Die Legende der Wächter

Kinoplakat Die Legende der Wächter

Zeichentrick für Erwachsene ist ein in Deutschland wenig unterstütztes Genre. Die Legende der Wächter kommt allerdings so düster daher, dass man nur ältere Kinder ins Kino mitnehmen möchte, damit sie sich die klassische Erzählung vom Kampf Gut gegen Böse anschauen. Wie in einer Fabel spielen nicht Menschen die Hauptrollen, sondern Eulen.

Soren und Kludd sind junge Eulen, die gerade ihre ersten Flugversuche absolvieren. Nach einem übermütigen Ausflug werden sie von fremden Eulen nach dem Königreich der Reinsten verschleppt. Hier unterzieht man die entführten Jung-Eulen einer Art Gehirnwäsche und macht sie anschließend zu willenlosen Sklaven. Wer stark ist, wird Kämpfer, wer schwach ist oder sich weigert, muss arbeiten. Doch einen Aufrechten gibt es im faschistisch angehauchten Königreich des Bösen. Der verhilft Soren und seiner neu gewonnenen Freundin zur Flucht. Gemeinsam fliegen sie zur Insel der Wächter. Dort leben die guten Wächter von Ga'Hoole. Es dauert auch nicht lange und die Wächter sind bereit, Sorens Worten Glauben zu schenken und erkunden, was die Bösen im Schilde führen. Ihre Nachforschungen bestätigen die Erzählung und es kommt zum entscheidenden Kampf Gut gegen Böse.

Kritik

So ganz schlau werde ich aus dem Film nicht. Durch die gesamte Handlung zieht sich Gegensätzlichkeit und es fehlt eine klare Entscheidung, ob der Film Kinder oder Erwachsene ansprechen möchte. Der Verleih wirbt mit einem "Film für die ganze Familie"; dem ich nur widersprechen kann. Vieles spricht für eine erwachsene Zielgruppe. Die insgesamt sehr dunkle Optik, die ernste Umsetzung ohne auflockernden Humor, die Brudertwist-Thematik und die teils schwülstigen Dialoge. Nicht kindgerecht finde ich auch den Handlungsstrang der Brüder, die sich entzweien und am Schluss des Films sogar gegeneinander kämpfen.

Dem steht die Tiefe der Handlung entgegen, die mit einfachem Verstehen und simplen Handlungssträngen Kindern gerecht wird. So sind die Abschnitte der Handlung jeweils unglaubwürdig schnell abgeschlossen. Die Ausbildung der Kämpfer dauert auf beiden Seiten nur wenige Tage. Wenn es zum Kampf kommt, dann geht es kindgerecht zu, indem besiegte Gegner einfach auf den Rücken fallen oder ins Bodenlose trudeln. Davon abgesehen verlaufen die Kämpfe sehr gleichförmig.

Von der Frage der Zielgruppe abgesehen, frage ich mich, weshalb Eulen überhaupt Stahlkrallen brauchen; und wozu sie Helme tragen, die zusätzliches Gewicht beim Fliegen bedeuten? In Fabeln übernehmen Tiere die Rollen von Menschen und transportieren eine Lehre. Das ist im Film nicht so. Die Eulen menscheln zwar sehr - so gibt es im Nest eine Schlange, die wie ein Kindermädchen auf die jungen Eulen aufpasst - doch die Schlange steht nicht für Weisheit und am Ende fehlt der belehrende Aspekt. Vielmehr läuft es auf eine einfache Schilderung von Gut gegen Böse hinaus. Dabei spielt es keine Rolle, dass Gut und Böse das Gleiche tun. Beide Seiten kämpfen gerne - wobei die Anwendung von Gewalt gut ist, wenn es die Guten tun und böse, wenn es die Bösen tun. Dass Gewalt nie eine Lösung darstellt, wird leider nur am Rand angedeutet. Vielmehr wird das Leben als Wächter, als Ideal dargestellt, weil er für das Gute kämpft. Gerade in einem Film, den der Verleih der ganzen Familie verkaufen möchte, finde ich diese Wertevermittlung unangebracht.

Zum Schluss möchte ich noch auf einen Punkt eingehen, der mir gefällt: Die Animation der Eulen. So sehr sie auch menschliche Züge annehmen, wie etwa Schmieden, so wirken sie recht lebensnah animiert.
Filmkritik: Thomas Maiwald
Wertung: 50 %


Original Filmtitel: Legend of the Guardians: The Owls of Ga'Hoole
Land: USA
Jahr: 2010
Laufzeit ca.: 93
Genre: 3DAbenteuerActionAnimationFamilieFantasyHeldenKrieg
Verleih: Warner Bros.
FSK-Freigabe ab: 6 Jahren

Kinostart: 14.10.2010
Heimkino: 25.02.2011

Regie: Zack Snyder
Drehbuch: John Orloff • Emil Stern
Literaturvorlage: Kathryn Lasky

Produktion: Zareh Nalbandian
Szenenbild: Simon Whiteley • Grant Freckelton
Kamera: David Scott
Musik: David Hirschfelder
Schnitt: David Burrows


Bild: Warner Bros.

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