Spider

Kinoplakat Spider

David Cronenberg zeichnet in seinem beklemmenden Film das Porträt eines schizophrenen Menschen. In dessen Vorstellung sind Realität und Fiktion zu einem tödlichen Knäuel verstrickt.

Menschen wie Dennis Cleg (Ralph Fiennes) nennt man Sonderlinge oder Außenseiter. Seit seiner Kindheit verspinnt er sich in geistige Welten, in die nur er Zugang hat. Als erwachsener Mann findet er, nach seiner Entlassung als krimineller Geisteskranker, bei Mrs. Wilkinson ein trostloses neues Zuhause. Die resolute Dame herrscht über ein abgewracktes Haus, in dem Menschen wie Spider abgeschoben werden, in der Amtssprache resozialisiert. Die meiste Zeit zieht er murmelnd durch die trostlose, schäbige Umgebung seines neuen Zuhauses. In einem Tagebuch hält er seine Welt fest. So könnte es bis an sein Lebensende gehen, doch der Mordanschlag auf seine Zimmerwirtin bedeutet für ihn die Rückkehr ins Gefängnis.

Kritik

David Cronenberg versucht, mit "Spider" die Realität eines schizophrenen Mannes begreifbarer zu machen. Der stetig Worte sabbernde Spider scheint äußerlich ruhig, doch im Innern kocht er. Es sind schreckliche Kindheitserinnerungen, die ihn plagen: Sein Vater brachte die von ihm so geliebte Mutter um und ersetzte sie durch eine billige Schlampe, als wäre nichts geschehen. Die Rebellion des Sohnes wurde unterdrückt ... bis der scheinbar machtlose Junge Mittel und Wege fand zur Rache.
In Rückblenden schildert der Film die Lebensgeschichte eines Menschen, der bereits als Kind schizophren wurde. Der anfängliche Nebel aus Realität und Fiktion wird langsam lichter, bis der Zuschauer erkennt, wo die Grenzen ihre Überschneidung finden. Der Film erzählt seine Geschichte in ruhigen, sehr beklemmenden Bildern. Kamera, Schnitt, Ton und Schauspieler sind überdurchschnittlich gut. Ralph Fiennes überzeugt als Sonderling (fast unmöglich das zu synchronisieren). Als Kurzfilm gäbe "Spider" eine kleine Filmperle ab. Auf die Länge von 98 Minuten gedehnt, verlieren künstlerische Ideen und Leistungen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: FrankreichGroßbritannienKanada
Jahr: 2002
Laufzeit ca.: 98
Genre: DramaKrimiMystery
Verleih: Columbia TriStar Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 10.06.2004
Heimkino: 23.11.2004

Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Patrick McGrath
Literaturvorlage: Patrick McGrath

Schauspieler: Ralph Fiennes (Spider) • Miranda Richardson (Yvonne / Mrs. Cleg) • Gabriel Byrne (Bill Cleg) • Lynn Redgrave (Mrs. Wilkinson) • John Neville (Terrence) • Bradley Hall (Spider Boy) • Gary Reineke (Freddy) • Philip Craig (John) • Cliff Saunders (Bob) • Tara Ellis (Nora) • Sara Stockbridge (Gladys) • Arthur Whybrow (Ernie)

Produktion: Catherine Bailey • David Cronenberg • Samuel Hadida
Szenenbild: Andrew Sanders
Kostümbild: Denise Cronenberg
Maskenbild: Stéphan L. Dupuis
Kamera: Peter Suschitzky
Musik: Howard Shore
Schnitt: Ronald Sanders


Bild: Columbia TriStar Film

1 customer review

befriedigend
10.06.04
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