Alice im Wunderland

Kinoplakat Alice im Wunderland

Die Meldung, dass Tim Burton bei "Alice im Wunderland" Regie führt, weckt Erwartungen. Burtons Handschrift und die herrlich durchgedrehte Geschichte können einen Film der ganz besonderen Art ergeben.

Bereits als Kind hat Alice (Mia Wasikowska) zu viel Fantasie. Da verwundert es kaum, dass sie an dem Tag, an dem ihr der langweilige Hamish (Leo Bill) einen Heiratsantrag machen will, Besseres zu tun hat. Sie folgt einem Kaninchen, das eine Taschenuhr bei sich trägt und fällt kurz darauf in einen Kaninchenbau. Der ist der Einstieg in das Wunderland, von dem Alice seit Kindertagen träumt und das, sie bereits einmal besucht hat. Doch seit dem letzten Aufenthalt hat sich einiges verändert.

Die böse Herzkönigin (Helena Bonham Carter) hat der guten Weißen Königin die Krone entrissen und regiert das Land mit eiserner Faust. Nicht umsonst lautet ihr Motto: Besser gefürchtet als geliebt zu werden. Ihre Schwester hingegen kann keiner Kreatur etwas zuleide tun. Das ist ungünstig, weil in einem alles entscheidenden Zweikampf der Drache der bösen Schwester getötet werden muss. Laut einer alten Prophezeiung wird Alice die Drachentöterin sein. Doch die weigert sich zunächst die ihr zugedachte Rolle zu erfüllen, denn sie ist zwar zu einer jungen Frau herangewachsen, hat sich aber selbst noch nicht gefunden. Noch ist sie fest davon überzeugt, dass das Wunderland nur ein Traum ist, aus dem sie jederzeit erwachen kann.

Kritik

Ich bin gespannt, was Tim Burton aus "Alice im Wunderland" herausholt. Wahrscheinlich ist es seinem Einfluss zu verdanken, dass das Wunderland ungewohnt düster und trostlos daherkommt. Doch der Begeisterungsfunke springt nur widerwillig über. Alice ist kein kleines Mädchen mehr, sondern eine junge Frau, die zum zweiten Mal ins Wunderland geht und dort eine Selbstfindung durchlebt. Ihre dabei zu bestehenden Abenteuer sind zwar ein Spektakel, aber für meinen Geschmack zu gewöhnlich. Wäre es ein Auto, würde ich sagen, es ist Fahren mit angezogener Handbremse. Und das obwohl wirklich schöne Ideen vorkommen: So nutzt die böse Herzkönigin ein Schwein als Fußwärmer. Oder ihre Schwester, die strahlende Sauberfrau, spukt in einen Zaubertrank.

An dieser eigenwillig braven Fassung ist Tim Burtons Regie nicht ganz unschuldig. Unter seiner Führung bleiben einige Darsteller hinter ihren Möglichkeiten zurück. Am wenigsten überzeugt mich Mia Wasikowska als Alice. Anne Hathaway als Weiße Königin trippelt wie eine Ballerina herum und bleibt erstaunlich eindimensional. Die Performance von Burtons Ehefrau Helena Bonham Carter als Schreckens-Herrscherin siedelt im Mittelfeld. Gelungen ist der Auftritt von Johnny Depp als verrückter Hutmacher, der die Gelegenheit gekonnt zur Darstellung nutzt.

Bleiben noch die Tricks und das Zauberwort 3D. Gelungen ist der Einfall, dass die Herzkönigin einen zierlichen Körper und einen überdimensionalen Kopf hat. Auch die Trickfiguren sind nett animiert. Der 3D-Effekt hingegen überzeugt mich nicht. So fällt Alice zu Filmbeginn auffällig lange das Kaninchenloch hinab. Später fliegen Gegenstände zu absichtlich in Richtung Zuschauer. Zudem entwickeln die Bilder zu wenig Tiefe.

Fazit
Zu "Alice im Wunderland" muss ich zu oft ja, aber sagen. Es ist ein Spektakel, aber ein zu braves. Tim Burton ist sicherlich der richtige Regisseur für den Film, aber er hat sich zu wenig ausgetobt. Die Rollen sind grundsätzlich gut besetzt, aber sie zeigen zu wenig.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: Alice in Wonderland
Land: USA
Jahr: 2010
Laufzeit ca.: 104
Genre: 3DAbenteuerFantasyMärchen
Verleih: Buena Vista
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 04.03.2010
Heimkino: 22.07.2010

Regie: Tim Burton
Drehbuch: Linda Woolverton
Literaturvorlage: Lewis Carroll

Schauspieler: Johnny Depp (Hutmacher) • Mia Wasikowska (Alice Kingsleigh) • Helena Bonham Carter (Red Queen) • Anne Hathaway (White Queen) • Crispin Glover (Stayne) • Matt Lucas (Tweedledee / Tweedledum) • Marton Csokas (Charles Kingsleigh) • Tim Pigott-Smith (Lord Ascot) • John Surman (Kollege) • Peter Mattinson (Kollege) • Lindsay Duncan (Helen Kingsleigh) • Geraldine James (Lady Ascot) • Leo Bill (Hamish) • Frances de la Tour (Tante Imogene) • Jemma Powell (Margaret Kingsleigh) • John Hopkins (Lowell) • Eleanor Gecks (Faith Chattaway)

Produktion: Joe Roth • Jennifer Todd • Suzanne Todd • Richard D. Zanuck
Szenenbild: Robert Stromberg
Kostümbild: Colleen Atwood
Maskenbild: Leslie Devlin
Kamera: Dariusz Wolski
Musik: Danny Elfman
Schnitt: Chris Lebenzon


Bilder: Buena Vista

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