2012

Kinoplakat 2012

Der Kalender der Maja endet mit dem Jahr 2012. Esoteriker und diverse Prophezeiungen erwarten für dieses Jahr den Untergang der Welt beziehungsweise eine Zeitenwende. Roland Emmerich strickt aus dem Thema ein Weltuntergangsszenario mit Endzeitstimmung. Dabei beweist er erneut Meister des großen Effektkinos zu sein.

Der Film "2012" beginnt damit, dass Wissenschaftler ungewöhnliche Aktivitäten der Sonne beobachten. Ihren Berechnungen zufolge wird sich das Erdinnere stark erwärmen und die Erdkruste im Jahr 2012 verschieben. Im Zuge dessen werden Naturkatastrophen wie Erd- und Seebeben auftreten und Tsunamis über die Erde fegen. Für das Überleben der Menschheit sieht es düster aus und die Regierungen der Welt, allen voran die USA, arbeiten einen geheimen Notfallplan aus. Es werden Rettungsschiffe gebaut, die jedoch nur 400.000 Plätze bieten. Und wer einen dieser sicheren Plätze ergattern will, muss dafür tief in die Tasche greifen. Leisten können sich das Ticket zum Überleben nur Politiker und die reichsten der Reichen.

Doch dann kommt alles anders als geplant. Informationen sickern durch, weil einige Eingeweihte das Schweigegelübde brechen, bevor sie bei fingierten Unfällen sterben. Zudem haben sich die Wissenschaftler verrechnet und die Katastrophe beginnt früher als geplant. In dem ausbrechenden Chaos versucht der erfolglose Buchautor und Familienvater Jackson Curtis (John Cusack) seine Kinder sowie seine Ex-Frau zu retten. Ihre verzweifelte Flucht vor dem herannahenden Tod bildet einen von mehreren Handlungssträngen, die am Ende im großen Finale zusammenlaufen.

Kritik

Nach "The Day After Tomorrow" lässt Roland Emmerich die Welt erneut beinahe untergehen. Wieder gibt es den verzweifelt kämpfenden Familienvater. Und auch die Intensität, mit der es Emmerich krachen lässt, ist nicht neu. Weiterhin gibt es auch dieses Mal diejenigen, die nebenbei ihr Fett wegkriegen. War es in "The Day After Tomorrow" Hollywood, indem Emmerich das Hollywoodzeichen hinwegfegte, so ist es dieses Mal die katholische Kirche. Da fällt den Würdenträgern die Kuppel des Peters Dom auf den Kopf und die Jesusstatue von Rio de Janeiro zerbröselt. Das ist rein als Effekt, wie die meisten Spezialeffekte, handwerklich solide gemacht - auch wenn die Tricks unübersehbar aus dem Computer stammen. Zu bemängeln sind die Wiederholungen. Da tut sich nicht einmal eine Erdspalte auf, sondern mit schöner Regelmäßigkeit. Das hat zur Folge, dass die Effekte sich aufgrund der vielen Wiederholungen abnutzen. Aber alles in allem ist die Pflicht gelungen und der Film kann als Action bestehen.

Bei der Kür schlägt das Pendel in die entgegengesetzte Richtung aus. Obwohl sich die Erzählung auf wenige Personen konzentriert und sich die Kreise fortlaufend schließen, bleiben die Charaktere ohne Tiefgang und zeigen kaum etwas, das mich als Zuschauer berührt. So weckt der verzweifelt kämpfende Familienvater genauso wenig mein Mitgefühl wie der Präsident der USA, der einen Märtyrertod stirbt, indem er auf seinen Platz an Bord eines Rettungsschiffes verzichtet, damit ein anderer Mensch überleben kann. Weiterhin wird die Handlung dadurch abgeschwächt, dass sich auch hier Szenen wiederholen. So verabschiedet sich nicht nur der Wissenschaftler von seinem Vater, sondern danach dessen Bandkollege von seinem Sohn.

Außerdem sind die Dialoge der Handlung abträglich, da sie auf dem Niveau von Comic-Sprechblasen bleiben. Gerne enden Szenen damit, dass eine Person etwas vermeintlich Starkes oder Unheilschwangeres sagt. Dann folgt ein Schnitt und die Handlung setzt an anderer Stelle fort. Dieses Stilmittel sorgt für Spannung, weil die einzelnen Handlungsstränge immer nur häppchenweise vorangetrieben werden; gleichzeitig bleibt die Geschichte als solche oberflächlich.

Wie bereits angesprochen, überschneiden sich die Wege und Schicksale im Film häufig. Das ist ein schönes Stilmittel - nur die Zufälle, die die Menschen zusammenführen, wirken arg künstlich. Ein Beispiel: Der erfolglose Buchautor macht mit seinen Kindern einen Ausflug in den Yellowstone Nationalpark. Von den 8987 Quadratkilometern Fläche geht er ausgerechnet an den Fleck, an dem die Regierung einen Stützpunkt errichtet hat. Wird samt den Kindern verhaftet und trifft einen Wissenschaftler, der nicht nur ausgerechnet an diesem Tag vor Ort ist, sondern auch eines von nur 500 verkauften Büchern des Autors gelesen hat und ihn jetzt aufgrund des Fotos auf dem Buch wiedererkennt. Solche Konstrukte wirken auf die Dauer genauso störend wie die vielen Klischees. Der Vater des besagten farbigen Wissenschaftlers ist Jazzsänger. Der Schönheitschirurg läuft die gesamte Handlung über in OP-Kleidung herum, selbst am samstäglichen Frühstückstisch sitzt er in voller Montur. Welcher Arzt geht wohl mit unsteriler Alltagskleidung in den Operationssaal? Und wenngleich er nur wenige Flugstunden absolviert hat, fliegt er Flugzeuge wie ein Stunt-Pilot durch einstürzende Häuser, Steinlawinen usw. Ähnliches gilt für den Helden. Der arbeitet beruflich als Chauffeur und fährt ein ganz normales Auto wie ein Stuntman durch noch so große Gefahren. Setzt über sich auftuende Abgründe hinweg, prescht durch einstürzende Häuser.

Gegen Ende des Films muss er in einer von Wasser überfluteten Kammer tauchen. Dazu zieht er sich nicht bis auf die Unterhose aus, um besser tauchen zu können, sondern schwimmt und taucht in schwarzer Hose, weißem Hemd und einer Krawatte! Wie schafft er es, ein Kabel aus verklemmten Zahnrädern zu ziehen, die derart verkeilt sind, dass sich ein großes Schott nicht mehr schließen lässt? Auch dick aufgetragen: Der Direktor des Louvre stirbt bei einem Autounfall - in dem Straßentunnel in dem Lady Diana, Dodi Al-Fayed und ihr Chauffeur Henri Paul starben.

Nicht zuletzt wäre da noch die eigenwillige Logik. So ist weltweit die Kommunikation ausgefallen. Aber ein Handy funktioniert trotzdem. Es hat auch einen guten Grund, denn einer der Guten wurde vergessen und darf dies mitteilen. Eigenartig ist die Szene in den Bergen. Es fällt digitaler Schnee, der nicht liegen bleibt. Beim Sprechen entstehen keine Atemwolken. Ein Teil der Helden trägt Parkas mit Fellmütze, der Chirurg weiterhin seine OP-Kleidung nebst Kapuzen-Sweatshirt. Die Begründung könnte lauten: Nur ein Teil der Leute hat, nach dem Absturz, warme Kleidung im Flugzeug gefunden. Akzeptabel. Aber weshalb fliegen Hubschrauber vorbei, die an Tragseilen Tiere der afrikanischen Savanne transportieren? Wenn es wirklich so kalt ist, dass auf den Bergen der Schnee liegen bleibt, weshalb erfrieren die Tiere in luftiger Höhe dann nicht?

Fazit
Die Welt mit Pauken und Trompeten untergehen zu lassen ist Roland Emmerich gelungen. Wer sich im Kino gerne einfach nur unterhalten lässt ist hier richtig.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Alternativtitel: 2012 - Das Ende der Welt
Land: USA
Jahr: 2009
Laufzeit ca.: 158
Genre: AbenteuerActionKatastrophenfilmScience-Fiction
Verleih: Sony Pictures
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 12.11.2009
Heimkino: 25.03.2010

Regie: Roland Emmerich
Drehbuch: Roland Emmerich • Harald Kloser

Schauspieler: John Cusack (Jackson Curtis) • Amanda Peet (Kate Curtis) • Chiwetel Ejiofor (Adrian Helmsley) • Thandie Newton (Laura Wilson) • Oliver Platt (Carl Anheuser) • Tom McCarthy (Gordon Silberman) • Woody Harrelson (Charlie Frost) • Danny Glover (President Thomas Wilson) • Liam James (Noah Curtis) • Morgan Lily (Lilly Curtis) • Zlatko Buric (Yuri Karpov) • Beatrice Rosen (Tamara)

Produktion: Larry Franco • Mark Gordon • Harald Kloser
Szenenbild: Barry Chusid
Kostümbild: Shay Cunliffe
Maskenbild: Thomas Nellen • Connie Parker
Kamera: Dean Semler
Musik: Harald Kloser • Thomas Wander
Schnitt: David Brenner • Peter S. Elliot


Bild: Sony Pictures

1 customer review

befriedigend
12.11.09
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vorgeschlagen

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