist schon realistisch? Lässt man diesen Gedanken beiseite, taucht die Frage auf, welches kranke Hirn sich den Schocker ausdachte? Denn nicht nur die Spannung ist zermürbend, wenn beispielsweise die Kindheitsängste vom Mann im Kleiderschrank eine ganz neue Bedeutung bekommen. Die Ekelszenen verlangen in ihrer Konsequenz nach einem starken Magen. Etwa dann, wenn eine junge Frau in menschlichen Gedärmen nach einem Schlüssel sucht.

Hinter dem Projekt stecken die australischen Filmstudenten James Wan und Leigh Wannell. Nach längerem Klinkenputzen fanden sie in Hollywood ein Studio, das bereit war, einen für die Filmstadt untypischen Film zu produzieren. In den USA überraschte "Saw" an den Kinokassen. Für Genrefans auf jeden Fall ein Muss!
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %


Original Filmtitel:
Land: USA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 100
Genre: HorrorKrimi
Stichwort: Saw
Verleih: Kinowelt
FSK-Freigabe ab: 18 Jahren

Kinostart: 03.02.2005
Heimkino: 06.06.2005

Regie: James Wan
Drehbuch: James WanLeigh Whannell

Schauspieler: Cary Elwes (Dr. Lawrence Gordon) • Danny Glover (Tapp) • Monica Potter (Allison Gordon) • Michael Emerson (Zep) • Tobin Bell (Jigsaw) • Ken Leung (Sing) • Makenzie Vega (Diana) • Shawnee Smith (Amanda) • Benito Martinez (Brett) • Dina Meyer (Kerry) • Leigh Wannell (Adam) • Ned Bellamy (Gefangener) • Paul Gutrecht (Mark) • Alexandra Chun (Carla) • Avner Garbi (Nachbar) • Mike Butters (Paul)

Produktion: Mark Burg• Gregg Hoffman • Oren Koules
Szenenbild: Julie Berghoff
Kostümbild: Jennifer Soulages
Maskenbild: Eleanor Sabaduquia
Kamera: David A. Armstrong
Musik: Charlie Clouser
Schnitt: Kevin Greutert


Bild: Kinowelt

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