Venus im Pelz

Kinoplakat Venus im Pelz

Manchmal sind die Dinge nicht so, wie sie zunächst scheinen. In einem heruntergekommenen Theater findet ein Vorsprechen statt mit klar verteilten Rollen. Einer gibt die Anweisungen, der andere muss sie ausführen. Doch dieses Mal werden die Rollen getauscht und umgedreht.

Als Vanda (Emmanuelle Seigner) zum Vorsprechen in einem kleinen, miesen Theater auftaucht, ist Autor und Regisseur Thomas (Mathieu Almaric) zunächst wenig angetan. Vanda entspricht seiner Vorstellung der Idealbesetzung ganz und gar nicht. Zudem hält sie das Stück, das Thomas adaptierte, für sexistisch und pornografisch. Und nur mit sanfter Gewalt gelingt es ihr, überhaupt für die Rolle vorsprechen zu dürfen.
Es dauert nicht lange und Vanda hat Thomas gepackt. Sie ist die Traumbesetzung! Mehr noch: Thomas ist nicht nur von dem fasziniert, was sie ihm vorspielt, Vanda zieht ihn in ihren Bann, trotz ihrer eigenwilligen Art. Die Grenzen zwischen einer Theaterprobe und der Realität beginnen zu verschwimmen. Aus dem Spiel wird Versuchung.

Kritik

Die Verfilmung des Theaterstücks von David Ives, das sich auf einen Roman von Sacher-Masoch stützt, nutzt eine räumlich stark begrenzte Kulisse und bringt zwei Darsteller auf die Leinwand. Das scheint arg begrenzt - doch auf Dauer lässt der Genrefilm die Grenzen des verfilmten Theaters vergessen.
Der Aufbau ähnelt dem einer Zwiebel. Je länger das Spiel andauert, desto weiter dringt es gen Kern vor und legt immer wieder neue Aspekte frei. Es ist ein Wechselspiel, bei dem eine von zwei Rollen für kurze Hand die Oberhand hat. Mal ist es der Mann, mal ist es die Frau. Beide unterwerfen sich, um kurz darauf zu dominieren. Dadurch ist es ein Kräftemessen, bei dem die Partner versuchen, den anderen psychologisch zu deuten. Oder anders gesprochen steht es aufgrund der Reduktion auf zwei Rollen für den gern zitierten Geschlechterkampf. Außerdem ist es ein Rätselspiel, denn nach und nach kommen immer neue Details ans Licht.

Die Darsteller verkörpern ihre Rollen gut. Emmanuelle Seigner gelingt die Vielschichtigkeit der Vanda gut. Auch die Brüche ihrer Rolle überzeugen. Mathieu Almaric passt gut in die Rolle der leicht verschrobenen Künstlernatur mit Hintergedanken. Nicht zuletzt hat die Regie von Roman Polanski ihren Anteil am Gelingen dieses filmischen Streichs.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %


Original Filmtitel: La Vénus à la fourrure
Land: FrankreichPolen
Jahr: 2013
Laufzeit ca.: 96
Genre: Spielfilm
Verleih: Prokino
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 21.11.2013
Heimkino: 28.03.2014

Regie: Roman Polanski
Drehbuch: David Ives • Roman Polanski

Schauspieler: Emmanuelle Seigner (Vanda) • Mathieu Amalric (Thomas)

Produktion: Robert Benmussa • Alain Sarde
Szenenbild: Jean Rabasse
Kostümbild: Dinah Collin
Maskenbild: Didier Lavergne
Kamera: Pawel Edelman
Ton: Lucien Balibar
Musik: Alexandre Desplat
Schnitt: Margot Meynier • Herve De Luze


Bild: Prokino

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