Watchmen - Die Wächter

Kinoplakat Watchmen

Amerika liebt seine Superhelden. Im Comic ebenso wie im Kino. Was wäre, wenn diese Superhelden eine dunkle Seite hätten? Eine korrupte Regierung sich ihrer bedienen würde? Oder den selbst ernannten Rettern jegliche Mittel recht wären, um vorgeblich hehre Ziele zu verwirklichen?

In einem fiktiven Amerika der 1980er Jahre wird ein Mann (Jeffrey Dean Morgan) ermordet, der unter dem Namen "Comedian" in den 1940er Jahren Mitglied einer Gruppe von selbst ernannten Superhelden war. Nach dem Mord beginnt sein ehemaliger Mitstreiter Rohrschach (Jackie Earle Haley) zu ermitteln. Der Rest der Truppe hat sich aufs Altenteil zurückgezogen und lebt unter bürgerlichem Namen eine ebensolche Existenz. Mit der Ausnahme von Ozymandias (Matthew Goode), der sich selbst ausgesprochen erfolgreich vermarktet. Und auch Dr. Manhattan (Billy Crudup) führt kein allzu beschauliches Leben. Wie auch? Seit er bei einem Experiment versehentlich verstrahlt und in seine Atome zerlegt wurde, ist er ein echter Superheld mit gewissen Nebenwirkungen. So strahlt sein Körper hellblau, er kann seine eigene Atomstruktur kontrollieren und sich vermehrfachen. Die Ehemaligen respektive ihre Nachfolger haben zunächst kein großes Interesse an Nachforschungen. Vielleicht war die Tat politisch motiviert, vielleicht war dem Comedian eine seiner dunklen Seiten zum Verhängnis geworden? Denkbar ist das, denn er hatte unter anderem für die Regierung als Auftragskiller gearbeitet.

Es entspinnt sich eine Handlung, die ein ganz anderes Bild von Superhelden zeichnet, als wir es gewohnt sind. Mr. Manhattan verliert schon mal das Interesse daran die Menschen zu retten. Für den Rest der Gruppe sind Mord, Gewalt, Vergewaltigung oder das Erschießen von Unschuldigen keine Fremdwörter. Kurz gesagt sind diese sogenannten Superhelden keine Bilderbuchhelden. Und der Tod des Comedians ist nur der Auslöser dafür, um eine Schmutzschicht nach der anderen freizulegen.

Kritik

Die Graphic Novel, auf der der Film "Watchmen - Die Wächter" beruht habe ich nur angelesen, denn ich kenne den Stil von Alan Moore und kann mich für ihn nicht erwärmen. Der Vergleich zwischen Vorlage und Verfilmung muss deshalb wegfallen. Das hat den Vorteil, dass ich ohne Voreingenommenheit in den Film gehe. Und den Nachtteil, dass sich mir mangels Vorwissen einige Feinheiten der Handlung nicht erschließen. Kollegen, die den Comic kennen, sind der Meinung, das sei zwangsläufig so.

Davon abgesehen bietet "Watchmen" eine weitschweifige und gleichzeitig inhaltlich abgegrenzte Story, die ungewöhnlich inszeniert ist. Zum einen sticht die Brutalität als Stilmittel hervor. Einer Frau wird ins Knie geschossen, eine Schwangere stirbt nach einem Bauchschuss, einem Mann werden mit einem Winkelschleifer die Arme abgetrennt. Die Amerikaner dürften entsetzt sein, dass Dr. Manhattan überwiegend nackt durch den Film stapft. Zunächst nur in der Rückansicht, doch dann ist durchgängig das zu sehen, was die primären Geschlechtsmerkmale des Mannes sind. Ein weiteres Stilmittel ist jede Menge Gedöns, das bei einer Comicverfilmung gerechtfertigt ist, mich aber anstrengt. Beispielsweise bewegen sich die Flecken auf Rohrschachs Gesichtsmaske unablässig. Präsident Nixon macht mit seiner Nase jedem Nasenaffen Konkurrenz. Und auch die überzogenen Kämpfe sind im Comicstil gehalten. Gefallen hat mir wiederum die düstere Atmosphäre, die an "Sin City" erinnert.

Zeitsprünge erzählen in Einschüben die Geschichte der "Watchmen" und verdeutlichen den Eigenanspruch der Produktion ein großes Werk zu sein. Die Figuren, ihre Probleme und Schicksale packen mich nicht. Ob es nun darum geht mit dem eigenen Superheldentum zu leben oder die Erwartungen der Eltern zu erfüllen. Und auch die Schilderung einer anderen Geschichtsschreibung berührt mich nicht.

Fazit
Von einer Comicverfilmung erwarte ich keine Psychoanalyse. Doch für meinen Geschmack bleibt die Handlung in Relation zur Lauflänge zu sehr Fassade und ihre Aussage beziehungsweise die Auflösung des Ganzen zu nahe am Comic. Zudem fällt die Spannung mit Fortschreiten zu sehr ab.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Watchmen
Land: GroßbritannienUSA
Jahr: 2009
Laufzeit ca.: 158
Genre: ActionComicDramaHeldenKrimi
Verleih: Paramount Pictures
FSK-Freigabe ab: 16 Jahren

Kinostart: 05.03.2009
Heimkino: 20.08.2009

Regie: Zack Snyder
Drehbuch: David Hayter, Alex Tse
Literaturvorlage: Dave Gibbons • Alan Moore

Schauspieler: Malin Åkerman (Laurie Jupiter / Silk Spectre II) • Billy Crudup (Dr. Manhattan / Jon Osterman) • Matthew Goode (Adrian Veidt / Ozymandias) • Jackie Earle Haley (Rorschach) • Jeffrey Dean Morgan (Edward Blake / Comedian) •  Patrick Wilson (Dan Dreiberg / Nite Owl) • Carla Gugino (Sally Jupiter / Silk Spectre) • Matt Frewer (Moloch) • Stephen McHattie (Hollis Mason) • Laura Mennell (Janey Slater) • Rob LaBelle (Wally Weaver) • Gary Houston (John McLaughlin) • Kevin McNulty (Nachrichten-Sprecher)

Produktion: Lawrence Gordon • Lloyd Levin • Deborah Snyder
Szenenbild: Alex McDowell
Kostümbild: Michael Wilkinson
Maskenbild: Rita Ciccozzi
Kamera: Larry Fong
Musik: Tyler Bates
Schnitt: William Hoy


Bild: Paramount Pictures

1 customer review

befriedigend
05.03.09
Show more

vorgeschlagen

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Durch "Akzeptieren" stimmst Du der Verwendung zu. Durch "Ablehnen" stimmst Du nicht zu und es kann zu Dysfunktionen kommen.