Wolfman

Kinoplakat Wolfman

Im viktorianischen England versetzt ein grauenvolles Monster die Bewohner eines kleinen Dorfes in Angst und Schrecken. Was die einen für eine Fantasiegestalt halten ist für die anderen Realität: Ein Mann mutiert bei Vollmond zum Werwolf. Die Neuverfilmung eines Klassikers verspricht, das Thema im modernen Gewand zu zeigen und ihm eine neue Komponente zu verleihen.

Für Lawrence Talbot (Benicio del Toro) ist die Rückkehr ins Schloss seiner Ahnen ein unangenehmer Anlass. Zum einen steht das Wiedersehen mit seinem Vater an, zu dem er ein getrübtes Verhältnis hat, zum anderen wurde sein Bruder getötet. Die Umstände des Todes sind nebulös. Man hat die böse zugerichtete Leiche in einem Graben gefunden. Die Bewohner des Dorfes munkeln ein Tier habe den Mann getötet. Andere sind fest davon überzeugt, dass kein Tier so bestialisch tötet und der Werwolf zurückgekehrt ist. Wie dem auch sei. Für Lawrence steht fest, er wird nicht eher ruhen, bis er weiß, was dem Bruder zugestoßen ist.

Er beginnt die Spurensuche bei den Zigeunern, die nahe dem Moor ihr Lager aufgeschlagen haben. Je tiefer er in die Geschichte eindringt, desto mysteriöser scheint sie. Gibt es den Wolfman, der bei Vollmond zum Werwolf wird wirklich? Und wenn ja steht das Monster dann sogar mit seiner eigenen Familie in Verbindung? Denkbar wäre es, denn die Familiengeschichte der Talbots ist tragisch. Dann erlangt Lawrence auf die grauenvollste Weise Gewissheit, die es gibt: Der Wolfman verwundet und infiziert ihn. Zunächst beobachtet Lawrence eine übermenschliche Wundheilung an seinem Körper. Dann schärfen sich seine Sinne. Aber beim nächsten Vollmond geschieht das Grässliche: Er mutiert zum Werwolf.

Kritk

Der Film versucht von den Bildern her klassisch und von der Handlung her modern zu sein. Diese interessante Mischung ist leider nicht gelungen. Die Bilder überzeugen - dazu später mehr - doch der Versuch dem Thema Werwolf eine neue Seite abzugewinnen schlägt fehl. Neben handfestem Horror möchte das Drehbuch der Handlung durch ein belastetes Vater-Sohn-Verhältnis, eine psychologische Komponente verleihen. Anthony Hopkins als Vater und Benicio del Toro als Sohn wären auch sicherlich in der Lage dies zu spielen. Im Ergebnis scheitert die Idee an Zweierlei: Zum einen, weil Anthony Hopkins seine Rolle mit derartiger Lustlosigkeit spielt, dass in den entsprechenden Szenen kaum Spannung aufkommt. Zum anderen ist der Konflikt letztlich nicht mehr als eine unverarbeitete Schuld.

Dieses Nichtausarbeiten ist bezeichnend für den Film. In einigen Fällen macht es wenig aus. So bekommt der Ursprung des Werwolfs nur eine lasche Erklärung: Übertragung durch einen Biss in Indien. In anderen Fällen schadet es dem Film. So wird nicht klar, was der herrschende Werwolf an seinem Treiben findet. Noch unverständlicher ist, dass er dieses Gefühl oder diesen Antrieb (was immer es auch sei) 25 Jahre unterdrückte. Darüber hinaus bleibt auch das Töten unmotiviert. Werwolf Senior und Junior rasen wie Berserker durch die Nacht, morden einfach alles, was ihm vor die Krallen kommt.

Zudem missfällt mir die eigenwillige Logik. So verstehe ich nicht, weshalb nur ein Teil von Lawrences Sinnen zu einem Supersinn wird. Plötzlich hat er ein ultrafeines Gehör; sein Geruchssinn aber kann in einem dunklen Zimmer einen Hund nicht von einem Menschen unterscheiden. Und weshalb sagt die alte Zigeunerin zunächst, nur die Liebe könne ihn (den Infizierten) noch retten. Während sie später behauptet, es gäbe keine Rettung? Weiterhin stört an der Handlung, dass die Spannung nie so wirklich packen will. Viele Schnitte wirken verfrüht und die Szenen abgehackt, als sei noch nicht das ausgedrückt worden, was es zu sagen gibt.

Bei aller Kritik gibt es auch Stärken. Dazu zählt die klassische Aufmachung mit ihren schönen Kulissen. Die Kostüme haben Stil, das eingefangene Bild versetzt ins viktorianische England. Die Landschaft ist nebelverhangen und das Grauen zieht gewitterschwer auf. Auch der Abstecher ins Irrenhaus, der anfangs so gar nicht ins Bild passen will, ist ein gelungener Streich. Und es kommt alles im Film vor, was zum Thema gehört: Ein nebliges Moor, mysteriöser Adel, Aberglaube und Zigeuner.

Fazit
Der Film "Wolfman" ist unterm Strich ein ordentlicher Horrorfilm. Die Schwächen kann man nicht wegdiskutieren. Meint das Monster die dunkle Seite in uns, die wir gerne verleugnen? Der Film beantwortet die Frage nicht und bleibt in Ansätzen stecken. Die Filmmusik ist Geschmackssache und auffällig dominant. Überzeugen kann der Stil, mich trösten die schönen Bilder über einige Schwächen hinweg.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: The Wolfman
Land: USA
Jahr: 2010
Laufzeit ca.: 102
Genre: DramaFantasyHorrorSpannung
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 18.02.2010

Regie: Joe Johnston
Drehbuch: Andrew Kevin Walker • David Self • Curt Siodmak

Schauspieler: Simon Merrells (Ben Talbot) • Gemma Whelan (Gwens Magd) • Emily Blunt (Gwen Conliffe) • Benicio del Toro (Lawrence Talbot) • Asa Butterfield (Ben, jung) • Cristina Contes (Solana) • Anthony Hopkins (Sir John Talbot) • Art Malik (Singh) • Malcolm Scates (Butcher) • Nicholas Day (Colonel Montford) • Michael Cronin (Dr. Lloyd) • David Sterne (Mr. Kirk) • Hugo Weaving (Aberline) • Geraldine Chaplin (Maleva)

Produktion: Scott Stuber • Rick Yorn • Sean Daniel
Szenenbild: Rick Heinrichs
Kostümbild: Milena Canonero
Maskenbild: Nana Fischer
Kamera: Shelly Johnson
Musik: Danny Elfman
Schnitt: Dennis Virkler • Walter Murch


Bild: Universal Pictures International

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