Die blaue Grenze

Kinoplakat Die blaue Grenze

Der introvertierte, verträumte Momme kommt nach Hause und findet seinen Vater tot neben dem Mittagstisch, auf dem das dampfende Essen steht. Zum Andenken an seinen Vater nimmt Momme dessen Hörgerät an sich. Dann macht er sich auf den Weg zu seinem Großvater, seinem einzigen Verwandten. Großvater wohnt inzwischen in seiner Gartenlaube, weil Oma im Haus gestorben ist und es seitdem dort "stinkt, nach Tod".

Der Film "Die blaue Grenze" spielt im hohen Norden, dort, wo die Ostsee Deutschland und Dänemark trennt. Momme, ein introvertierter, übergewichtiger junger Mann (fast sprachloser Träumer: Antoine Monot Jr.) steht auf einem winterlichen Feld und beobachtet die Krähen in einem Baum. Er schießt auf sie und geht dann nach Hause. Als er die Küche betritt, findet er seinen Vater tot auf dem Boden liegen. Auf dem Tisch daneben steht das dampfende Essen. Dem Vater ist das Hörgerät aus dem Ohr gefallen, Momme hebt es zum Andenken auf und steckt es sich ins Ohr. Dann lässt er die Leiche abholen und fährt zum Großvater (liebenswerter Sturkopf: Joost Siedhoff). Doch die verkommene Wohnung ist leer, außer Kakerlaken auf dem verschimmelten Essen ist da niemand. Die Nachbarn klären ihn darüber auf, dass Großvater jetzt, nach dem Tod der Großmutter, in seinem Schrebergarten wohnt, obwohl er das eigentlich nicht darf. Momme fährt in die Laubenkolonie.

Opa mäht den Rasen und lässt sich auch durch die Mitteilung, dass sein einziger Sohn gestorben ist, nicht aus der Ruhe bringen. Er ignoriert die Tatsache einfach. Momme geht spazieren, und sieht, dass in einem anderen Schrebergarten ein Fest stattfindet. Eine junge, schöne Frau lädt ihn ein, doch mitzumachen. Momme lässt sich von der jungen Frau, die Lene (einsame Schöne: Beate Bille) heißt, überreden, und verliebt sich prompt in sie. Auch sie scheint ihn nett zu finden, muss aber am nächsten Morgen schon wieder mit dem Bus ins heimatliche Dänemark zurückfahren. Zur selben Zeit gibt der etwas merkwürdige Kommissar Poulsen (hektisch wie einst Louis de Funes: Dominique Horwitz) seinen Abschied in seinem Revier. Er ist nach Flensburg versetzt worden. Für seine Abschiedsfeier hat er sich ein riesiges, langes Konferenzzimmer ausgesucht. Aber nur drei Kollegen sitzen vor dem Pult, auf dem er seinen glückseligen Erinnerungen nachhängt, und machen kein Hehl daraus, dass sie sich sterblich langweilen. Poulsen muss sich in Flensburg eine neue Bleibe suchen und mietet ein Haus neben einer älteren Frau, die sich ihm als Frau Marx vorstellt (geheimnisvoll zurückgenommen: Hanna Schygulla). Für den Umzug engagiert Poulsen zwei ehemalige Strafgefangene, die er aus Dankbarkeit – und weil er ständig auf der Suche nach Freunden ist – gleich noch zum Abendessen einlädt. Sie danken es ihm schlecht: als er kurze Zeit später nach Hause kommt, ist sein schönes neues Haus ausgeräumt, und zwar komplett. Frau Marx tröstet ihn, und zwar so innig, dass ihm schier Hören und Sehen vergeht.

Inzwischen stellt Momme fest, dass er ohne Lene nicht leben kann, und beschließt sie zu besuchen. Aber das gestaltet sich schwieriger als er denkt, denn obwohl ihm die Nachbarn von Opa das Moped leihen, kommt er nicht über die Grenze. Auch Lene stellt inzwischen fest, dass sie ohne Momme nicht leben kann, und beschließt wieder nach Deutschland zu fahren, während Großvater beschließt, vor seinen Erinnerungen an seinen toten Sohn nach Dänemark zu flüchten und dort zu zelten, obwohl es mitten im Winter ist. Er schlägt sein Zelt direkt vor Lenes Haus auf, die ihn bei einem Unwetter ins Haus holt. Momme wird das Moped von den beiden Strafgefangenen gestohlen, und so freundet er sich mit einem Fischer an, von dem er sich dann das Boot "leiht", um bei Nacht übers Meer nach Dänemark zu seiner Lene zu fahren. Er landet genau vor ihrem Haus, und während er von hinten über den Strand hineingeht, geht sie vorne mit seinem Großvater hinaus, um den Bus nach Deutschland zu besteigen. Als Lene in Opas Gartenlaube ankommt, räumen gerade die beiden Strafgefangenen die Laube aus, und teilen ihr freundlich mit, dass keiner daheim ist. Um wieder in die Stadt zu kommen, springt Lene heimlich hinten auf den Laster der beiden. Frau Marx wird bei Poulsen immer zudringlicher, was er nicht so ganz versteht. Schließlich bittet sie ihn, mit ihr zu einer bestimmten Stelle im Wald zu fahren. Auf dem Weg dorthin entdecken sie den Laster, der einen Unfall hatte und im Straßengraben liegt. Weit verstreut liegen dort alle Einrichtungsgegenstände aus Poulsens Haus, Lene sitzt verletzt im Gras, und die beiden Strafgefangenen sind im Führerhaus eingeklemmt. Momme fährt inzwischen mit seinem "geliehenen" Boot zurück nach Deutschland. Unterwegs geht ihm der Sprit aus, er fällt ins Wasser und ertrinkt fast. Im Krankenhaus trifft er Lene wieder, und die beiden werden ein glückliches Paar. Frau Marx schleppt Poulsen doch noch in den Wald und zeigt ihm das Grab ihres geliebten Mannes. Auf dem Grabstein ist ein Foto – und es stellt sich heraus, dass ihr Mann Poulsen zum Verwechseln ähnlich sieht.

Kritik

Der Film "Die blaue Grenze" beginnt mit einem Monolog, den Hanna Schygulla im Off spricht: "Es gibt in den arabischen Ländern eine Legende, dass einst die Toten und die Lebenden nebeneinander gelebt haben. Doch die Toten wurden immer mehr, und die Lebenden hatten Angst, von ihnen verdrängt zu werden. Also belegten die Lebenden die Toten mit einem Fluch, der sie in die Spiegel verbannte. Deshalb kann es sein, dass man im Spiegel plötzlich noch jemand sieht." So ungefähr lautet dieser Monolog, und er ist genauso rätselhaft wie der ganze Film.

Der Film "Die blaue Grenze" ist eine Tragikomödie mit einer ganzen Menge ziemlich skurriler Charaktere. Da ist der stets unrasierte Momme, der stumm und unbeholfen wie ein Riesenbaby durch den Film tappt, und in den sich die bildschöne Dänin Lene verknallt. Na ja, Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Dann ist da der segelohrige Dominique Horwitz als Kommissar Poulsen, der stets mit einem albernen Grinsen herumkaspert, und wirklich frappierend an Louis de Funes erinnert. Obwohl versetzt, versucht er immer noch in seiner alten Dienststelle mitzumischen, wobei ihm seine ehemaligen Kollegen sogar Auskunft über einen laufenden Fall verweigern! Vielleicht macht man das im hohen Norden ja so. Und dann die zwei Knackis, die wie Pat und Patachon agieren. Der eine ist clever und hat, obwohl er ein Mordskerl ist, eine Piepstimme, der andere sieht gut aus und ist doof. Dass der Kommissar ausgerechnet die zwei Knackis für den Umzug engagiert, soll wohl komisch sein, so wie das Tennismatch, das er mit sich selber spielen muss, weil er niemand hat: keine Freunde, keine Frau, kein Garnichts. So geht's am laufenden Band weiter. Lauter seltsame Menschen, die seltsame Dialoge sprechen und seltsame Dinge treiben, und auf seltsame Art aufeinandertreffen.

Fazit
Vielleicht geht mir ja der Sinn fürs Höhere ab, aber mir hat der Film nicht sonderlich gefallen. Die Verknüpfung der einzelnen Figuren, damit daraus am Ende was Rundes wird, ist mir zu angestrengt, zu unwahrscheinlich. Ich habe den Eindruck, dass der Regisseur nicht so genau wusste, ob er nun ein bisschen was Gruseliges machen soll (dazu würde die krebskranke dänische Mutter mit dem Loch im Hals passen, aus dem sie unverständliche Töne absondert oder die Tatsache, dass Momme immer wieder das Hörgerät vom toten Vater ins Ohr steckt und dann seltsame Geräusche hört). Oder vielleicht doch eine skurrile Komödie (dazu passt, dass Momme an jedem dänischen Grenzübergang vom immer selben Grenzbeamten die Durchfahrt verweigert wird), oder was Tragisches (dazu passt, dass Kommissar Poulsen auf rührend alberne, dämliche, tragische Weise versucht, jeden, den er trifft, zu einem Freund zu machen). Aber, um ganz ehrlich zu sein: die ähnlichen Episoden-Filme wie "Magnolia" oder "Lieben und leben in L.A." haben mir wesentlich besser gefallen.
Filmkritik: Julia Edenhofer
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: A quiet Love
Land: Deutschland
Jahr: 2005
Laufzeit ca.: 104
Genre: DramaMysteryRomantik
Verleih: Jetfilm Verleih
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 24.11.2005
Heimkino: 16.11.2006

Regie: Till Franzen
Drehbuch: Till Franzen

Schauspieler: Antoine Monot Jr. (Momme Bief) • Dominique Horwitz (Ove Poulsen) • Beate Bille (Lene) • Joost Siedhoff (Der alte Bief) • Hanna Schygulla (Frau Marx) • Erich Krieg (Vater Bief) • Ketel Weber (Bestatter) • Yupp Regeler (Bestatter) • Sebastian Schipper (Biskup) • Axel Olsson (Möllgaard) • Friedrich Karl Praetorius (Heesch) • Traute Hoess (Mona) • Uwe Rohde (Lothar) • Felix Bassmann (Cowboy) • Oliver Frank (Party Trucker) • Jens Münchow (Teddy) • Sebastian Schultz (Morten) • Joachim Kindscher (Pastor)

Produktion: Felix Blum • Holger Hage • Arne Ludwig
Szenenbild: Birgit Esser
Kostümbild: Marion Salzmann
Maskenbild: Simone Butz • Janina Dietze
Kamera: Manuel Mack
Musik: Enis Rotthoff
Schnitt: Till Franzen • Sebastian Schultz


Bild: Jetfilm Verleih

1 customer review

befriedigend
24.11.05
Show more

vorgeschlagen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Durch "Akzeptieren" stimmst Du der Verwendung zu. Durch "Ablehnen" stimmst Du nicht zu und es kann zu Dysfunktionen kommen.