Twilight - Biss zum Morgengrauen

Kinoplakat Twilight Biss zum Morgengrauen

Vampire sterben unter fließendem Wasser oder Sonnenlicht. Sie fallen über Menschen her und saugen ihnen das Blut aus. Das war einmal. Moderne Vampire leben nicht von den Menschen sondern mit ihnen. Aber die Liebe zwischen einem Untoten und einer Sterblichen ist nach wie vor eine Gratwanderung.

Bella Swann (Kristen Stewart) ist gerade vom sonnigen Arizona an die trübe Nordwestküste der USA gezogen. In der Schule ist sie zunächst die Neue und weckt damit nicht nur das Interesse der Schülerzeitung, sondern auch das des seltsamen Mitschülers Edward (Robert Pattison). Der anfangs zwischen Anziehung und Abstoßung hin- und hergerissen ist. Doch Bella stellt bald fest, dass Edward und seine Familie ein Geheimnis umgibt: sie sind Vampire. Darauf folgt die Frage, ob es eigentlich überhaupt möglich ist einen Vampir zu lieben beziehungsweise, ob ein Vampir eine Sterbliche lieben kann.

Kritik

Dem Film "Twilight - Biss zum Morgengrauen" kann ich nicht viel abgewinnen. Hier geht es um die Schwierigkeiten der ersten Liebe, die dadurch erschwert wird, dass Bellas Objekt der Anziehung ein Vampir ist. Was sie an dem bleichen Jungen findet, der immer aussieht, als sei er einer Werbung für Haarpflegeprodukte entsprungen, bleibt mir unklar. Edward muss eigentlich nicht mehr tun, als einfach etwas anders zu sein als die anderen, um das unerfahrene, junge Huhn zu beeindrucken. Eine besondere Aura hat er nicht.

Als Vampir besitzt er übermenschliche Fähigkeiten: Kann ganz weit springen, fliegen oder klettert wie ein Eichhörnchen auf einen Baum; wobei er Bella huckepack trägt. Damit er menschliche Opfer anlocken kann, glitzert seine Haut im Sonnenlicht. Doch diese Spielereien kommen erst nach der ersten Annäherung zum Tragen. Und sein Geheimnis dient ebenfalls kaum der Anziehung, denn es zu entschlüsseln geschieht so einfach, dass es kein Geheimnis ist und es verwundert, weshalb die restlichen Bewohner des Dorfes nicht Bescheid wissen. Aber vielleicht ist es auch nicht nur unter den Indianern ein offenes Geheimnis? Dann wäre es interessant zu erfahren, weshalb die restlichen Dorfbewohner die Vampire tolerieren? Um tiefer gehende Fragen macht die Handlung jedoch einen großen Bogen.

Zurück zu Bella. Die ist von dem Jungen, der eigentlich ein reifer Mann ist, aber jung aussieht, weil er nicht altert, magisch angezogen. Ein Verhalten, das ihrem Alter sicherlich entspricht. Edward hingegen ist nicht nur das reifere Wesen, er ist auch der Part der Beziehung, der sich stets kontrollieren muss, damit er nicht über Bella herfällt und ihr das Blut aussaugt. Damit würde Bella zur Vampirin - aber genau das will Edward verhindern, weil er sich selbst für ein Monster hält. Die einzige Begründung dafür, die mir im Gedächtnis blieb, lautet sinngemäß, er habe Menschen getötet. Aktuell aber machen Edward und seine Familie einen ganz anderen Eindruck. Sie leben als Bilderbuch-Bildungsbürger in einem schönen Haus. Der Vater ist Arzt. Die Mutter Hausfrau und Mutter (nein, ist ein Scherz). Keine Ahnung, ob die Mutter einen Beruf hat. Fakt ist, die Vampire sind unheimlich nett und anständig. Sie saugen keinem Menschen das Blut aus, sondern ernähren sich nur von Tieren. Sie sind sozusagen die Vegetarier unter den Vampiren und zahlen den Preis, dass sie immer unbefriedigt bleiben, weil nur das Aussaugen eines Menschen einen Rausch erzeugt. Und so kommt eine interessante Komponente ins Spiel. Ersetzt man Vampirismus durch Sexualität, wäre es eine ausgesprochen prüde Familie, die Verzicht übt. Edward wäre dann nicht heroisch. Er wäre ein reifer Mann, der weiß, was er tut, aber zögert Bella sexuell zur Frau zu machen. Was allerdings an Sex so schlimm ist, verstehe ich nicht.

Die nächste Frage lautet: Was will Edward von der so viel jüngeren Bella? Er verrät sein Alter nur indirekt. Sagt, er wäre an der spanischen Grippe gestorben, hätte man ihn nicht zum Vampir gemacht. Nehmen wir an, es geschah so um 1920. Wäre er damals 17 gewesen, dann entspräche sein Alter nach menschlichem Ermessen heute 106 Jahre. Folglich ist er entweder selbst sehr jung geblieben oder einfach geistig nicht gereift, denn er begehrt eine 17-jährige, die sich ihrem Alter entsprechend benimmt.
Eine zweite Erklärung für das seltsame Drehbuch fällt weniger interessant aus. Die Autorin der Romane hat einfache Lösungen gesucht. Auch so erklärt sich, warum das Thema Vampirismus im Film so eigenartig behandelt wird. Aufgehübscht wird die Lovestory durch eine kurze Actioneinlage. Diese Sequenz ist allerdings so kurz, dass sie dem Film nicht zugutekommt. Zunächst kündigt sich das Grauen durch zwei Todesfälle an. Ein böses Vampirtrio ist in das Territorium der Guten eingefallen. Eine Konfrontation scheint unausweichlich. Doch dann sind die Bösen für längere Zeit vergessen. Bella und die gute Vampirfamilie spielen gerade friedlich Baseball, als die bösen Vampire auf sie treffen. Einer von ihnen riecht Bellas Menschlichkeit und es kommt ihm in den Sinn, sie auszusaugen. Es folgt ein kurzes Katz- und Mausspiel, bei dem Bella vollkommen idiotisch handelt. Zudem taucht wieder die Frage auf, weshalb Edward Bella nicht zur Vampirin macht und die kopflose Flucht beendet, ehe sie beginnt? Wie dem auch sei. Die Guten siegen und der Böse bekommt seine gerechte Strafe. Edward muss sich nochmals entscheiden, ob er die angebissene Bella mutieren lässt oder ihr Blut reinigt. Ähnlich wie bei einem Schlangenbiss saugt er das injizierte Gift aus und Bella bleibt menschlich. Somit stehen sie immer noch nicht auf einer Stufe. Aber der Vampir führt seine Geliebte auf den Schulball und sie tanzen - und kann es ein schöneres Happy End geben?

Zu den Darstellern gibt es wenig zu sagen. Die Hauptdarsteller lassen viel Spielraum, um etwas in sie zu interpretieren. Das kann Absicht sein. Beurteilen will ich das nicht.

Fazit
Die Geschichte hätte ein Plädoyer für Toleranz sein können. Doch damit hat die Handlung nichts im Sinn, denn es bleibt bei einer hölzernen, kindlichen Lovestory, die stellenweise unfreiwillig komisch ist. Spektakuläre Tricks gibt es nicht. Die teils grässlichen Dialoge, das alberne Make-up und die insgesamt sehr prüde Handlung sprechen nicht für "Twilight - Biss zum Morgengrauen".
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Original Filmtitel: Twilight
Land: USA
Jahr: 2008
Laufzeit ca.: 122
Genre: FantasyRomantikVampire
Stichwort: Twilight
Verleih: Concorde Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 15.01.2009
Heimkino: 10.06.2009

Regie: Catherine Hardwicke
Drehbuch: Melissa Rosenberg
Literaturvorlage: Stephenie Meyer

Schauspieler: Kristen Stewart (Bella Swan) • Robert Pattinson (Edward Cullen) • Billy Burke (Charlie Swan) • Ashley Greene (Alice Cullen) • Nikki Reed (Rosalie Cullen) • Jackson Rathbone (Jasper Cullen) • Kellan Lutz (Emmet Cullen) • Peter Facinelli (Dr. Carlisle Cullen) • Cam Gigandet (James) • Taylor Lautner (Jacob Black) • Anna Kendrick (Jessica) • Michael Welch (Mike Newton)

Produktion: Wyck Godfrey • Mark Morgan • Greg Mooradian
Szenenbild: Christopher L. Brown • Ian Phillips
Kostümbild: Wendy Chuck
Maskenbild: Jeanne Van Phue
Kamera: Elliot Davis
Musik: Carter Burwell
Schnitt: Nancy Richardson


Bild: Concorde Filmverleih

vorgeschlagen

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen