Aviator

Kinoplakat Aviator

Das Leben von Howard Hughes (1905 bis 1976) ist einer der Stoffe, aus dem Hollywood Legenden strickt. Dank des ererbten Vermögens baute Hughes ein Imperium auf, zu dem eine eigene Filmproduktion, eine Fluglinie, Spielkasions und Hotels zählten. Dabei war er als Regisseur, Konstrukteur wie auch als Testpilot tätig.

Das Privatleben hielt mit dem finanziellen Glanz nicht mit: Die Beziehungen mit den Schauspielerinnen Katharine Hepburn und Ava Gardner zerbrachen. Die Folgeschäden von Flugunfällen ließen ihn drogenabhängig werden; eine panische Angst vor Bakterien gipfelte im Waschzwang und Schwerhörigkeit schnitt ihn von seinen Mitmenschen ab. In den letzten 18 Jahren seines Lebens spitzten sich die Dinge derartig zu, dass der Milliardär nur noch in abgedunkelten Hotelzimmern lebte, als Nahrung angeblich nur Eiscreme akzeptierte und ausschließlich per Telefon oder Brief kommunizierte. Genügend Grundlagen also für ein filmisches Epos.

Das Drehbuch nimmt für sein Biopic 20 Jahre aus Hughes' Leben heraus, konzentriert sich auf die Zeit des Aufstiegs und den Beginn der Vereinsamung. In den 1920er Jahren kommt Howard Hughes, gespielt von Leonardo DiCaprio, nach Hollywood und beginnt an seinem Film "Hell's Angels" zu arbeiten. Nach dreijähriger Drehzeit wird das mittlerweile totgeglaubte und von der Konkurrenz belächelte Projekt ein Kassenschlager. Weitere filmische Höhepunkte folgen, etwa "Scarface" und "The Outlaw".
Daneben begeistert sich Hughes als Flugzeugbauer und Testflieger. Eindrucksvoll inszeniert folgen Tüfteleien, Testflüge, Abstürze und Bruchlandungen. Verschwiegen wird im Film jedoch, dass Hughes bleibende Schäden davontrug und von den eingenommenen Schmerzmitteln süchtig wurde. Einige Quellen gehen soweit zu behaupten, er sei nicht an einem Herzinfarkt, sondern an einer Überdosis gestorben.

Von den aufgegriffenen Beziehungen wirkt die Liebe zu Katharine Hepburn am eindrucksvollsten, was an der brillanten Leistung von Cate Blanchett liegt, die ihren Kollegen in gemeinsamen Szenen regelmäßig in den Schatten stellt. Hingegen eher durchwachsen die Partnerschaft mit Ava Gardner, die damals als Sexbombe galt - was Kate Beckinsale ("Underworld") mit ihrer belanglosen Spielweise nur schwerlich vermittelt.
Leonardo DiCaprio wirkt als älterer Howard Hughes auf Grund seines jugendlichen Gesichts zwar eigenartig, aber insgesamt darf man sagen, er ist erwachsen geworden und trägt die Rolle. Insbesondere die Begeisterung sowie den Glauben an das Projekt verkörpert der Mime sehr glaubwürdig. Auch die Nebenrollen wurden, zum Beispiel mit Jude Law als Errol Flynn, gut besetzt.

Eingebettet ist die Handlung in verschiedene Epochen. Regisseur Martin Scorsese legt Wert darauf, die einzelnen Abschnitte des Films so wirken zu lassen, als seien sie in der damaligen Zeit entstanden. Die anfänglichen Bilder sind nicht nur laut und überfrachtet inszeniert, sondern die Farbe der Bilder, die Kostüme und das Make-up entstammen ebenfalls der Zeit. Frauen tragen einen knallroten Einheitslippenstift und gebleichte Haare gelten als der letzte Schrei. Mit der Zeit kehrt nicht nur etwas mehr Ruhe ein, auch die Farbtemperatur ändert sich.
Wenngleich der Film nicht ganz so plakativ ausfällt wie "Gangs of New York", mangelt es an subtilen leisen Tönen. Martin Scorsees Handschrift ist weiterhin sehr deutlich und legt Wert auf die Tragik. Die Gewichtung des Drehbuchs ist Geschmackssache. So darf DiCaprio in langen Passagen als Verwahrloster Selbstgespräche führen beziehungsweise schreien.

Die Krux des Films liegt vielleicht darin, dass Stars von heute nicht fiktive Figuren spielen, sondern Idole aus einer vergangen Ära. Die älteren Kollegen können sich noch an die Schlagzeilen über Howard Hughes erinnern, oder an den Skandal um den BH, den er für Jane Russel entwarf. Ihnen gefällt es weniger, dass die Jungchen von heute "ihre" Leinwandgrößen spielen. Ob die jungen Zuschauer noch für die Stars von damals ins Kino gehen, bleibt abzuwarten. Nicht zuletzt ergibt die Lauflänge von 170 Minuten zwar einen Film ohne Längen, aber trotzdem ein zu langes Werk.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Original Filmtitel: The Aviator
Land: USA
Jahr: 2004
Laufzeit ca.: 170
Genre: BiografieDramaHistorie
Verleih: Buena Vista
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 20.01.2005
Heimkino: 09.06.2005

Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: John Logan

Schauspieler: Leonardo DiCaprio (Howard Hughes) • Cate Blanchett (Katharine Hepburn) • Kate Beckinsale (Ava Gardner) • John C. Reilly (Noah Dietrich) • Alec Baldwin (Juan Trippe) • Jude Law (Errol Flynn) • Alan Alda (Sen. Ralph Owen Brewster) • Ian Holm (Professor Fitz) • Danny Huston (Jack Frye) • Gwen Stefani (Jean Harlow) • Adam Scott (Johnny Meyer) • Matt Ross (Glenn Odekirk) • Kelli Garner (Faith Domergue) • Frances Conroy (Mrs. Hepburn) • Brent Spiner (Robert Gross)

Produktion: Sandy Climan • Matthias Deyle • Charles Evans Jr. • Graham King • Michael Mann
Szenenbild: Dante Ferretti
Kostümbild: Sandy Powell
Maskenbild: Morag Ross
Kamera: Robert Richardson
Musik: Howard Shore
Schnitt: Thelma Schoonmaker


Bilder: Buena Vista

vorgeschlagen

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen