The Hole in the Ground

Kinoplakat The Hole in the Ground

Die Flucht vor dem Ex-Mann treibt Sarah mit ihrem Sohn in ein ablegendes Haus. Doch die Idylle trügt. Auch hier ist es nicht sicher, weil ein gesichtsloses Grauen nach Chris greift.

"The Hole in the Ground" beginnt wie viele Horrorfilme mit einem Umzug. Sarah hat ihren Ehemann verlassen und sucht gemeinsam mit Sohn Chris (Christopher) ein neues Zuhause. Das findet sie in der Einöde Irlands in einem alten Haus. Nicht weit davon entfernt beginnt der Wald, der eine Überraschung bereithält. Ein großer, kreisrunder Krater im Boden, von dem etwas Seltsames ausgeht, was Sarah beim Ersten Hingucken spürt. Chris ist weniger befangen, kämpft mit den Problemen des Umzugs und der Situation an der neuen Schule. Die neuen Nachbarn sind seltsam. Da gibt es beispielsweise eine geistig verwirrte alte Frau, die ihn zu attackieren versucht. Nach einer gewissen Zeit springt das Grauen auf Chris über. Der Arzt versucht Sarah damit zu beruhigen, dass sie eine Angststörung hat. Doch für sie ist Chris plötzlich nicht mehr ihr Sohn.

Kritik

Der Film "The Hole in the Ground" greift einige Wochen aus dem Leben einer jungen Mutter und ihrem Sohn heraus. Sarah ist auf der Flucht und versucht das vor Christopher zu verbergen. Woran ihre Ehe gescheitert ist, erfährt der Zuschauer nicht. Das ist letzten Endes zu verschmerzen. Schwerer wiegt, dass entscheidende Punkte offen oder schwammig bleiben. Die Handlung ist in vielen Gesichtspunkten wie ein Horrorfilm gehalten ohne in offenen Horror überzugehen. Vielmehr möchte der Film dem Zuschauer ein mulmiges Gefühl vermitteln. Dazu knarrt das alte Haus insbesondere in der Nacht. Türen schlagen im Wind. Der Wald ist bleiern und unterschwellig bedrohlich.

Das Grauen zieht sehr langsam herauf. Zunächst sind Sarahs Angstzustände kaum nachvollziehbar. Sie läuft durch den Wald und die Kamera hält auf einen Baum zu, die Musik steigert sich ins Dramatische. Dann erfolgt ein musikalischer Paukenschlag und die Kamera zeigt die Nahaufnahme eines gewöhnlichen Baumstamms. Wer erwartet, dass hinter dem Baum etwas Grauenvolles hervorspringt, geht leer aus. Das ist einer von mehreren Momenten, in dem die Musik eine andere Geschichte erzählt als die Optik. Eine Zeitlang ist unklar, ob das Geschehen aus Sarahs überspannten Nerven resultiert oder wirklich unerklärbare Dinge vor sich gehen. Anschließend folgen eindeutigere Szenen, Klartext spricht die Handlung auch jetzt nicht.

Die Absicht des Films liegt darin Spannung durch Ungewissheit zu erzeugen. Doch das ist unausgegoren. So flechtet die Handlung die Nebenstränge nicht gut ein. Die meiste Zeit des Tages verbringt Sarah mit der Renovierung des alten Hauses. Sie geht einer Arbeit nach und ist fast nie auf der Arbeitsstätte zu sehen. Ihre Arbeitskollegen dienen in erster Linie dazu Hintergründe aufzuzeigen. Beziehungen baut sie zu ihnen nicht auf.
Neben den Handlungssträngen, die bewusst offen bleiben, gibt es welche, die vielleicht versehentlich nicht abgeschlossen werden. Der rätselhafte Tod der geistesgestörten Nachbarin bleibt ohne Aufklärung. Den eindeutigen Beweis, den Sarah mit versteckter Kamera aufgenommen hat, zeigt der Film nicht. Seltsam ist: Die Hauptdarstellerin holt die Speicherkarte aus der Digitalkamera und damit endet der Handlungsstrang. Die Verbindung zu dem Krater erfolgt erst spät und ist mit ihrer Symbolik von Geburtskanal und Geburtsöffnung dick aufgetragen. Wer letztlich den Krater verursacht hat und worin das Ziel der Verursacher besteht, bleibt ein Rätsel und somit der Plot des Ganzen.

Handwerklich ist der Film "The Hole in the Ground" nicht gut umgesetzt. Die Handschrift trägt gerne auf. Die Türen des Hauses knarzen ohrenbetäubend und die Filmmusik übertreibt. Seána Kerslake ist in der Rolle der jungen Mutter sichtlich bemüht ihre Ängste auszudrücken. Es ist schwer zu beurteilen, ob ihr interpretationsfähiger Gesichtsausdruck gewollt ist? Fakt ist, dass sie kaum Variation in ihr Schauspiel bringt. Einige Umstände verwundern. Zunächst hat Christopher Bärenkräfte. Später gelingt es ihm nicht die Kellertür aufzubrechen. Und den Werkzeugkasten im Keller, den die Kamera so ausdrücklich präsentiert, bemerkt er offensichtlich nicht.

Fazit
Der Besuch auf dem Rummelplatz verspricht durch den Namen der Geisterbahn (Road to Hell) vieles. Leider ist das, was folgt dürftig. Der Film will den Zuschauer im Ungewissen lassen und das gelingt zunächst gut. Im Ergebnis erzählt er jedoch keine Geschichte und bietet keine Theorie an, die erläutert, was passiert ist. Ich werfe dem Film nicht vor, dass er ein bekanntes Thema nutzt. Was ich vermisse, ist eine Bereicherung des Themas. Der Zuschauer muss davon begeistert sein einer Bildergeschichte für Erwachsene zu folgen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Land: BelgienFinnlandIrland
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 91
Genre: MysterySpannung
Verleih: Weltkino
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 02.05.2019
Heimkino: 13.09.2019

Regie: Lee Cronin
Drehbuch: Lee Cronin • Stephen Shields • Seána Kerslake • James Quinn Markey

Schauspieler: Seána Kerslake (Sarah O'Neill) • James Quinn Markey (Chris O'Neill) • Simone Kirby (Louise Caul) • Steve Wall (Rob Caul) • Eoin Macken (Jay Caul) • Sarah Hanly (Lil Jones) • James Cosmo (Des Brady) • Kati Outinen (Noreen Brady) • Bennett Andrew (Doktor) • David Crowley (Lehrer) • John Quinn (Detective) • Stevie Greaney (Perent)

Produktion: John Keville • Conor Barry
Szenenbild: Conor Dennison
Kostümbild: Saija Siekkinen
Maskenbild: Salla Yli-Luopa
Kamera: Tom Comerford
Musik: Stephen McKeon
Schnitt: Colin Campbell


Bild: Weltkino

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