Wir schreiben das Jahr 1381. Die britische Krone ist bankrott und der Rat sucht nach Einnahmequellen. Die Diskussion endet rasch und man beschließt, das einfache Volk höhere Steuern zahlen zu lassen. Doch das Land ist verarmt, nach der Pest gebeutelt. Die Steuereintreiber sind beim Volk verhasst und es kommt zum Eklat. Ein Bauer lehnt sich auf und der Funke springt über, rasch wird aus dem Aufbegehren eines einfachen Mannes ein Volksaufstand. King Richard II., gerade mal vierzehn Jahre alt, sieht sich zum Handeln gezwungen.
Kritik
Der Kinofilm "The Uprising – Für die Freiheit" verwandelt den englischen Bauernaufstand von 1381 in ein Spektakel. Darin sind die Handlungen groß, die Worte mächtig, das Szenario ist schmutzig und grau. Von der ersten Minute an, fängt eine unruhige Handkamera das Geschehen ein. Zusammengefasst macht der Film nichts komplett falsch – nur bedauerlicherweise auch nichts ausgesprochen gut.
Paul Greengrass (Drehbuch und Regie) nutzt das bewährte Konzept, einige Köpfe aus der Menge herauszugreifen, mit denen das Publikum mitfühlen soll. Leider geht die Rechnung nicht auf. Andrew Garfield in der Rolle des Pflügers (englisches Original) zieht die Sympathien nicht auf seine Seite. Das liegt weniger am Schauspieler als vielmehr an der Figur. Ein Mann, dessen Vergangenheit wir nicht kennen, wird zum charismatischen Anführer. Der Grund bleibt schleierhaft, die Figur gibt Rätsel auf. Wahrscheinlich kann der Pflüger weder lesen noch schreiben. In Gesprächen mit der Königinmutter jedoch argumentiert er wie ein Gelehrter. Woher hat ein einfacher Mann vom Land, der sich selbst nur als Pflüger bezeichnet, diese Bildung und diese Weltsicht? Seinem Mitstreiter, dem Mönch John Ball, ist das zuzutrauen, dem Pflüger jedoch nicht. Auch nicht geschickt gelöst: Plötzlich ist Alyce mit von der Partie, die Interesse am Pflüger zeigt. Sie hat ebenfalls einen Verlust zu verkraften. Eine traurige Geschichte wie aus seinem Kitschroman. In anderen Filmen fänden Frau und Mann einander. Doch in diesem Film bleibt das Verhältnis in der Schwebe. Die insgesamt wenig ausgereifte Charakterisierung der Figuren überzeugt nicht. Die einfache Formel der Wutbürger greift zu kurz.
Die schlichten Charaktere gingen in Ordnung, läge bei "The Uprising" der Fokus klar auf der Action. Da die Handlung aus Action, Historie und Drama besteht, fehlt ein definierter Schwerpunkt. Zudem leidet die Action unter der hektischen Kamera und den schnellen Schnitten. In der Zuspitzung ist kaum noch zu erkennen, was geschieht. Wenngleich viele Menschen bei Kämpfen sterben, wird das meist nur angedeutet. Somit ist der Film brutal und gleichzeitig nicht. Alles in allem punktet der Film als Actionfilm nicht.
Den Anspruch einer Geschichtsstunde muss der Film nicht erfüllen und will das auch nicht. Die groben Fakten finden Berücksichtigung, während die Umsetzung sehr frei geschieht. Als Drama kann "The Uprising – Für die Freiheit" nicht überzeugen. Zum einen, weil die Handlung es bei Andeutungen belässt. Die Dramaturgie beantwortet die Schlüsselfrage nicht: Warum folgen die rund tausend Aufständischen den Anführern? Und das wie eine disziplinierte Armee. Zwischenzeitlich darf sich Richard II. als geschickter Taktierer beweisen. Die gar nicht mal so üble Idee geht jedoch im allgemeinen Geschrei unter. Zum anderen mögen die mächtigen Dialoge in Gedanken an einen bekannten britischen Dichter geschrieben worden sein. Auch Shakespeare widmete Richard II. ein Drama. Wie in Theaterstücken hat auch Richard II. im Film seine privaten Momente und er endet tragisch. Und damit enden die Parallelen zwischen großer Kunst und diesem Film.
Apropos: Im Film sind Parallelen ein mehrfach genutztes Motiv. Richard II. und der Pflüger leiden unter Fieberträumen. Für Momente scheint es, als sähe der Regent den einfachen Bauern als seelenverwandt an. Dass dem schlussendlich nicht so ist, erfährt das Publikum jedoch weniger als geschickte Finte des Drehbuchs, sondern vielmehr als Schwäche der Dramaturgie.
Was sonst noch auffiel: Warum singen die WutbürgerInnen so schön? Gegen Filmende wird die Handlung unfreiwillig komisch. Im Kloster eilen die barmherzigen Schwestern herbei und stürzen sich wie helfende Engel auf den verletzten Mann.
Fazit
"The Uprising – Für die Freiheit" setzt auf Schauwerte, die gar nicht mal so gut gemacht sind. Die schablonenhaften Figuren laden nicht zum Mitfiebern ein: Die Guten kämpfen gegen die übermächtigen Bösen, die nur teils böse sind und vielleicht auch Mitgefühl empfinden, aber das nicht ausleben können, weil es ihren gesellschaftlichen Stand gefährdet. Genaueres müsste das Drehbuch wissen – weiß es jedoch nicht oder kann das nicht zeigen, weil wieder eine Actionszene ansteht, damit es nicht langweilig wird. Regelrecht albern wird es dann, wenn das Spektakel beweisen will, dass es Robin Hood wirklich gegeben hat.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %
Land: Deutschland • Großbritannien • USA
Jahr: 2026
Laufzeit ca.: 127
Genre: Action • Drama • Historie
Verleih: Leonine
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren
Kinostart: 10.09.2026
Regie: Paul Greengrass
Drehbuch: Paul Greengrass
Schauspieler: Andrew Garfield (Ploughman) • Cosmo Jarvis (Wat Tyler) • Jamie Bell (John Ball) • Thomasin McKenzie (Alyce) • Tom Hollander (Treasurer Hales) • Stephen Dillane (Archbishop Sudbury) • Woody Norman (King Richard II) • Katherine Waterston (The Countess) • Stanley Townsend (Chief Justice Belknapp) • Jonny Lee Miller (Mayor Walworth) • Gerald Tyler (Lord Beauchamp) • Simon Kunz (Sir John Newton) • Susann Isabell Fiss (Ehefrau von Sir Newton) • Sky Yang (Scribe) • Dónal Finn (Village Priest) • Sam Chapman (Tax Collector) • Mark Redhead (First Oligarch) • Benedict Clarke (Steward Of Savoy)
Produktion: Jason Blum • Gregory Goodman • Lars Sylvest
Szenenbild: Renato Cseh
Kostümbild: Godena-Juhász Attila • Tóth András Dániel
Maskenbild: Nadine Prigge
Kamera: Pål Ulvik Rokseth
Ton: Andreas Kickel
Musik: Volker Bertelmann
Schnitt: William Goldenberg
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Bild: Leonine
