Scarlet

Kinoplakat Scarlet

In dieser wilden Verfilmung der Tragödie "Hamlet" übernimmt Prinzessin Scarlett die Rolle des Prinzen Hamlet und sinnt auf Rache für die Ermordung des Vaters, König Hamlet, der im Film den Namen Amulet trägt. 

Weitere Fakten werden neu interpretiert: So erleidet Scarlett ein ähnliches Schicksal wie der König im Theaterstück. Sie wird vergiftet und findet sich in der Anderswelt wieder. Dort agieren die Toten wie Lebende und entscheiden, ob sie ins Paradies eingehen oder sich ins Nichts auflösen. Das kann als Ausschmückung des Monologs gesehen werden, in dem Hamlet im Theaterstück die Frage nach "Sein oder Nichtsein" stellt. Scarlett wird derart von Rache getrieben, dass es ihr gelingt, den endgültigen Tod vorübergehend abzuwenden. Weiterhin stehen die Welt der Lebenden und die der Toten in Verbindung miteinander. Es existiert für die Prinzessin also tatsächlich die Möglichkeit, Rache zu nehmen am Königsmörder Claudius. Der hat mittlerweile in der Anderswelt eine Bastion errichtet, die an Helms Klamm erinnert und den Zugang zum Paradies versperrt. Auf ihrem Rachefeldzug begegnet Scarlett einem jungen Mann. Hijiri ist Rettungssanitäter und versteht nicht, warum Menschen nicht in Frieden leben.

Kritik

"Scarlet" ist eine im positiven Sinn respektlose Aneignung von Themen, Kulturen, Sagen und Mythen. Hier treffen Figuren aus verschiedenen Zeitaltern aufeinander. Zum Unverständnis der Erzählerin setzen die Menschen ihre Muster in der Zwischenwelt fort. Sie misstrauen einander, hassen und bekämpfen sich. Scarlet bildet davon keine Ausnahme. Sie muss eine Lektion über sich selbst lernen und geht am Ende geläutert aus dem Abenteuer hervor.

Auch der Stil ist ein wilder Mix. Anime, Mord und Totschlag, Romantik und Lebensphilosophie tanzen miteinander. Wobei der letztgenannte Aspekt zu den schwächeren des Films zählt. Fragen über das Menschsein und das Leben werden aufgeworfen und bleiben ohne befriedigende Antwort. Dem Kritiker gefällt der Rollentausch gut. Auch wenn er für die folgende Aussage bereits nach der Kinovorführung verbale Prügel bekam, wiederholt er es. Scarlet und Hijiri tauschen die Rollen. Sie übernimmt eine männliche Rolle und er eine weibliche. Sie kämpft, er umsorgt die Verletzten. Das mag jemand als veraltetes Rollenverständnis einstufen. Der Kritiker sieht das nicht negativ, sondern als Qualität. Sich um andere Menschen sorgen und kümmern ist selbstverständlich nicht Frauen vorbehalten. Die Animation fällt zweckmäßig aus. Insbesondere die Hintergründe erhielten wenig Berücksichtigung. Mal sind es Dünen, dann Menschenmassen, in denen Gesichter verschwimmen. Wer Angst vor Romantik hat, muss wenig befürchten. Die Liebesgeschichte zwischen der resoluten Scarlet und dem naiven Hijiri ist kurz und endet (ganz asiatisch) tragisch.

Fazit
Eine solche Inszenierung von Shakespeares "Hamlet" wird so schnell nicht auf der Theaterbühne zu sehen sein. Der Anime überzeugt mit Frechheit, ärgert mit Wiederholungen und ist insgesamt sehenswert.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Original Filmtitel: Hateshi naki Sukâretto
Land:  Japan
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 112
Genre: AbenteuerActionAnimationDramaFantasyMysteryRomantik

Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 26.02.2026

Regie: Mamoru Hosoda
Drehbuch: Mamoru Hosoda

Schauspieler: -

Produktion: Yûichirô Saitô • Nozomu Takahashi • Toshimi Tanio
Musik: Taisei Iwasaki

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Bild: Sony Pictures

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