Whalefall

Kinoplakat Whalefall

Die Entscheidung fällt aus unterschiedlichen Gründen. Oft bedarf es Leidensdrucks, damit Menschen sich Problemen öffnen. Im Fall von Jay ist der besonders groß und ungewöhnlich: Er ist im Innern eines Wales gefangen. Im Moment der Not kommen ihm Gedanken an seinen verstorbenen Vater.

Das Verhältnis zwischen Jay und seinem Vater Mitt war nicht das beste. Trotzdem taucht Jay bei stürmischer See ab, um die Leiche seines Vaters zu suchen. Kein guter Zeitpunkt, denn er gerät in die Jagdgründe eines Pottwals. Der hat es auf einen Kalmar abgesehen und verschluckt versehentlich auch Jay. Der steckt nun im Schlund des Wales fest und muss einen Ausweg finden, ehe ihm der Sauerstoff ausgeht.

Kritik

Die Ausgangslage ist fraglich. Warum unternimmt ein junger Mann mit angeschlagener Gesundheit einen Tauchgang? Zumal das Verhältnis zum verstorbenen Vater, freundlich gesprochen, belastet war. Was als Roman funktionieren mag, gibt sich auf der Leinwand sperrig. Josh Brolin spielt die Rolle des Mitt Gardiner unangenehm großkotzig. Ein Mann mit dem Charme eines Knastbruders und wenig zimperlichen Ansichten beabsichtigt zu erreichen, dass der Sohn in seine Fußstapfen tritt. Sohn Jay ist das Gegenteil des Vaters und das Verhältnis ist belastet. Umso erstaunlicher, dass einige der Lebensweisheiten des Vaters Jay in der Not helfen. Umgesetzt ist das eigenartig bis esoterisch, wenn die Stimme des Vaters dem Sohn in der Not Dinge einflüstert.

Die Dramaturgie inszeniert den Ablauf unglücklich. Zunächst heißt es beim Befüllen der Sauerstoffflasche, dass der Vorrat für eine Stunde reicht. Das Publikum ist somit gewarnt. In der Klemme steckend schaut Jay mehrfach auf die abfallende Anzeige. Damit soll Druck aufgebaut werden. Ist als Inszenierung ein Klischee. Jay ist auch nicht Pinocchio, der aus einem riesigen Haifisch einfach hinausschleicht.

Spannend ist die Handlung trotzdem nur bedingt. Niemand wird daran zweifeln, dass Jay nicht überlebt. Zudem ist es albern, dass er in der Speiseröhre eines Tieres feststeckt, in der es stockdunkel sein müsste, doch es ist darin hell, weil Lichtquellen existieren. Der Wal hat eine Leuchtqualle verschluckt, die Jay Licht spendet und das Gewebe des Wales fluoresziert. Der Gefangene sitzt in der Speiseröhre oder dem Magen (so genau weiß man es nicht) manchmal wie in einer Badewanne. Sollte das Gewebe die Speiseröhre darstellen, dürfte es dort wohl keine Magensäure geben. Trotzdem greifen die vorhandenen Säfte Jays Hände an, das Gesicht wiederum kaum. Auch scheint es im Innern des Wales nicht so zu riechen, wie man sich das vorstellt, wenn man an Erbrochenes denkt. Alles in allem ist der Kampf ums nackte Überleben unspannend.

Bleibt die Frage, des Dramas. Wie gesagt, ist es nicht ungewöhnlich, dass Vater und Sohn unterschiedliche Weltanschauungen und Ziele vertreten. Austin Abrams als Jay Gardiner tritt, wie alle Figuren des Films, ausgesprochen amerikanisch auf. Selbst im Rachen eines Wales festsitzend, agiert er übertrieben und verschwendet damit den knappen Sauerstoff. Erst spät leuchtet ihm ein, was der Kritiker sofort dachte: Atme langsam und spare Sauerstoff.

Fazit
Der Überlebenskampf eines jungen Mannes, den ein Wal verschluckt hat, in Verbindung mit einem verkorksten Vater-Sohn-Verhältnis. Je nach Sichtweise mutig oder fordernd. Teils uninteressant und teils unspannend. Die Figuren sind allesamt unangenehm überzeichnet.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Land: USA
Jahr: 2026
Laufzeit ca.: 100
Genre: Abenteuer • Drama

Verleih: Walt Disney
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 15.10.2026

Regie: Brian Duffield
Drehbuch: Brian Duffield • Daniel Kraus
Romanvorlage: Daniel Kraus

Schauspieler: Austin Abrams (Jay Gardiner) • Elisabeth Shue (Zara Gardiner) • Josh Brolin (Mitt Gardiner) • Jane Levy (Eva Gardiner) • Emily Rudd (Nan Gardiner) • John Ortiz (Hewey) • Kamy D. Bruder (Whale Watcher) • Mark Meloro Jr. (Whale Watcher) • Sam Franich (Jay) • Nicholas Gould (US Coast Guard)

Produktion: Brian Grazer • Brian Duffield • Jeb Brody • Allan Mandelbaum
Szenenbild: Ramsey Avery
Kostümbild: Natalie O’Brien
Maskenbild: Eileen C. Bugnitz • Kimberly Felix • Joel Harlow • Marie Larkin • Rod Maxwell • Aracely Reyes
Kamera: Aaron Morton
Musik: Joseph Trapanese
Schnitt: Pietro Scalia

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Bild: Walt Disney

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