Chaos im Netz

Kinoplakat Chaos im Netz

Die Helden aus dem Animationsfilm "Ralph reicht's" erobern das Internet und Onlinespiele. Ihre Reise stellt nicht nur ihre Freundschaft auf eine Bewährungsprobe, auch das Web muss einiges aushalten.

In der Spielhalle mit den Arcade-Automaten geht alles seinen geregelten Gang. Zu eingetreten sind die Pfade, findet Vanellope, die Heldin des Spiels Sugar Race. Jeden Morgen muss sie zur Arbeit gehen und als Spielfigur des Videospiels ihre Rennen drehen. Ihr bester Freund Ralph kann die Unzufriedenheit seiner Freundin nicht verstehen. Er schätzt seinen geregelten Tagesablauf. Als er Vanellope helfen will, kommt es mit gutem Willen zur Katastrophe. Das Lenkrad des Automatenspiels geht kaputt und ein neues zu kaufen ist dem Besitzer der Spielhalle zu teuer. Er beschließt den Automaten verschrotten zu lassen. Damit wären alle Figuren des Spiels heimatlos. Ein Ausweg bestände darin, dass Ralph und Vanellope im Internet ein neues Lenkrad kaufen. Voller Tatendrang brechen sie auf ins Netz. Doch wie in der realen Welt muss auch hier bezahlt werden – mit echtem Geld. Und das aufzutreiben mündet für die zwei Freunde in ein Abenteuer.

Kritik

Die Fortsetzung des Films "Ralph reicht's" verlegt seine Handlung rasch von der Spielhalle in die Welt des Internets, das wie eine Megastadt aussieht. Dort haben bekannte Internetgrößen ihre Niederlassungen in der Gestalt von Wolkenkratzern, an denen bekannte Logos prangen. Die meisten Internetfirmen bekommen jedoch wenig bis gar keinen Auftritt. Nur ein bekanntes Auktionshaus wird namentlich so oft genannt, dass es interessant wäre zu erfahren, ob "ebay" für diese Werbung Geld gezahlt hat. Auch auffällig ist, dass die befragte Suchmaschine keinen zu erwartenden Namen trägt. Grundsätzlich sieht das Internet aus, wie die Zukunft in vielen Science-Fiction-Filmen aussieht. Es gibt angenehme und dunkle Ecken. Die Fortbewegung findet mit einer Art Luftkissen-Fahrzeugen statt. Überall wuseln Avatare und Algorithmen gehen ihrer Arbeit nach. Das ist nett animiert und es gibt viel zu sehen.

Da der Dreh- und Angelpunkt des Films Videospiele sind, verbringt die Story relativ viel Zeit mit einem Rennspiel. Zudem versucht "Chaos im Netz" aufzuzeigen, dass es kein richtiges und falsches Spielen gibt; Onlinespiele dieselbe Berechtigung wie althergebrachte Games haben. Und die Handlung möchte durch diese und andere Kniffe die gesamte Familie ansprechen.

Die älteren Zuschauer werden Anspielungen verstehen wie die, dass King Kong an einem Hochhaus hinaufklettert oder das Abbruchviertel "Geocities" heißt. Beziehungsweise warum der Viren-Lieferant ein fetter Wurm ist. Während die Kinder über gespielte Witze lachen sollen und Humor wie den Rülps-Witz serviert bekommen, den Hollywood eigentlich dankenswerterweise schon vor Jahren archiviert hatte. Aber das Internet vergisst nichts. Zweischneidig sind Einfälle wie der, das Pop-Ups eine lustige Seite haben können. Später wird das Abgraben von Klicks durch Pop-Ups nicht mehr toleriert.

Zur Hintergrundgeschichte von "Chaos im Netz" gibt es wenig zu sagen. Trotzdem erklärt die Handlung zusätzlich im Klartext. Vordergründig baut sie auf Videospielen und Videoclips auf. Den Unterbau bildet die Freundschaft von Vanellope und Ralph. Die sieht Ralph gefährdet und versucht die Freundschaft zu retten – was Vanellope als Sabotage empfindet. Am Ende kommen beide wieder zusammen und stellen fest, dass eine Freundschaft auch über eine räumliche Distanz bestehen kann.

Abgespult wird die Erzählung in hohem Tempo, das eine Zeit lang über das Fehlen von weiteren Ebenen hinwegtäuscht. Ab einem bestimmten Moment fällt jedoch auf, wie schlicht die Geschichte geschrieben ist. Ralph ist der gemütliche, konservative Charakter, während Vanellope der Teenager ist, der die Welt entdecken möchte und seinen Traum sucht. Auch in dieser Hinsicht ist es dem Film ein Anliegen herauszuarbeiten, dass beides dieselbe Berechtigung hat. Auch in weiteren Belangen sticht die Korrektheit heraus. Neben kaukasischen Gesichtern treten beispielsweise Figuren mit afrikanischen oder asiatischen Gesichtszügen auf. Ähnliches gilt für das Internet als solches. Es hat dunkle Ecken wie das Darknet, kann die Heimat von Viren sein und ist im Endeffekt weder gut noch böse, sondern bietet Möglichkeiten.

Eigenwillig interessant ist die Figur Spamley, die weder böse noch gut ist. Sie will im Internet das schnelle Geld verdienen durch das Ausliefern von Pop-Ups und dem Erbeuten von begehrten Spieltrophäen. Sie hilft Ralph und führt ihn auch ins Darknet. Eine zweischneidige Persönlichkeit, wie der Zusammenzug aus Stanley und Spam bereits andeutet.

Eine Besonderheit an "Chaos im Netz" ist die Eigenwerbung. Anders kann ich die Auftritte der Figuren aus bisherigen Filmen von Disney und Pixar nicht bezeichnen. Die Stormtrooper aus "Star Wars" fungieren als Aufseher. R2-D2 schaut kurz vorbei. Mehr als ein Dutzend Disney-Prinzessinnen sind bemüht vorsichtig ihre Images durch den Kakao zu ziehen und verkehren die typische Rettungsaktion ins Gegenteil. Trotzdem macht diese Art der Werbung einen dreisten Eindruck. Neu ist die Idee nicht, wenn man an "The Lego Movie" denkt. Trotzdem ist es wünschenswert, dass diese Vermischung aus Werbung und Handlung nicht Schule macht.

Fazit
Dem Film "Chaos im Netz" sind die selbstauferlegten Einschränken anzumerken. Die Handlung hinterfragt kaum und arbeitet im Wesentlichen das Thema Freundschaft ab. Das gigantische Thema Internet ist auf wenige Aspekte reduziert. Das ist insofern verständlich, als das ein Film einen abgesteckten Rahmen braucht. Gleichzeitig ist es enttäuschend wie viele Facetten wegfallen wie beispielsweise private Webseiten oder nur gestreift werden wie etwa Social Media. Damit steht die Frage an, ob es nicht geschickter gewesen wäre, die Helden nicht ins Internet zu schicken? Die Vermischung von Handlung und Werbung gehört sich für einen Kinderfilm nicht.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: Ralph Breaks the Internet
Land: USA
Jahr: 2018
Laufzeit ca.: -
Genre: 3DAbenteuerAnimationFamilieFantasyKomödie
Verleih: Walt Disney
FSK-Freigabe ab: -

Kinostart: 24.01.2019
Heimkino: 06.06.2019

Regie: Phil Johnston • Rich Moore
Drehbuch: Phil Johnston • Pamela Ribon • Rich Moore • Jim Reardon • Josie Trinidad • Kelly Younger

Sprecher: John C. Reilly (Ralph) • Sarah Silverman (Vanellope) • Gal Gadot (Shank) • Taraji P. Henson (Yesss) • Jack McBrayer (Felix) • Jane Lynch (Calhoun) • Alan Tudyk (KnowsMore) • Alfred Molina (Double Dan) •  (Mr. Litwak) • Sean Giambrone (The Eboy) • Flula Borg (Maybe) • Timothy Simons (Butcher Boy)

Produktion: Clark Spencer
Szenenbild: Cory Loftis
Kamera: Nathan Warner
Musik: Henry Jackman
Schnitt: Jeremy Milton • Fabienne Rawley


Bild: Walt Disney

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