Sin City

Kinoplakat Sin City

"Sin City" ist eine konsequente Comic-Verfilmung. Düster, dreckig und brutal spricht sie das an, was viele Menschen als schmutzig ablehnen und leugnen, es in sich zu tragen wie etwa Lust am Töten, oder den Rausch von Macht.

Wer dafür zahlen kann, bekommt in "Sin City" alles - egal ob einen Killer oder käufliche Liebe. Die Stadt ist dreckig, finster, abgeschmackt. Marv (Mickey Rourke) widerfährt es zum ersten Mal, dass eine Frau ihm Zärtlichkeit schenkt. Goldie (Jamie King) ist eine bildschöne Hure. Als Marv neben ihr aus einem Rausch erwacht, ist sie tot. Ihre perfekten Brüste bewegen sich nicht mehr, kein Atem. Die Huren halten ihn im Film für den Mörder und beginnen ihn zu jagen, doch er weiß es besser und nimmt die Spur des wahren Täters auf. Ein psychopathischer Kannibale (Elijah Wood) hat zwischenzeitlich Marvs Bewährungshelferin gekidnappt und bereits Teile ihrer Hand verspeist. Marv bereitet eine Rache vor, die brutaler ist, als alles bisher Dagewesene.

Dwight (Clive Owen) blickt auf seinen Ruhm als Fotoreporter zurück. Vergangenheit. Aktuell versucht er Shelley (Brittany Murphy) vor ihrem Ex-Freund zu beschützen. Nach einem heftigen Streit, brechen Jackie Boy (Benicio Del Torro) und seine Jungs nach Old Town, einem Viertel von "Sin City" auf. Dieser Teil der Stadt ist fest in der Hand der Huren. Das garantiert eine Abmachung: Keinem Bullen wird ein Haar gekrümmt, dafür sind die Huren das Gesetz. Wer hier eine falsche Lippe riskiert, wird im Film erledigt. Jackie Boy, der die Schmach noch nicht verkraftet hat, gerät mit den Frauen aneinander und wird (sagen wir) geköpft. Ein Fehler, auf den die Zuhälter schon lange warten, denn das bedeutet das Ende des geduldeten Friedens. Sie werden zurückkehren und die Macht ergreifen, es sei denn, man findet Jackies Kopf nicht. Deshalb zieht Dwight los, um das Beweisstück in den Teergruben zu versenken. Ein Plan, den die Gegenseite mit aller Macht zu vereiteln sucht.

Für John Hartigan (Bruce Willis) ist im Film bald alles vorbei. 24 Stunden trennen ihn noch von seiner Rente. Seine Herzbeschwerden bringen ihn fast um, doch John ist ein Bilderbuch-Cop. Er versucht das Leben der 11-jährigen Nancy zu retten, die von einem Pädophilen (Nick Stahl) entführt wurde. Im Showdown zwingt ihn das Schwein dazu, ihm ein Ohr, die Hände sowie die Weichteile abzuschießen. Ärgerlich, dass ihm sein korrupter Partner (Michael Madsen) dabei in die Quere kommt. Schade, dass er ihn ebenfalls anschießen muss, bevor er selbst durchsiebt wird. Doch John soll überleben, damit der mächtige Vater des Entführers Rache nehmen kann. Die Jahre vergehen und am Ende muss ein alter Mann sterben, damit eine junge Frau leben kann.

Kritik

Bei Comics denken viele Menschen an bunte Bilder. Dass Comics auch für Kunst oder dunkle Storys stehen, vergessen sie. Ein gutes Beispiel ist der Comic-Roman "From Hell", der die Geschichte von Jack The Ripper neu erzählt. Als Vorlage für den Film "Sin City" dienten die gleichnamigen Comics von Frank Miller. Unter dessen Co-Regie und der Regie von Robert Rodriguez entstand ein Film, der düster, dreckig und unglaublich brutal ausfällt. Man mag kaum glauben, dass ausgerechnet "Disney" den Film ins Kino bringt. Die Gewaltorgie beginnt, nach einer kurzen Sequenz, wie eine klassische Detektiv-Geschichte. Bruce Willis (wieder in der Rolle des tragischen Helden) erzählt die Story des aufrichtigen Cops, dann unterbrechen zwei andere Episoden, um am Ende die Geschichte des Cops zu Ende zu bringen. Als verbindendes Element dient eine Bar, in der die drei Handlungsfäden zusammenlaufen. Aufgrund der Erzählweise ergeben die eigenständigen Episoden, die zu unterschiedlichen Zeiten spielen, in der Summe eine flüssige, abgeschlossene Handlung.

Die Kulissen sind stilisiert; die Aufnahmen entstanden vor einer Greenscreen, die es erlaubt, einen beliebigen Hintergrund einzusetzen. Aggressive Farbtupfer wie ein rotes Kleid oder eine farbige Pupille setzen den Effekt fort. Blut hat die Farbe und Konsistenz von Joghurt und wird im Film in Litern gemessen. Die brutale Linie setzt die Handlung konsequent fort. Nichts wird geschönt. Im Gegenteil: Männern wird bevorzugt in die Weichteile geschossen. In der widerlichsten Szene richtet Marv den Kannibalen.

Die Besetzung des Films ist eine Mischung aus altbewährten Haudegen und Nachwuchstalenten, die zum Teil gegen ihr bisheriges Image anspielen. Brittany Murphy etwa, die sonst auf die Rolle der Tollpatschigen abonniert ist, wie im Film "Die Ex-Freundinnen meines Freundes", versucht sich als Vamp. Wirkt jedoch im Vergleich mit den Vollblut-Weibern Rosario Dawson oder Jaime King wie eine Anfängerin. Auch Josh Hartnett ("Sehnsüchtig") bleibt als Auftragskiller zu belanglos, obwohl er gegen sein Image des smarten Sonnyboy angeht. Wirklich gruselig ist der Auftritt von Elijah Wood, der den eiskalten Killer mit beängstigender Ruhe spielt. Dass altbekannte Recken wie Mickey Rourke, der unter seiner Maske kaum zu erkennen ist, oder Rutger Hauer eine gewohnt gute Leistung erbringen, muss nur am Rande erwähnt werden.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 80 %

Nachtrag: Fortgesetzt wird die Story in "Sin City 2 - A Dame to Kill For".


Land: USA
Jahr: 2005
Laufzeit ca.: 119
Genre: ComicKrimiThriller
Verleih: Buena Vista
FSK-Freigabe ab: 18 Jahren

Kinostart: 11.08.2005
Heimkino: 15.12.2005

Regie: Frank Miller • Robert Rodriguez
Drehbuch: Frank Miller

Schauspieler: Bruce Willis (Hartigan) • Clive Owen (Dwight) • Brittany Murphy (Shellie) • Rosario Dawson (Gail) • Elijah Wood (Kevin) • Mickey Rourke (Marv) • Jessica Alba (Nancy Callahan) • Nick Stahl (Roark Jr. / Yellow Bastard) • Powers Boothe (Senator Roark) • Rutger Hauer (Cardinal Roark) • Benicio Del Toro (Jackie Boy) • Jaime King (Goldie / Wendy) • Devon Aoki (Miho) • Josh Hartnett (Mann) • Michael Madsen (Bob) • Alexis Bledel (Becky) • Nick Offerman (Shlubb)

Produktion: Elizabeth Avellán
Maskenbild: Ron Pipes
Kamera: Robert Rodriguez
Musik: John Debney • Graeme Revell • Robert Rodriguez
Schnitt: Robert Rodriguez


Bilder: Buena Vista

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