Der Baader Meinhof Komplex

Kinoplakat Baader Meinhof Komplex

Spielfilm über die Rote Armee Fraktion. Der Film, der auf dem gleichnamigen Buch von Stefan Aust basiert, nutzt die Person Ulrike Meinhof als roten Faden für die Handlung. Angefangen bei Meinhofs kritischen Kolumnen für die Zeitschrift "Konkret" über den ersten Bombenanschlag von Baader und Enzlin in Berlin bis hin zur Erschießung des Arbeitgeberpräsidenten Hans Martin Schleyer.

Kritik

Wie bei allen Spielfilmen über Terrorismus so muss sich auch der "Baader Meinhof Komplex" die Frage gefallen lassen, ob ein Spielfilm über Terrorismus eigentlich sinnvoll ist oder ob eine Dokumentation, die das Thema kritisch hinterfragt, nicht die bessere Wahl wäre? Ich kann diese Frage nur für mich und nur so beantworten, dass ich zur Dokumentation tendiere. Das heißt nicht, dass der Film schlecht ist. Das Drehbuch aus der Feder von Bernd Eichinger gehört zu den stärkeren Drehbüchern von Eichinger. Die Rollen sind überwiegend gut besetzt. Nur Bruno Ganz fällt mir wiederholt negativ auf, weil er die Rolle des Präsidenten des BKA zu sehr zur Selbstdarstellung nutzt. Die Dramatik ist solide gemacht. Nach einer eher ruhigen Einführung nimmt der Film an Tempo auf und arbeitet die wichtigsten Stationen der Geschichte der RAF ab.

Die teils recht plakative Darstellung kann nicht immer überzeugen. So haben die Terroristen auffällig viele Waffen und unendliche Munition. Das heißt, sie schießen nicht nur, sondern durchsieben ihre Opfer, außerdem sterben Menschen effektheischend in Nahaufnahme. Eine weitere Schwäche des Drehbuchs ist das eigenartige Weglassen. So kommt beispielsweise der Name "Otto Schily" nicht vor - obwohl Schily als Rechtsanwalt für die Angeklagten arbeitet. Damit wäre ein interessanter Brückenschlag zur Politik von Schily als Innenminister möglich, doch solche Bezüge oder tiefer gehende Fragestellungen vermeidet der Film konsequent. Selbstverständlich erwarte ich keine Antwort auf die Frage, ob die Todesfälle in Stammheim Mord oder Selbstmord sind? Aber ein wenig mehr als die wenigen gebotenen Gedankenspiele dürften es schon sein.

Interessant ist, dass so wie Martina Gedeck Ulrike Meinhof spielt, Ulrike Meinhof den eigenen inneren Kampf nach außen getragen hat und statt das eigene Leben aufzuräumen, versucht hat den Staat zu verändern. Das ist eine Erklärung für Terrorismus, aber keine psychologische Studie und es bleibt unklar, ob das Drehbuch dies als Erklärung sieht oder nur die Schauspielerin die Rolle so angelegt hat.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 70 %


Land: Deutschland
Jahr: 2008
Laufzeit ca.: 150
Genre: Spielfilm
Verleih: Constantin Film
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 25.09.2008
Heimkino: 12.03.2009

Regie: Uli Edel
Drehbuch: Bernd Eichinger

Schauspieler: Martina Gedeck (Ulrike Meinhof) • Moritz Bleibtreu (Andreas Baader) • Johanna Wokalek (Gudrun Ensslin) • Bruno Ganz (Horst Herold) • Simon Licht (Horst Mahler) • Jan Josef Liefers (Peter Homann) • Alexandra Maria Lara (Petra Schelm) • Heino Ferch (Assistent) • Nadja Uhl (Brigitte Mohnhaupt) • Hannah Herzsprung (Susanne Albrecht) • Niels-Bruno Schmidt (Jan Carl Raspe) • Hans-Werner Meyer (Klaus Rainer Röhl) • Jasmin Tabatabai (Hanne) • Volker Bruch (Stefan Aust) • Christian Näthe (Jochen) • Martin Glade (Benno Ohnesorg) • Leonie Brandis (Friederike Dollinger) • Michael Gwisdek (Helmut Ensslin) • Johannes Suhm (Thorwald Proll) • Tom Schilling (Josef Bachmann) • Sebastian Blomberg (Rudi Dutschke) • Vinzenz Kiefer (Peter-Jürgen Boock) • Katharina Wackernagel (Astrid Proll) • Susanne Bormann (Petra Schoenau) • Peter Schneider (Gerhard Müller) • Anna Thalbach (Ingrid Schubert) • Daniel Lommatzsch (Christian Klar) • Stipe Erceg (Holger Meins) • Sunnyi Melles (Frau Buddenberg)

Produktion: Bernd Eichinger
Kamera: Rainer Klausmann
Musik: Peter Hinderthür • Florian Tessloff
Schnitt: Alexander Berner


Bild: Constantin Film

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