The Rite - Das Ritual

Kinoplakat The Rite Das Ritual

Glauben kann man nur solange, bis man Dinge weiß. Nach diesem Motto verfährt Vater Xavier als er den zweifelnden Priesterseminaristen Michael zu Vater Lucas in die Lehre schickt.

Der ist zwar etwas unorthodox in seinen Methoden, hat dafür allerdings eine lange Erfolgsstatistik vorzuweisen. Bei ihm soll Michael (Colin O'Donoghue) in der Praxis nicht nur das Handwerk eines Exorzisten erlernen, sondern auch vom rechten Glauben überzeugt werden.

Michael fügt sich widerstrebend in seine Berufung und geht verkopft an die Sache heran. Er sieht zwar - doch er will nicht glauben, dass Mächte wie der Teufel oder Dämonen am Werk sind, sondern sucht nach schulmedizinischen Erklärungen. Mit Schuldgefühlen, unterdrücktem Hass und Ablehnung kann er einiges erklären, doch eben nicht alles. Und als ein Dämon ihm eine sehr persönliche Ankündigung macht, schlägt Michaels Zweifel in Gewissheit um: Er beginnt an die Existenz des Teufels zu glauben.

Kritik

Das an "The Rite - Das Ritual" ist, dass der Film auf psychologischen Horror setzt. Der Dämon versucht die Menschen bei ihren Schwächen zu packen. Und er hat selbst bei einem alten Hasen Erfolg: Anthony Hopkins als Vater Lucas zeigt Momente der Schwäche und des Zweifels. Leider traut das Drehbuch seiner eigenen Idee nicht und versucht auch den Anspruch nach Horror zu befriedigen. Dementsprechend werden die anfänglich zahmen Rituale dramatischer und zeigen später das, was in Filmen zum Thema Exorzismus üblicherweise gezeigt wird.

Die Darsteller bleiben nicht ohne Kritik: Anthony Hopkins nimmt die Herausforderungen seiner Rolle dankend an und zieht in einigen Szenen derartig vom Leder, dass es nur noch wenig Spaß macht ihm beim Übertreiben zuzusehen. Das Gegenteil trifft auf seinen Kollegen Colin O'Donoghue zu. Er ist für die Rolle des Zweiflers gut ausgesucht. Kein Womanizer und doch fast zu attraktiv für den Zölibat. Man könnte gut mit ihm mitfühlen - wenn er mehr zeigen würde, als ständig nur mit bleichem Gesicht in die Kamera zu schauen. Kurz: In dem Maße in dem Anthony Hopkins zu dick aufträgt, zeigt Colin O'Donoghue zu wenig.

Eine weitere Schwäche betrifft die Lauflänge des Films. Mit annähernd zwei Stunden ist die Handlung arg ausgebreitet und kämpft mit einigen Durchhängern; zumal wenig passiert, was man nicht vorausahnt. Auffällig ist die Haltung der katholischen Kirche gegenüber. Obwohl es im Film oft um Zweifel geht, wird die katholische Kirche in keinster Weise infrage gestellt. Auch die Fragestellung, ob Exorzismus eine Daseinsberechtigung hat, wird nicht behandelt. Um Missverständnisse zu vermeiden: Für mich geht das in Ordnung, denn es handelt sich um einen Film und nicht um eine Grundsatzdiskussion.

Handwerklich ist der Film solide gemacht. Die Kameraführung gibt kaum Grund zum Meckern. Einige Bilder versprechen allerdings im ersten Moment mehr, als sie im zweiten Moment halten. So erweckt etwa die Leichenwäscherei zu Filmbeginn den Anschein, dass gleich etwas ganz Furchtbares geschieht. Doch dann passiert nichts in der Richtung. Vielmehr geht die Handlung ruhig dahin und spitzt sich bis zum finalen Exorzismus zu.

Fazit
Der Film "The Rite - Das Ritual" fällt widersprüchlich aus. Anthony Hopkins geht als Verkaufsargument in Ordnung und seine Fans kommen auf ihr Kosten. Allerdings zeigt der Mime keine neue Seite von sich. Der psychologische Aspekt gefällt, aber der Film vertraut nicht darauf. Es gibt Potenzial, das nicht ausgeschöpft ist. Die handwerklichen Aspekte sind solide, doch es fehlt an Alleinstellungsmerkmalen. Für Fans von klassischem Horror und viel Filmblut ist "The Rite - Das Ritual" kein Tipp. Wer es eher ruhig und gepflegt mag, kann sich mit dem Film wahrscheinlich anfreunden.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: The Rite
Land: USA
Jahr: 2010
Laufzeit ca.: 113
Genre: DramaHorrorMysteryThriller
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 17.03.2011
Heimkino: 15.07.2011

Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Michael Petroni
Literaturvorlage: Matt Baglio

Schauspieler: Anthony Hopkins (Vater Lucas Trevant) • Colin O'Donoghue (Michael Kovak) • Alice Braga (Angeline) • Ciarán Hinds (Vater Xavier) • Toby Jones (Vater Matthew) • Rutger Hauer (Istvan Kovak) • Marta Gastini (Rosaria) • Maria Grazia Cucinotta (Tante Andria) • Arianna Veronesi (Francesca) • Andrea Calligari (Vincenzo) • Chris Marquette (Eddie) • Torrey DeVitto (Nina)

Produktion: Beau Flynn • Tripp Vinson
Szenenbild: Andrew Laws
Kostümbild: Carlo Poggioli
Maskenbild: Trefor Proud
Kamera: Ben Davis
Musik: Alex Heffes
Schnitt: David Rosenbloom


Bild: Warner Bros.

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