A Sad and Beautiful World

Kinoplakat A Sad and Beautiful World

Nino hat mit der Führung seines Restaurants Chez Nino alle Hände voll zu tun. Eine wie auch immer geartete Störung benötigt er nicht. Doch diese Laune des Schicksals bringt ihn wieder mit Yasmina zusammen. Die Schulfreundin aus Kindertagen lehnt Ninos Annäherungsversuche kategorisch ab und kann sich dessen Anziehung nicht entziehen. Es dauert nicht lange und sie sind ein Paar. Über die Frage, wie es weitergehen soll, sind sie uneins. Yasmina lehnt es ab, Kinder zu bekommen, und möchte den Libanon verlassen. Nino ist hier verwurzelt und strebt es an, zu bleiben.

Kritik

Das Drama "A Sad and Beautiful World" zeigt auf, dass seit Jahrzehnten im Libanon Krieg herrscht und das Leben der Menschen überschattet. Um die Handlung zugänglicher zu gestalten, stehen zwei Menschen im Mittelpunkt, die eine starke Anziehung verbindet. Fürs Publikum ist die daraus gesponnene Handlung nur bedingt sehenswert. Sie springt zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. Derart möchte der Film aufzeigen, dass die Verbindung des Paares schon in Kindertagen begann. Leider unterbrechen die Rückblenden die inhaltsarme Handlung der Gegenwart und bleiben störend.

Die Charaktere sind feststehend. Yasmina ist eine forsche Geschäftsfrau. Nino ist eine sanfte Natur und geht Konflikten am liebsten aus dem Weg. An Konflikten, die ein Drama interessant machen, fehlt es nicht, aber enttäuschenderweise werden sie nicht ausgetragen. Im Extremfall ist Yasmina schwanger und denkt über Lösungen und Möglichkeiten nach. Nach einem Schnitt ist die Tochter bereits fünf oder sechs Jahre alt. Der Lösungsweg des Konflikts wird dem Publikum vorenthalten und Potenzial verschenkt.

Was ungünstigerweise auch auf die Personen zutrifft. In einem Brief legt Yasmina ihr Seelenleben offen, anstatt es zu spielen. Sie hat durch die Scheidung ihrer Eltern eine Verletzung erfahren, die sie als erwachsene Frau weiterhin belastet. Ein ähnliches Schicksal möchte sie ihren Kindern ersparen. Schade nur, dass die Schauspielerin dies nicht spielen darf. Selbiges betrifft Nino. Der ist bei seinem Großvater aufgewachsen, weil seine Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Dies wird nebulös thematisiert und erklärt vielleicht Ninos Harmoniebedürfnis. Ungünstigerweise spricht Hasan Akil als Nino viel und stets im selben Tonfall. Aufs Schauspiel geschaut, fehlt es an Ausdruck und Variation.

Auffällig ist die Rolle der Frauen. Yasminas Mutter ist eine Kneifzange. Yasmina und Leila dominieren ihre Beziehungen. Es wäre nicht falsch, von einem Matriarchat zu sprechen. Die starken Frauen interessieren das Drama ebenfalls wenig. Auch hier wird verschenkt. Und was die Liebenden bei aller Gegensätzlichkeit anzieht, bleibt unerklärt. Ein Hinweis lautet, die Kinder seien im selben Krankenhaus mit kurzem zeitlichem Abstand auf die Welt gekommen. Eine seltsame Sichtweise.

Fazit
Der Krieg wird als prägend und als Alleinschuldiger dargestellt. Er trägt die Verantwortung für vieles. Trotzdem taucht das Drama nicht in den politischen Themenkomplex ein. Über den Konflikt heißt es mal, dass Israel gerade nicht angreift. Stärker ist der Film an der Frage interessiert, ob es besser ist, zurückzuschauen, oder die Flucht anzutreten und das Land zu verlassen. Aus libanesischer Sicht mag das den Film tragen, aus deutscher Perspektive fehlt der Mehrwert, weil die Kernfrage, so nachvollziehbar sie ist, nicht filmfüllend ausgeschmückt wird. Auf Festivals vorstellbar.

PS: Der Regisseur sagt über seinen Film: "Inmitten der andauernden Krisen des Landes habe ich erlebt, wie Humor und Liebe zu unseren Schutzschilden gegen die Dunkelheit wurden. Dieser Film greift genau diesen besonderen libanesischen Humor auf ..." Diese Besonderheit des Films hat der Kritiker nicht erkennen können.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Nujum al'amal w al'alam
Land: Deutschland • Libanon • USA
Jahr: 2025
Laufzeit ca.: 110
Genre: Drama • Krieg • Romantik

Verleih: Neue Visionen Filmverleih
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 20.08.2026

Regie: Cyril Aris
Drehbuch: Cyril Aris

Schauspieler: Mounia Akl (Yasmina) • Hassan Akil (Nino) • Julia Kassar (Oumaya) • Camille Salameh (Antoine) • Anthony Karam (Chafic) • Nadyn Chalhoub (Leila)

Produktion: Georges Schoucair • Jen Blake • April Shih • Georg Neubert • Jasper Wiedhöft
Szenenbild: Hanadi Medlej
Kostümbild: Zeina Saab De Melero
Maskenbild: Joanna Kamar • Johnny Nehmeh
Kamera: Jon Saade
Ton: Bassam Lebbos
Musik: Anthony Sahyoun
Schnitt: Nat Sanders • Cyril Aris

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Bild: Neue Visionen Filmverleih

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