Schiffsmeldungen

Kinoplakat Schiffsmeldungen

Drama für Mutige. Kevin Spacey als Quoyle wird schon als Kind von seinem Vater gebrochen, indem er Schwimmübungen machen muss bis kurz vorm Ertrinken. Mit dieser archaischen Angst geschlagen, führt er fortan ein Leben als gebrochener Mensch. Seine Ehe ist eine Farce und die Arbeit als Drucker schafft er mit Hängen und Würgen. Sein Vater demütigt ihn mit seinem Tod ein letztes Mal.

Das Erbe geht für Kosten drauf und Quoyles Frau verlässt ihn deshalb. In diese Szenerie platzt die resolute Tante Agnis (Judi Dench). Sie stiehlt im ersten unbeobachteten Augenblick die Asche ihres Bruders (Quoyles Vater) und schickt sich dann an nach Neufundland aufzubrechen. Inzwischen erfährt Quoyle, dass seine Frau bei einem Autounfall ums Leben kam. Weil das Leben nicht mehr schlimmer werden kann, macht sich Quoyle nun samt Tochter Bunny auf und folgt Tante Agnis.

Das Leben in Neufundland ist so rau wie die Gegend. Das Haus der Quoyles stand seit Jahrzehnten leer und ist eine Bruchbude. Tochter Bunny, inzwischen hellsichtig geworden, erkennt gleich, das Haus wurde übers Eis gezogen und hier vertäut, wie ein vor Anker liegendes Schiff.
Quoyle bekommt einen Job als Reporter bei der Zeitung. Er verfasst er die Schiffsmeldungen, berichtet über anlegende und ablegende Schiffe. Als Aschenputtel in der Redaktion muss er als Einziger an einer alten Schreibmaschine tippen, während sein Chefredakteur ihn ausgiebig schikaniert. Doch als er über die Yacht schreibt, die einst Hitler gehörte, schlägt der Artikel wie eine Bombe ein. Jetzt hat er beim Verleger der Zeitung einen dicken Stein im Brett und darf am eigenen PC Kolumnen verfassen.
Privat ist ihm das Glück noch nicht hold. Dunkle Schatten liegen über dem Haus und der Vergangenheit seiner Vorfahren. Er findet heraus, dass sie Schiffeplünderer waren und wegen ihrer Grausamkeiten aus der Dorfgemeinschaft vertrieben wurden. Sie mussten das Haus übers Eis ziehen an den heutigen Standort. Und: Tante Agnis kam nicht freiwillig zurück. Sie stellt sich ihrer Vergangenheit.

Als Quoyle ein Auge auf die Leiterin des Kindergartens wirft, lernen sich die Erwachsenen und die Kinder kennen und lieben. Wavey Prowse (Julianne Moore) ist Mutter eines behinderten Sohnes mit dem sich Tochter Bunny vom ersten Augenblick an versteht. Quoyle hat anfangs weniger Glück; es dauert, bis Wavey sich öffnen kann. Kurz vor Schluss wird das Haus von einem schrecklichen Sturm von der Landkarte gefegt und läutet die Wende in Quoyles Leben ein.

Regisseur Lasse Hallström hat einen sehr kantigen, rauen Film gedreht. Der Stoff birgt Dramatik und Widerwärtigkeiten für mehrere durchschnittliche Hollywoodproduktionen. Kevin Spacey verkörpert die Rolle des ewigen Verlierers glaubwürdig. Judi Dench spielt erneut die resolute Alte mit dem goldenen Herzen.

Der Film unterhält, ohne mich für ihn einzunehmen. Zu sehr habe ich das Gefühl von Distanz: hier sitze ich, dort spielt der Film. Die schlüssige Handlung ist ein harter Brocken. Jeder Abscheulichkeit folgt eine weitere. Das ist ziemlich dick aufgetragen. Quoyles Frau ist eine Bilderbuchschlampe in Tangaslip und Netzstrumpfhosen. Kindergärtnerin Wavey hat einen behinderten Sohn und wurde von ihrem Mann verlassen. Die lesbische Tante Agnis wurde nicht nur vom eigenen Bruder vergewaltigt, sondern auch von ihm schwanger und trieb ab. Die Vorfahren der Quoyles waren nicht nur Schiffsplünderer, sondern auch noch ausnehmend grausam.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: The Shipping News
Land: USA
Jahr: 2001
Laufzeit ca.: 111
Genre: Drama
Verleih: Concorde Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 28.03.2002
Heimkino: 04.12.2002

Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Robert Nelson Jacobs
Romanvorlage: Annie Proulx

Schauspieler: Kevin Spacey (Quoyle) • Julianne Moore (Wavey Prowse) • Judi Dench (Agnes Hamm) • Cate Blanchett (Petal) • Pete Postlethwaite (Tert Card) • Scott Glenn (Jack Buggit) • Rhys Ifans (Beaufield Nutbeem) • Jason Behr (Dennis Buggit) • Gordon Pinsent (Billy Pretty) • Larry Pine (Bayonet Melville) • Jeannetta Arnette (Silver Melville) • Robert Joy (Offizier) • Alyssa Gainer (Bunny Quoyle) • Kaitlyn Gainer (Bunny Quoyle) • Lauren Gainer (Bunny Quoyle)

Produktion: Linda Goldstein Knowlton • Leslie Holleran • Irwin Winkler
Szenenbild: David Gropman
Kostümbild: Renee Ehrlich Kalfus
Kamera: Oliver Stapleton
Musik: Christopher Young
Schnitt: Andrew Mondshein


Bild: Concorde Filmverleih

1 customer review

befriedigend
28.03.02
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