The Fall

Kinoplakat The Fall

Als Kinder liebten wir ein Sonntags-Ritual. Noch bevor unsere Eltern aufstanden, schlüpften wir zu ihnen ins Bett und unser Vater erzählte uns eine Geschichte. Er liebte es von den Nibelungen zu erzählen. Ähnlich verfährt Tarsem Singh in seinem Film "The Fall".

Im Amerika der Stummfilmzeit treffen der verletzte Stuntman Roy Walker (Lee Pace) und das fünfjährige Mädchen Alexandria (Catinca Untaru) in einem Krankenhaus aufeinander. Wie es scheint, ist Roy ans Bett gefesselt und gelangweilt. Deshalb ersinnt er für Alexandria eine Geschichte. Sie beginnt mit Alexander dem Großen und wird dann von einer anderen Erzählung abgelöst. Darin haben fünf Männer denselben Erzfeind und halten auf ihrem Rachefeldzug zusammen.

Je länger die Erzählung andauert, desto mehr Wendungen nimmt sie; Alexandria besteht dann auf Änderungen, wenn ihr die Geschehnisse nicht gefallen und nach und nach ändert sich auch Roys Motivation die Geschichte fortzuspinnen. Aus der anfänglichen Freude am Erzählen werden ein Handel und später Vergangenheitsbewältigung.

Kritik

Den Inhalt der Geschichte, die einen von zwei Handlungssträngen des Films ausmacht, möchte ich an dieser Stelle nur verkürzt wiedergeben. Es ist ein in der Fantasie gesponnenes Rache-Drama. Tarsem Singh setzt dabei auf eine Mischung aus Bildern und Emotionen. Die sehr farbenfrohen Erlebnisse der fünf Abenteurer sind kein Kindermärchen, denn es geht hier (wie im klassischen Märchen auch) stellenweise sehr brutal zu. Die behandelten Emotionen sind unter anderem Liebe und Hass, Rache und Todesangst.

Den zweiten Handlungsstrang bilden Roy und Alexandria in der Realität. Der Zuschauer erfährt von Roys wahrer Erkrankung und von Alexandrias hartem Schicksal. Denn obwohl sie noch ein Kind ist, muss sie als Einwanderin auf einer Plantage Orangen pflücken.

Der Film erlaubt sich Schwächen. Einige Fehler sind ärgerlich, weil aus Schlampigkeit entstanden. So ist etwa die Lunte einer Ladung Dynamit vor dem Durchqueren einer Tür nahezu abgebrannt und nach dem Durchschreiten wieder frisch angezündet. Die Achillesferse des Films dürften weniger seine nicht immer stilsicheren Dialoge und Anschlussfehler sein, als vielmehr die Lust am Fabulieren. Singh erzählt eine Geschichte, die so fantastisch ausfällt, dass viele andere Fantasyfilme sich eine Scheibe davon abschneiden könnten und "The Fall" verlöre nichts von seinem Glanz. Seine Figuren entspringen nicht der Realität, sondern sind überhöhte Inbegriffe. Ähnlich wie bei einer Oper kommt es weniger auf den Charakter der Figur an, als vielmehr auf das, was sie verkörpert. Und selbst die Handlung ordnet sich dem Epischen unter. Zuschauer die also eine klassische Handlung erwarten nach dem Motto: Der Held rettet die entführte Prinzessin, könnten von dem Film enttäuscht werden.

Fazit
Ja, der Film hat seine Schwächen, die für mich nur zweitrangig sind, denn hier bin ich gerne wieder Kind und lasse mich von den Bildern verzaubern.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %


Land: GroßbritannienIndienUSA
Jahr: 2006
Laufzeit ca.: 116
Genre: AbenteuerActionDramaFantasyKomödieMärchen
Verleih: capelight pictures
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 05.03.2009
Heimkino: 29.01.2010

Regie: Tarsem Singh
Drehbuch: Dan Gilroy • Nico Soultanakis • Tarsem Singh

Schauspieler: Lee Pace (Roy Walker / Schwarzer Bandit) • Catinca Untaru (Alexandria) • Justine Waddell (Schwester Evelyn) • Kim Uylenbroek (Doktor / Alexander der Große) • Aiden Lithgow (Alexanders Bote) • Leo Bill (Darwin / Pfleger) • Daniel Caltagirone (Sinclair / Gouverneur Odious) • Julian Bleach (Mystic / Orangenpflücker) • Sean Gilder (Walt Purdy) • Ronald France (Otto) • Andrew Roussouw (Mr. Sabatini) • Michael Huff (Dr. Whitaker) • Grant Brett Swanby (Vater Augustine) • Emil Hostina (Alexandrias Vater / Bandit) • Robin Smith (Luigi / Einbeiniger Schauspieler)

Produktion: Tarsem Singh
Szenenbild: Ged Clarke
Kostümbild: Eiko Ishioka
Maskenbild: Leon von Solms
Kamera: Colin Watkinson
Musik: Krishna Levy
Schnitt: Robert Duffy


Bild: capelight pictures

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