Adam & Eva

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Dieser Film will es anders machen. Also steht am Beginn das Happy End: Feuerwehrmann Adam rettet eine Frau aus einem brennenden Haus. Eva wähnt sich im Paradies. Abspann in voller Länge. Danach beginnt der eigentliche Film und es folgt ein Wechselspiel der Gefühle und der Partner. Die Ehe von "Adam und Eva" gerät nach vier Jahren in die Krise der Gewöhnung. Am Frühstückstisch gehen sie sich bereits auf den Wecker. Er raucht und krümelt, sie ist penibel und überempfindlich, denkt an Scheidung, doch er will nicht. Sie denkt daran die Beziehung mit Kindern zu kitten, doch seine Gedanken kreisen um das siebzehnjährige Kindermädchen Betty.

Als Eva ein halbes Jahr im Nahen Osten arbeitet, nutzt Adam die Gunst der Stunde und gibt sich den Frohlockungen der frühreifen Lolita Betty hin. Das kann nicht gut gehen und das dicke Ende führt er selbst herbei, als er ausgerechnet an Weihnachten mit Betty Telefonsex hat. Nicht zuhause, sondern im Haus der Schwiegereltern. Hier bereitet er sich im Kinderzimmer auf die Rolle des Weihnachtsmannes vor, während das Babyfon alle Geräusche ins Wohnzimmer überträgt - also auch den Telefonsex. Das steigert sein Ansehen im Kreis der Familie nicht - im Gegenteil. Doch beide haben langjährige Verehrer, die nun zum Zuge kommen. Sie gibt sich ihrem Sandkasten-Freund Olli hin, der sich nichts sehnlicher wünscht als Kinder und der Ehemann wird von Charly getröstet, die schon lange auf ihre Chance wartet. Nur Betty stellt sich als unzuverlässig heraus, denn in ihrem Leben gibt es nicht nur Einen ...

Weil sie erst nach der Trennung erkennen, was sie aneinander hatten, stirbt ihre Liebe nie wirklich - und dass sie mit Olli zwei Kinder hat, obwohl Olli weiß, dass er zeugungsunfähig ist, stört Olli nicht, denn seine sehnlichsten Wünsche gingen in Erfüllung - Eva und Adam stört ihr jeweiliges Doppelleben schon gar nicht.

Kritik

Der Film macht vieles anders, aber nicht alles. Die Erzähltechnik ist unkonventionell, die Geschichte hingegen konventionell: Streitigkeiten, Knatsch in der Ehe und Seitensprünge. Einzelne Episoden werden aus zwei Perspektiven erzählt. Untertitel geben wieder, was wirklich gesagt wird. Wenn sie sich zu Olli flüchtet, dann geschieht dies als schwarz-weiße Stummfilmszene mit aller Melodramatik. Auch der Werbespot, der sie (die Frau) als Übermutter in ihrer Küche mit ihren Bilderbuch-Kindern zeigt, ist köstlich. Das richtige Waschpulver, die richtigen Flakes und eine Damenbinde, die Ketchup spurlos aufsaugt (statt Ersatzflüssigkeit), da wünschen sich die Kinder Mutti habe immer ihre Periode.

Der gelungene schwarze Humor findet sich auch in der Szene wieder, in der der Makler stirbt. Er sitzt im Auto und ist an Hirnbluten gestorben, derweil seine Gattin weiter übers Handy keift. Ein weinender Familienrichter, der die eigene Scheidung noch nicht verkraftet hat. Ein Ehemann, der sich heimlich hat sterilisieren lassen, während seine Frau nur noch Pfefferminztabletten statt der Pille schluckt um endlich wieder schwanger zu werden und ihn mit noch mehr Kindern zu binden. Die Ärztin in der Notaufnahme verordnet Abwechslung und steht auch gleich dafür bereit ...

Andererseits hat "Adam & Eva" auch seine Längen; in Szenen fehlt es am richtigen Biss, die Erzählweise schwankt zwischen schwarzem Humor und netter Komödie, hält aber keine Richtung konsequent durch. Wenn sich plötzlich eine Bettszene an die andere reiht, wirkt das wie Füllmaterial, ebenso wie die Szenen, in denen erklärt wird, was wer an wem mag. Dialoge sind hölzern und klingen arg nach Drehbuch, Begegnungen wirken konstruiert. Was die Figuren letzten Endes füreinander attraktiv macht, wird nicht klar ausgearbeitet. Die Figuren stehen nicht für Personen, sondern für Mann und Frau als Archetypen, was eine unscharfe Überfrachtung der Charaktere zu Folge hat.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Land: Deutschland
Jahr: 2002
Laufzeit ca.: 96
Genre: Romantische Komödie
Verleih: Tobis
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 26.06.2003
Heimkino: 26.04.2004

Regie: Paul Harather
Drehbuch: Ivo Schneider

Schauspieler: Simon Schwarz (Adam) • Marie Bäumer (Eva) • Pierre Besson (Olli) • Theresa Berlage • Martin Brambach • Anna Bertheau • Alana Bock • Hans Peter Korff • Kurt Glockzin • Harald Burmeister • Peter Jordan • Bernd Moss • Viktoria von Trautmannsdorff • Jessica Kosmalla • Wolf Dietrich Sprenger • Nina Tenge • Leo Mosley

Produktion: Philipp Homberg
Szenenbild: Anke Osterloh
Kostümbild: Helmut Ignaz Meyer
Maskenbild: Silke Griesbach • Barbara Kreuzer
Kamera: Carl-Friedrich Koschnick
Musik: Ulrich Sinn
Schnitt: Andrew Bird


Bild: Tobis

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