Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3

Kinoplakat Die Entführung der U-Bahn Pelham 123

Die Vorstellung in einem U-Bahn-Waggon festzusitzen, weil der Zug entführt wurde, dürfte bei vielen Menschen Panik und Platzangst auslösen. Wenn dann noch ein Psychopath die Entführer leitet, dürfte der Filmerfolg besiegelt sein.

"Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3" eröffnet mit einem Blick auf New York. Die Kamera sieht aus dem Fenster einer U-Bahn. Der Zug stoppt. Jetzt brechen Musik und die Hektik der Stadt auf den Zuschauer ein. In schneller Folge werden die Hauptdarsteller von der Kamera eingefangen. Szenenwechsel. Für Walter Garber (Denzel Washington) scheint es ein ganz normaler Tag in der U-Bahn-Leitstelle zu werden. Doch dann bleibt ein Wagen der Linie 8 ohne erkennbaren Grund auf der Strecke stehen. Unter der Leitung von Ryder (John Travolta) haben drei Entführer die Pelham 1 2 3 nebst Geiseln in ihre Gewalt gebracht. Sie stellen eine horrende Lösegeldforderung: 10 Millionen sind innerhalb von 60 Minuten zu übergeben. Für jede Minute Verzögerung wird eine Geisel sterben.

Obwohl Garber für ein solches Szenario nie geschult wurde, bleibt er erstaunlich gelassen. Er redet nicht nur über Funk mit Ryder, sondern argumentiert erstaunlich geschickt. Und selbst als der Erpresser ihn persönlich in die Zange nimmt, bleibt Garber die Ruhe in Person. Doch so gut Ryder seinen Plan auch durchdacht hatte, er begeht am Ende den entscheidenden Fehler: Er hat den menschlichen Faktor nicht bedacht.

Kritik

Die Ausgangslage des Films ist spannend. Ein voll besetzter Waggon der U-Bahn steht in einem Tunnel. Drei schwerbewaffnete Entführer haben bereits den U-Bahn-Fahrer erschossen. Wer würde da nicht um sein Leben fürchten? Doch darauf will die Handlung nicht hinaus. Sie konzentriert sich auf das Kräftemessen zwischen dem Kopf der Entführer und dem Fahrdienstleiter. John Travolta gibt den Psychopathen während Denzel Washington in seiner Rolle erstaunlich gemütlich bleibt. Dabei hätte er jeden Grund ordentlich ins Schwitzen zu geraten. Über ihm schwebt der Verdacht Schmiergeld gezahlt zu haben. Er wurde er an diesen Arbeitsplatz strafversetzt und sein Vorgesetzter begegnet ihm mit offener Feindseligkeit. Doch das sehe ich ihm nicht an. Mehr noch: Er ist reißerisch. Er ist hipp.
Die Handlung ist aufgesetzt. Trotz der hektischen Schnitte und der Konzentration auf zwei Handlungsorte kommt nur wenig Spannung auf. Das Psychoduell bleibt ein Sprechduell. Story und Figuren geben sich unmotiviert. Mehr noch: Unter der Regie von Ridley Scott entwickeln die Schauspieler aus ihren Rollen keine Personen. Das geht soweit, dass zwei von drei Entführern Statisten bleiben. Dazu kommen Ungereimtheiten. So entdeckt nicht der Profiler der Polizei die wahren Hintergründe des Verbrechens, sondern der Bürgermeister. John Travolta passt optisch gut in die Rolle des Durchgeknallten. Aber den ehemaligen Börsenmakler glaube ich ihm nicht. Und weshalb wird der brave Familienvater zum Rächer? Fühlt er sich jetzt doch persönlich angegriffen? Und was ist mit der Schmiergeldzahlung? Ist Garber schuldig oder unschuldig? Für mich beantwortet der Film die Frage nicht.

Gefallen kann der Umstand, dass auf klassische Spezialeffekte verzichtet wird. Gleichzeitig ärgert die Effekthascherei. Die Geiseln im Film haben Nerven wie Drahtseile. Bei ihnen löst das Feststecken im U-Bahn-Tunnel wenig aus. Einer hat sogar den Mut mit seiner Freundin per Computerchat zu kommunizieren. Die Webcam seines Notebooks überträgt Bilder aus dem Waggon live ins Internet. Dem Akku des Notebooks geht im richtigen Moment der Strom aus - und später liefert er wieder Strom. In einer anderen Szene wird Hochspannung mit einem simplen Hebel ausgeschaltet. Eigenartig: Bei uns in Deutschland kann Strom überspringen. Nicht umsonst warnt die Bahn an ihren Oberleitungen davor. Dass Polizisten bei der Blaulichtfahrt einen Unfall haben, finde ich beim ersten Mal realistisch. Doch dann summieren sich die Unfälle.

Fazit
Der Film "Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3" basiert auf dem Film "Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3". Den habe ich vor Jahren gesehen und kann mich nur noch dunkel erinnern. Detaillierte Vergleiche müssen deshalb ausfallen. Für die Neuverfilmung ist das Drehbuch abgeändert, aufgepeppt und an die Jetztzeit angepasst. Leider geht der Film in die Übertreibung anstatt Gefühle zu inszenieren. In Verbindung mit den überzogenen Effekten ist das abträglich.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 60 %


Original Filmtitel: The Taking of Pelham 123
Land: GroßbritannienUSA
Jahr: 2009
Laufzeit ca.: 106
Genre: ActionKrimiSpannung
Verleih: Columbia TriStar Film
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 24.09.2009
Heimkino: 25.02.2010

Regie: Tony Scott
Drehbuch: Brian Helgeland
Literaturvorlage: John Godey

Schauspieler: Denzel Washington (Walter Garber) • John Travolta (Ryder) • Luis Guzmán (Phil Ramos) • Victor Gojcaj (Bashkin) • Robert Vataj (Emri) • John Turturro (Camonetti) • Michael Rispoli (John Johnson) • Ramon Rodriguez (Delgado) • James Gandolfini (Mayor) • John Benjamin Hickey (LaSalle) • Alex Kaluzhsky (George) • Gbenga Akinnagbe (Wallace)

Produktion: Todd Black • Jason Blumenthal • Tony Scott • Steve Tisch
Szenenbild: Chris Seagers
Kostümbild: Renée Ehrlich Kalfus
Maskenbild: Louise McCarthy
Kamera: Tobias Schliessler
Musik: Harry Gregson-Williams
Schnitt: Chris Lebenzon


Bild: Columbia TriStar Film

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