The Kindness of Strangers

Kinoplakat The Kindness of Strangers

Clara begeht eine Verzweiflungstat. Sie reißt mit den Kindern aus ihrer Ehe aus und sucht ihr Heil in der Flucht. Dabei ist sie auf Hilfe angewiesen und erfährt the Kindness of Strangers, denn selbst in einer Großstadt gibt es mitfühlende Menschen.

Clara hat ihren prügelnden Ehemann satt und flieht mit den Söhnen nach Manhattan. Dort wird sie irgendwo Hilfe finden. Doch die Idee war schlecht durchdacht, denn ihr Schwiegervater weist ihr sofort die Tür und einen anderen Einfall hat Clara nicht.

Derweil gelingt es Jeff jeden noch seinen einfachen Job zu vermasseln und entlassen zu werden. Am Ende ist er obdachlos und lernt Alice kennen, die tagsüber als Krankenschwester arbeitet und nach Feierabend wohltätigen Jobs nachgeht. Sie leitet unter anderem eine Selbsthilfegruppe, die auch Marc gemeinsam mit seinem Anwalt John Peter besucht. Marc ist frisch aus dem Gefängnis entlassen und ergattert zufällig den Job als Restaurantleiter in Timofeys schlecht laufendem Restaurant. Dort geht auch Alice gerne essen und hier laufen die Fäden lose zusammen.

Hauptsächlich ist Clara in Manhattan unterwegs und versucht durchzukommen. Sie lernt dabei Alice kennen, die in einer Suppenküche Essen ausgibt, in der auch Jeff gestrandet ist. Das Restaurant sucht Clara zufällig auf und lernt dabei Marc kennen. Der ist sofort angetan von ihr – doch Clara ist auf der Flucht.

Kritik

"The Kindness of Strangers" beginnt wie ein Episodenfilm. Verschiedene Figuren werden vorgestellt und bekommen Schnittpunkte. Mit der Zeit fällt auf, dass manche Geschichten fast keinen Ausbau erfahren. Clara ist nach kurzer Zeit die Hauptperson und vom Episodenfilm kippt die Handlung in ein Sozialdrama. Auf einen Ausbau der Lebensgeschichten verzichtet es, selbst die Hauptrolle bleibt eine Nebenrolle. Wobei Claras Herangehensweise schwer nachvollziehbar ist. Sie flieht nachts mit den Kindern, geht das Risiko ein, den Mann zu wecken. Einen durchdachten Plan oder ausreichend Geld hat Clara nicht. Die restlichen Figuren werden stiefmütterlich behandelt: Jeff, Timofey und Marc sind Randfiguren. Damit bleibt die Handlung unentschlossen, mit unklarem Genre und angerissenen Lebensläufen.

Eine klare Linie fehlt auch der Dramaturgie, die keinen Höhepunkt setzt, sondern dahin plätschert. Die Aussage des Ganzen könnte ein Plädoyer für mehr Nächstenliebe sein. Das erklärt reichlich naive Szenen mit eigenwilligen Entscheidungen. Ein Beispiel ist die Einstellung des neuen Restaurantleiters. Ein Gast hat gespeist und sagt, die Suppe schmeckt schlecht. Das reicht dem Besitzer des Restaurants als Qualifikation, Zeugnisse werden nicht verlangt und frisch aus dem Gefängnis entlassen zu sein ist kein Hinderungsgrund. Es reicht die Behauptung, er könne das Restaurant leiten. Alles in allem ist die Gewichtung der Geschichte ungeschickt. Worunter auch die aufgesetzten Paarbildungen fallen. Weil es in einem warmherzigen Film vorkommen muss, finden Mann und Frau einander. Wobei in beiden Fällen unklar bleibt, worin die Anziehung besteht.

In Gesprächen erzählt Clara Bröckchen aus ihrer Vergangenheit. Den richtigen Zeitpunkt passt sie dazu ebenso wenig ab wie den Gesprächspartner. Selbst ihre Kinder bekommen Erstaunliches zu hören. Clara wurde von ihrem Ehemann verprügelt. Und auch die Kinder schildern, wie der Vater sie geschlagen hat oder den älteren Sohn gezwungen, den jüngeren zu misshandeln. Auf dem Computer hat der Vater Bilder von gefolterten Menschen, die der Sohn gesehen hat. Diese dick aufgetragenen Schilderungen führen jedoch nicht zu einer dichten Geschichte, weil sie unglaubwürdig sind und aufgesagt. Ähnliches gilt für die gespielte Härte. Als der Ehemann die Familie aufspürt, muss der junge Sohn erbrechen. Solche Darstelllungen nutzen der Handlung nicht, weil sie hilflos und aufgesetzt sind.

Die Stilmittel des Films sind lästig. Die meiste Zeit hetzen die Figuren durch die Handlung und wiederholen. Alice steht unter Dauerspannung, ständig zwischen ihren Jobs unterwegs. Wiederholt sagt sie, sie sei auf dem Sprung ins Krankenhaus und trägt bereits ihren Kittel, warum sie im Restaurant den Mantel nicht auszieht. Die Selbsthilfegruppe tagt mehrfach und vermittelt dem Zuschauer nur, dass sie auf der Stelle tritt. Clara klaut mehrmals Nahrung für ihre Kinder. Ein anderes Stilmittel ist der religiöse Unterton. Das Thema der Selbsthilfegruppe ist Vergebung. Alice ist eine klassische Märtyrerin.
Überzeugen kann "The Kindness of Strangers" mit seinem Stil auch deshalb nicht, weil der schwankt. Als Gegengewicht zum schweren Schicksal setzt der Film die guten Szenen. In einer hat Clara unter dem Piano des Restaurants geschlafen. Am Morgen serviert Marc ihr ein Frühstück – stilecht auf dem Boden. Und das, obwohl er die Fremde gar nicht kennt. Derart wechselt der Film zwischen versuchtem Realismus und Wunschdenken. Allerdings bleibt beides gestellt.

Angesichts der genannten Schwächen bleibt die Frage, ob die Schauspieler das Ganze sehenswert machen? Nun, die bemühte Handlung gleichen die Schauspieler nicht aus, weil sie zu wenig darstellende Kunst bieten. Andrea Riseborough bestreitet den Film mit möglichst wenigen Gesichtsausdrücken. Ebenso Zoe Kazan, die dazu neigt unmotiviert zu grinsen. Bill Nighy ringt damit seiner Statistenrolle etwas abzutrotzen.

Fazit
Schade. Der Film "The Kindness of Strangers" ist nicht durchdacht. Der naive Plot leidet unter handwerklichen Schwächen, schwankt zwischen Sozialdrama und Märchen. Die Dramaturgie weiß nicht, ob sie ein Episodenfilm oder personenzentriert sein will. Die erkennbar guten Absichten unterliegen.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Alternativtitel: The Kindness of Strangers – Kleine Wunder unter Fremden
Land: DänemarkDeutschlandFrankreichGroßbritannienKanadaSchwedenUSA
Jahr: 2019
Laufzeit ca.: 114
Genre: Drama
Verleih: Alamode Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 12.12.2019

Regie: Lone Scherfig
Drehbuch: Lone Scherfig

Schauspieler: Andrea Riseborough (Alice) • Bill Nighy (Timofey) • Jay Baruchel (John Peter) • Zoe Kazan (Clara) • Caleb Landry Jones (Jeff) • David Dencik (Lars) • Tahar Rahim (Marc) • Samantha Wan (Rezeptionistin) • Esben Smed (Richard) • Daniel Kash (Jeffs Gastgeber) • Lisa Codrington (Bonnie) • Jack Fulton (Anthony)

Produktion: Malene Blenkov • Sandra Cunningham
Szenenbild: Carol Spier
Kostümbild: Louize Nissen
Maskenbild: Sarah Craig
Kamera: Sebastian Blenkov
Musik: Andrew Lockington
Schnitt: Cam McLauchlin


Bild: Alamode Film

1 customer review

ausreichend
11.11.19
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