Der Solist

Kinoplakat Der Solist

Zu Recht sind wir nicht jedem Menschen gegenüber offen und lassen jeden in unser Leben. Wenn jedoch ein Film den Zuschauer bewusst auf Distanz hält und eine Geschichte zu Kunstkino verspinnt, dann wird es entweder anspruchsvoll oder anstrengend.

Steve Lopez (Robert Downey Jr.) ist Kolumnist bei der Los Angeles Times. Er schreibt über alltägliche Dinge beispielsweise darüber, wie er die Stadt sieht und erlebt. Als er eines Tages einen Unfall mit dem Fahrrad hat, schreibt er das nieder und erntet dafür sehr viel Zuspruch und Mitgefühl seiner Leser. Sehr zum Ärger eines Kollegen, der für politische Themen zuständig ist.

Eines Tages trifft er auf seiner Themensuche auf einen Obdachlosen, der auf einer Geige spielt, die nur zwei Saiten hat. Steve freundet sich mit Nathaniel (Jamie Foxx) an. Zunächst nicht aus Nächstenliebe, sondern weil er eine gute Story wittert. Steves Motto lautet nicht von ungefähr "ich schreibe, weil ich dafür Geld bekomme". Doch dann taucht er tiefer in das Leben des schizophrenen Musikers ein. Besucht das Elendsviertel, in dem dieser lebt, erkundet Quartiere für Obdachlose. Anfangs versucht er durch die Freundschaft zu Nathaniel Schuldgefühle zu kompensieren. So versucht er dem Obdachlosen eine Wohnung zu vermitteln, die der jedoch gar nicht will. Er braucht nicht die Art von Hilfe, die Steve für richtig hält. Er braucht nur einen Freund. Und so wird aus der Geschäftsbeziehung eine Freundschaft.

Kritik

Das Drehbuch zum Film basiert auf dem Buch des amerikanischen Schriftstellers Steve Lopez, das den Titel "The Solist" trägt, wie der Film auch im englischen heißt. Im Film treten die Schauspieler auf, als sei es ihnen gleichgültig, dass die Kamera und damit der Zuschauer sie begleitet. Sie leben in einer ganz eigenen versponnenen Welt, zu der ein Dritter keinen Zutritt haben soll. Das wirft die Frage auf, wurde der Film für das Publikum oder um der Kunst willen gedreht? Den Preis für den Kunstfilm, der zwar naturalistisch inszeniert ist, aber gleichzeitig unglaubwürdig und berechnet ist, zahlt der Zuschauer, denn er muss sich selbst einen Reim darauf machen, was der Inhalt ihm sagen will. Ich kann diese Frage nicht beantworten.

Von dem Problem abgesehen ist das Konzept in sich stimmig. Downey und Foxx agieren gut. Ab und an wirft das Drehbuch dem Zuschauer ein Bröckchen Gesellschaftskritik hin. Etwa in beiläufigen Sätzen wie dem, in dem der Obdachlose angibt, nicht in der Wall Street schlafen zu wollen, weil die zu dreckig sei. Doch dann liegt der Fokus wieder auf der Innenschau, der Zuschauer ist wieder ausgesperrt und die Darsteller kehren in ihre Kokons zurück. Auch nicht erbaulich: Es wird fast unablässig monologisiert; wobei die Grenze zwischen Inhalt und Geplapper fließend ist.

Fazit
Kunst lebt durchaus davon nicht erklärbar zu sein. Dementsprechend bleibt es ein Geheimnis des Films, weshalb diese im Kern unspektakuläre Geschichte der Freundschaft zweier Männer überhaupt erzählt werden muss und warum auf diese Weise.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 40 %


Original Filmtitel: The Soloist
Land: USA
Jahr: 2009
Laufzeit ca.: 117
Genre: BiografieDramaMusik
Verleih: Universal Pictures International
FSK-Freigabe ab: 12 Jahren

Kinostart: 10.12.2009
Heimkino: 15.04.2010

Regie: Joe Wright
Drehbuch: Susannah Grant
Literaturvorlage: Steve Lopez

Schauspieler: Jamie Foxx (Nathaniel Ayers) • Robert Downey Jr. (Steve Lopez) • Catherine Keener (Mary Weston) • Tom Hollander (Graham Claydon) • LisaGay Hamilton (Jennifer Ayers) • Nelsan Ellis (David Carter) • Rachael Harris (Leslie Bloom) • Stephen Root (Curt Reynolds) • Lorraine Toussaint (Flo Ayers) • Justin Martin (Nathaniel, jung) • Kokayi Ampah (Bernie Carpenter) • Patrick Tatten (Paul Jr.)

Produktion: Gary Foster • Russ Krasnoff
Szenenbild: Sarah Greenwood
Kostümbild: Jacqueline Durran
Maskenbild: Ve Neill
Kamera: Seamus McGarvey
Musik: Dario Marianelli
Schnitt: Paul Tothill


Bild: Universal Pictures International

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